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Keine Akw-Abfälle aus Grafenrheinfeld mehr nach Schwandorf | BR24

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Seit Wochen sorgt das Thema für Zündstoff: Im Müllkraftwerk in Schwandorf werden Abfälle aus Atiomkraftwerken verbrannt. Aus Grafenrheinfeld soll derartiger Müll künftig nicht mehr kommen - Kritikern reicht das aber nicht.

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Keine Akw-Abfälle aus Grafenrheinfeld mehr nach Schwandorf

Seit Wochen sorgt das Thema für Zündstoff: Im Müllkraftwerk in Schwandorf werden Abfälle aus Atomkraftwerken verbrannt. Aus Grafenrheinfeld soll derartiger Müll künftig nicht mehr kommen - Kritikern reicht das aber nicht.

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Von
  • Andreas Wenleder
  • BR24 Redaktion

Im Müllkraftwerk Schwandorf werden künftig keine sogenannten "freigemessenen Abfälle" mehr aus dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld verbrannt. Das wird der zuständige Zweckverband am Mittwochmittag bei seiner Verbandsversammlung in der Schwandorfer Oberpfalzhalle seinen Mitgliedern mitteilen.

Eine bisher geltende Nothilfevereinbarung mit dem eigentlich für den Abfall zuständigen Müllkraftwerk im Landkreis Schweinfurt läuft zum Jahreswechsel aus, teilt der Zweckverband mit. Der "freigemessene Abfall" aus dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld muss deshalb wieder im Müllkraftwerk vor Ort im Landkreis verbrannt werden. Zusätzlich ließ der Zweckverband verlauten, dass der per Straße und Schiene angelieferte Abfall zukünftig mit bereits installierten Messgeräten auf Radioaktivität überprüft wird.

Streit um Putzlappen, Verpackungsmaterial und Schutzanzüge

Schon seit Wochen wird in Schwandorf über die Verbrennung von Abfällen aus Kernkraftwerken gestritten. Bei dem Müll handelt es sich beispielsweise um Putzlappen, Verpackungsmaterial oder Schutzanzüge, die nur sehr schwach radioaktiv sind. Liegt die Strahlung unter einem festgelegten Grenzwert, wird der Abfall nach der sogenannten "Freimessung" als unbedenklich eingestuft und zur Verbrennung freigegeben. Etwas mehr als 100 Tonnen Material kam so 2019 laut Angaben des Zweckverbandes in der Schwandorfer Müllverbrennungsanlage zusammen.

Kritikern geht Vorhaben nicht weit genug

Das Vorgehen wird von Gegnern kritisiert. Der Grenzwert sei willkürlich gewählt, außerdem lasse sich Radioaktivität nicht einfach durch Verbrennen ausschalten, sagen die Kritiker. Sie befürchten trotz der nur sehr geringen Strahlung Belastungen für die Anwohner. Die Nachricht, dass in Schwandorf kein Grafenrheinfelder Abfall mehr verbrannt wird, ist für die Kritiker deshalb auch nur ein Teilerfolg, denn weiterhin sollen in Schwandorf "freigemessene Abfälle" aus den Kernkraftwerken Isar 1 und 2 bei Landshut verbrannt werden. Die Verbrennung sei gesetzlich vorgeschrieben, teilt der Zweckverband mit. Eine alternative Lagerung in einem atomaren Zwischen- oder künftigen Endlager sei daher nicht möglich.

Demonstration geplant

Da die AKWs Isar zum Gebiet des Zweckverbands gehören, sei man hier rechtlich in der Pflicht, die Abfälle zu verbrennen, so der Verband. Verantwortliche und Behörden wie das Bayerische Landesamt für Umwelt betonen außerdem, dass das Verfahren sicher sei.

Die Gegner sehen das anders: Bürgerinitiativen, Parteien und Umweltverbände demonstrieren am Rande der Verbandsversammlung vor der Schwandorfer Oberpfalzhalle. Durch den Rückbau der Atomkraftwerke Isar 1 und 2 bei Landshut befürchten sie, dass die Gesamtmenge an "freigemessenen Abfällen" in den kommenden Jahren weiter ansteigt - und das, obwohl zukünftig kein AKW-Abfall mehr aus Grafenrheinfeld geliefert wird. Außerdem erwarten die Gegner, dass nun auch im Landkreis Schweinfurt Bürgerinitiativen gegen das Verbrennen protestieren werden.

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Demonstration vor der Oberpfalzhalle Schwandorf.

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