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Kein Verkehr an der Frauentormauer: Bordelle in Not | BR24

© BR/Marc Neupert

Die Frauentormauer, das Rotlichtviertel in Nürnberg

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    Kein Verkehr an der Frauentormauer: Bordelle in Not

    Das älteste Gewerbe der Welt leidet unter Corona, Bordelle dürfen nach wie vor nicht öffnen. Eine Katastrophe für die Rotlichtbranche in Bayern - auch für die Etablissements an der Frauentormauer in Nürnberg.

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    Seit mehr als mehr als vier Monaten kann Kerstin nicht mehr arbeiten. Das Zimmer mit den bodentiefen Fernstern und den Barhockern an der Nürnberger Frauentotmauer ist verwaist, so wie alle Bordelle in Bayern. Seit Mitte März darf die Prostituierte hier nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen. Schuld ist die Corona-Krise. Prostituierte wie Kerstin wissen nicht, wann die Bordelle endlich wieder öffnen. Sie ärgert sich, dass die gesamte Rotlicht-Branche offenbar vergessen ist. "Fast alles ist wieder zurück zur Normalität", sagt sie. "Bloß bei uns ist das nicht möglich."

    Prostitution in Bayern nur in Wohnungen und Hotelzimmern möglich

    Seit wenigen Wochen ist Prostitution in Bayern zumindest in Wohnungen oder Hotelzimmern wieder erlaubt. Die Bordelle müssen weiterhin dicht bleiben. Andrea Schäfer betreibt drei Häuser an der Nürnberger Frauentormauer. Seit der verordneten Schließung im Frühjahr fallen die Einnahmen komplett weg, die Kosten laufen aber weiter. Jeden Monat muss Schäfer mehr als 20.000 Eüro Betriebkosten aus privaten Rücklagen finanzieren.

    Bordellbetreiberin will gegen Schließung klagen

    Die Bordellbetreiberin will das nicht mehr lange hinnehmen. Andrea Schäfer denkt darüber nach, vor Gericht zu ziehen, damit sie wieder öffnen darf. Betreiber in Kempten und Augsburg haben das bereits erfolgreich getan. „Wenn sich in den nächsten Wochen nichts tut, wird das unsere letzte Möglichkeit“, sagt sie.

    Droht Angestellten im Etablissement die Kündigung?

    Andrea Schäfer hat zehn festangestellte Mitarbeiter, darunter einen Hausmeister, diverse Reinigungskräfte und eine Hausdame. Sie alle beziehen aktuell Kurzarbeitergeld. Auch wenn sie demnächst staatliche finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen kann, die Einnahmen fehlen weiterhin. Wenn sie nicht bald öffnen darf, muss Andrea Schäfer Mitarbeiter entlassen, sagt sie.

    © BR/Marc Neupert

    Rot beleuchteter Gang eines Bordells in Nürnberg

    Warum sind Fitnessstudios geöffnet, aber Bordelle dicht?

    Bei der Nürnberger Beratungsstelle für Prostituierte "Kassandra" kennt man viele solcher Fälle. Für die Vorsitzende Dorothea Ziemer-Riener ist es nicht nachvollziehbar, warum manchen Branchen die Öffnung erlaubt wird, den Bordellen aber nicht. Fitnessstudios, Tätowierer oder Massage-Salons seien schließlich ebenfalls sensible Orte, dürften aber öffnen. Im Bordell könne es zwar keinen Sicherheitsabstand geben – arbeiten mit Mundschutz wäre aber möglich, meint Ziemer-Riener.

    Man hat irgendwie nicht den Mut, das auszuprobieren. Hinzu kommt: Sex-Arbeiterinnen sind eine Gruppe, die den höchsten Hygiene-Standard hat. Wenn Sie mit ihrem Körper arbeiten, dann achten Sie natürlich auf Ihre Gesundheit. Wenn Sie krank sind, verdienen Sie kein Geld.“ Dorothea Ziemer-Riemer, Kassandra-Beratungsstelle für Prostituierte

    Sex-Arbeiterin Kerstin muss endlich wieder Geld verdienen

    Auch Sex-Arbeiterin Kerstin muss jetzt endlich wieder Geld verdienen, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Ihr bleibt aktuell keine andere Wahl, als Hausbesuche bei Freiern zu machen oder Kunden in Hotelzimmern zu treffen. Sie weiß, dass die Arbeit für sie so viel gefährlicher ist als im Bordell. Doch darauf zu warten, bis die Bordelle eines Tages wieder aufmachen dürfen, kann sie sich finanziell einfach nicht leisten.