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Kein Personal zu finden: Metzgereien-Sterben in Niederbayern | BR24

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Kleine Metzgereien können sich nicht mehr halten und schließen. Aber nicht, weil sie kein Fleisch verkaufen - sie finden keine Mitarbeiter.

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Kein Personal zu finden: Metzgereien-Sterben in Niederbayern

In Bayern gibt es immer weniger kleine, private Lebensmittelbetriebe. Eine Metzgerei nach der anderen macht zu. Aber nicht weil die Kunden ausbleiben und keine Wurst und kein Fleisch verkauft wird, sondern weil es am Personal fehlt.

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Ein Negativ-Trend setzt sich in Bayern fort: Das Handwerk stirbt aus. Vor allem in der Nahrungsmittelbranche hakt es. Kleine Metzgereien können sich nicht mehr halten und schließen. Aber nicht, weil sie kein Fleisch verkaufen - sie finden keine Mitarbeiter.

Gut gehende Filiale wegen Personalmangels geschlossen

Metzgermeister Bernd Wirrer aus Geiersthal im Kreis Regen musste 2018 seine Filiale in Deggendorf schließen. Er hat trotz langer Suche auf unterschiedlichen Wegen keine Verkäufer/innen gefunden. Bis heute hat er ein beklemmendes Gefühl wenn er nach Deggendorf kommt, sagt er.

"Ich habe ein super Team gehabt. Aber dann ist eine Verkäuferin in Rente gegangen, dann die nächste. Dann sind es immer weniger geworden. Zum Schluss waren es zwei Verkäuferinnen und ich hätte sechs gebraucht, um den Laden aufrecht zu erhalten. Dann musst du irgendwann die Notbremse ziehen." Bernd Wirrer, Metzgermeister

Fließband statt Wursttheke

Jetzt hat er noch das Hauptgeschäft in Geiersthal und eine Filiale in Viechtach. Für diese zwei verbliebenen Geschäfte sucht er seit eineinhalb Jahren Verkäufer/innen. Letzte Woche haben sich die ersten drei vorgestellt. Ob sie anfangen können ist unsicher. Die Industrie nehme den Handwerksbetrieben die Leute weg, sagt Wirrer. Von einem Bekannten hat er erfahren, dass in einem Industriebetrieb im Bayerischen Wald allein 150 gelernte Metzgereifachverkäuferinnen arbeiten: am Fließband, statt an der Wursttheke.

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Eine leerstehende Metzgerei in Niederbayern

Gründe für das Metzgereien-Sterben

In Niederbayern gab es laut Handwerkskammer vor elf Jahren noch über 560 Metzgereien. 2018 waren es nur noch knapp 400. Ist es die schlechte Bezahlung oder liegt es an unbequemen Arbeitszeiten? Thomas Krinner aus Oberschneiding (Lkr. Straubing-Bogen) ist Obermeister der Metzgerinnung Straubing/Deggendorf. Er sagt, die Bezahlung sei sehr gut. Das Lehrlingsgehalt habe sich in den letzten fünf Jahren auf 1.000 Euro im dritten Lehrjahr verdoppelt. Außerdem könne ein/e Fililalleiter/in bis zu 3.000 Euro netto im Monat verdienen, das sei doch ein gutes Gehalt, meint er. Krinner sagt, das Problem gehe schon viel früher, bei der Ausbildung los.

Berufsschulstandorte für Metzger in Gefahr

Nach und nach machen Berufsschulstandorte zu. Momentan gibt es in Niederbayern noch drei, wo sich Metzger und Fachverkäufer/innen ausbilden lassen können: In Landshut, Plattling und Passau. Wer im Bayerischen Wald wohnt, hat da eine Tagesaufgabe vor sich, um in die Berufsschule zu kommen, so der Obermeister. Dieses Jahr haben auch nur fünf Verkäufer/innen und drei Metzger in den beiden Landkreisen Deggendorf und Straubing-Bogen ihre Lehre abgeschlossen. Wenn das so weiter geht, sieht Thomas Krinner noch einen Berufsschulstandort in Gefahr.

"Man darf ja nur durch die Lande fahren, wie viele leer stehende Metzgereien es gibt. Der große Einbruch ist seit drei Jahren. Dieses Jahr war es ganz extrem. Der Trend ist negativ." Thomas Krinner, Obermeister der Metzgerinnung Straubing/Deggendorf

Probleme auch in Wirtshäusern

Helmut Kurz ist Koch und Wirt in Deggendorf und meint, die ganze Lebensmittelbranche leidet. Wenn er nicht selbst Kochen könnte, hätte er sein Gasthaus "Zur Knödelwerferin" schon zusperren können, sagt er. Es liege am Ansehen der Handwerksberufe, so Kurz.

"Wir haben einen enormen Personalmangel und es wird immer schlimmer. Wirt und Koch und Metzgereifachverkäuferin - das ist bei uns nicht angesehen, obwohl es so wichtig wäre. Denn wer mag nicht mal zum Essen gehen oder eine gute Beratung in der Metzgerei." Helmut Kurz, Koch und Wirt

Der Gastwirt sieht die Politik in der Pflicht. Er wünscht sich einen verminderten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Dann könnte er den Angestellten mehr bezahlen, was eventuell ein Anreiz wäre, in die Gastronomie zu gehen, meint er.

Politik und neue Ideen gefragt

Metzgermeister Bernd Wirrer sagt, die Politik kümmere sich nur um die großen Industriebetriebe und ließe die kleinen, privaten Geschäfte im Regen stehen.

Obermeister Thomas Krinner setzt auf ein besseres Image durch Werbung. Vielleicht könne man junge Leute doch noch davon überzeugen, dass das Handwerk ein schöner Beruf sei.

Auch die Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz unterstützt die Betriebe laut eigener Aussage mit modernen Image-Kampagnen. Außerdem werden gemeinsam mit Betrieben eigene Marken entwickelt, heißt es.

Zudem gibt es kreative Köpfe unter den Metzgern, die sich Innovationen einfallen lassen. Zum Beispiel sogenannte Wurstautomaten. Diese können rund um die Uhr von Kunden bedient werden. Oder Food-Trucks, die durch Dörfer ziehen, die keine eigene Metzgerei mehr haben. Auch Zugaben zum Azubi-Vertrag gibt es schon: Ein Smartphone oder die Finanzierung des Führerscheins.