BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Das Thema Homosexualität ist in der katholischen Kirche heiß umstritten. Nun kam der Paukenschlag aus dem Vatikan: Geistliche dürften homosexuelle Paare nicht segnen, weil Gott "Sünde nicht segnen kann". Bayerische Pfarrer begehren dagegen auf.

44
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Kein Segen für Gleichgeschlechtliche – Gegenwind aus Bayern

Das Thema Homosexualität ist in der katholischen Kirche heiß umstritten. Nun kam der Paukenschlag aus dem Vatikan: Geistliche dürften homosexuelle Paare nicht segnen, weil Gott "Sünde nicht segnen kann". Bayerische Pfarrer begehren dagegen auf.

44
Per Mail sharen
Von
  • Julia Mumelter

David und Sven freuen sich, wenn sie ihr Hochzeitsalbum aufklappen. Neben Fotos der standesamtlichen Trauung gibt es darin auch viele Bilder aus der Kirche. Das schwule Paar wurde dort vor 15 Jahren gesegnet, erzählt Sven.

"Das hier ist tatsächlich in der Kirche gewesen hier in München, einer evangelischen Kirche, aber eben mit zwei Priestern, einem evangelischen und einem katholischen." Sven Langenbuch

Sven ist evangelisch, sein Mann David katholisch. Den beiden war es wichtig, auch den Segen Gottes für ihre Partnerschaft zu empfangen.

"Ja, Segen ist einfach ein ganz besonderer Zuspruch, wir haben beim Blättern gesehen, der Mensch ist segensbedürftig und das ist ein Ritual, das uns erinnert. Sven und ich, wir fühlen uns gesegnet und wir sind gesegnet." Sven Langenbuch

Mit lateinischer Epistel gegen Homosexualität

Doch laut dem Vatikan sind gelebte homosexuelle Beziehungen sündhaft und Gott kann Sünde nicht segnen. Die Glaubenskongregation hat das nun in einem Schreiben noch einmal klargestellt.

In dem sogenannten Responsum ad dubium also der Antwort auf einen Zweifel heißt es: Segnungen menschlicher Beziehungen seien nur möglich, wenn damit den Plänen Gottes gedient sei. Unzulässig sei jede Segnungsform, die homosexuelle Partnerschaften anerkenne.

Erdinger Pfarrer segnet trotzdem

Martin Garmeier ist katholischer Pfarrer in Erding - er kennt Sven und David und findet es problematisch, dass der Vatikan ihre Beziehung nicht segnen will. Auch er hat schon einmal ein homosexuelles Paar gesegnet und würde das auch trotz des Schreibens wieder tun - weil er das tun möchte, woran er glaubt.

"Deswegen ist es mir ein Anliegen, diese Menschen darin ernst zu nehmen, ihre Liebe zu segnen und zu sagen, Gott möge euch begleiten auf eurem Weg, der genauso fruchtbar aber auch schwierig ist wie in einer Ehe oder anderen Beziehung." Martin Garmaier, katholischer Pfarrer Erding

So wie er sehen das auch viele andere Pfarrer in ganz Deutschland. Unter dem Hashtag “Pastoraler Ungehorsam” formiert sich bundesweit Widerstand.

Das Machtwort aus dem Vatikan scheint damit wie ins Gegenteil umgeschlagen. Statt die Debatte zu beenden, hat Rom sie in Deutschland geradezu neu befeuert. Pfarrer Garmaier wirft der Glaubenskongregation vor, oberflächlich zu sein.

"In meinen Augen macht die Kirche das, was sie anderen vorhält, sie sexualisiert, sie führt alles sehr eng auf Äußerlichkeit der Sexualität und ist nicht bereit, offensichtlich auf das Innere, auf das Eigentliche der Sexualität zu achten, die ja nicht nur Trieb ist, sondern auch eine Beziehung ist. Es ist auch wie bei heterosexuellen Gemeinschaften, dass in erster Linie die Liebe das Zentrum ist, das, was zwei Menschen verbindet, das andere kommt dazu und hier wird das in den Vordergrund gestellt und da kann ich nicht mitmachen." Martin Garmaier, katholischer Pfarrer Erding

"Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit"

Angst, homosexuelle Paare auch weiterhin zu segnen, hat Garmaier keine. Er fühlt sich von seinem Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx verstanden.

Marx' Bischofsmotto lautet auf Latein “Ubi spiritus Domini ibi libertas” - Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit.

Im Interview mit dem BR zeigt Kardinal Marx sich über das Schreiben aus dem Vatikan nicht überrascht, aber er betont, dass es zu diesem Thema noch Diskussionsbedarf gebe.

"Ob die homosexuelle Beziehung, die wirklich in Liebe gelebt wird, in der man füreinander da ist, in Treue, nicht auch einen guten Wert hat und haben kann, das muss man sicher noch weiter diskutieren und da denke ich, ist das nicht das letzte Wort, darüber nachzudenken." Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising

Bischöfe von Passau und Regensburg danken dem Vatikan

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und sein Passauer Amtsbruder Stefan Oster hingegen begrüßen das Papier der Glaubenskongregation und danken für die Klarstellung.

In den sozialen Netzwerken gibt es hingegen viel mehr Unmut und Wut, als Zuspruch. Bei Facebook etwa protestieren zahlreiche User gegen das Nein zur Segnung homosexueller Paare: Unter dem Hashtag mehr Segen und mit einem Regenbogen um ihr Profilbild.

Hoffnung auf Veränderung in der Kirche

Zurück bei David und Sven Langenbuch in München. Das Schreiben aus Rom finden sie diskriminierend. "Starker Tobak, nein ich glaube es nicht, was da drinnen steht", sagt Sven Langenbuch.

David, der katholische der beiden, will dennoch nicht aus seiner Kirche austreten, sondern jetzt erst recht dagegenhalten. Er hofft, dass die katholische Kirche ihre Meinung zu homosexuellen Beziehungen und ihrer angeblichen Sündhaftigkeit noch ändert.

"Ich habe die Hoffnung, dass die Segnung in der katholischen Kirche schon noch zu unseren Lebzeiten stattfindet, vielleicht zu unserer Goldhochzeit oder so." David Langenbuch

Die Goldene Hochzeit von David und Sven wäre im Jahr 2056. Die neuen Kleriker in der Glaubenskongregation werden da die jüngeren Priester von heute sein - vielleicht bringen sie ja frischen Wind und neue Sichtweisen mit in den Vatikan.

© BR
Bildrechte: stock.adobe.com/dglimages

Das Thema Homosexualität ist in der katholischen Kirche heiß umstritten. Nun kam der Paukenschlag aus dem Vatikan: Geistliche dürften homosexuelle Paare nicht segnen, weil Gott "Sünde nicht segnen kann". Bayerische Pfarrer begehren dagegen auf.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!