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Kein Oktoberfest 2020: Münchner feiern auf "Ersatz-Wiesn" | BR24

© dpa/picture-alliance/Felix Hörhager

Statt auf der Theresienwiese mussten am Wochenende viele Münchner in den Gaststätten und Biergärten der Stadt feiern.

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    Kein Oktoberfest 2020: Münchner feiern auf "Ersatz-Wiesn"

    Eigentlich wäre an diesem Wochenende in München das größte Volksfest der Welt gestartet. Wegen Corona musste es aber abgesagt werden. Gefeiert wurde trotzdem - auf der Wirtshaus-Wiesn. Viele blicken nun mit Sorgen auf die steigenden Infektionszahlen.

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    Von
    • Markus Wolf
    • BR24 Redaktion

    Herbst in München: Normalerweise sieht man um diese Zeit auf den Straßen der Landeshauptstadt ganze Heerscharen von Menschen in Tracht. Nur normalerweise, denn 2020 ist vieles anders: Das Oktoberfest wurde im April bekanntlich abgesagt. Einige Münchner haben sich an diesem Wochenende aber trotzdem das Feiern mit Bier und Brotzeit nicht nehmen lassen.

    Erste Bilanz der Wirte: Durchweg positiv

    In gut 50 Gaststätten laden Wirte zur "Wirthaus-Wiesn" mit Wiesnbier, Hendl, Haxn und Musik. Bis zum 4. Oktober soll die Aktion dauern. Nun ist das erste Wochenende vorbei - und die Wirte und Geschäftsleute ziehen eine bisher positive Bilanz: Vielerorts waren die Biergärten voll, mancher bekam keinen Platz oder musste warten - auch weil es coronabedingt weniger Plätze gab.

    "Viele glückliche Gesichter"

    Die Gäste hätten sich an Corona-Regeln gehalten und friedlich gefeiert, sagte der Sprecher der Innenstadtwirte und Chef des "Augustiner Klosterwirt", Gregor Lemke. Die Wiesn sei ein "tiefes Lebensgefühl". "Es geht gar nicht so sehr um die Wiesn, die Leute wollen dieses Lebensgefühl spüren." Er habe viele glückliche Gesichter gesehen.

    Wiesnwirt Christian Schottenhammel berichtete ebenfalls, die Gäste seiner Gaststätte am Nockherberg hätten sich an die Regeln gehalten. Mehr als 1.000 Menschen fanden in Festsaal und Biergarten Platz - allerdings seien auch rund zehn reservierte Tische leer geblieben, weil Gäste angesichts der Infektionszahlen nicht gekommen seien. "Man merkt, die Bevölkerung ist bisschen gespalten", sagte er. Ein Teil habe großen Respekt vor dem Virus, ein anderer fühle sich in der Gastronomie sicher. Auch ohne das Fest läuft Wiesnbier gut - teils, so berichteten Brauer, sogar besser als sonst.

    Polizei spricht von "ruhiger Nacht"

    Auch die Sicherheitskräfte zeigten sich nach dem ursprünglich geplanten ersten Oktoberfesttag zufrieden. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte gemahnt, sich strikt an die Corona-Regeln zu halten. Um wilde Wiesn-Ersatzfeiern mit hohem Infektionsrisiko zu verhindern, hatte die Stadt für Samstag ab 9.00 Uhr auf der Theresienwiese, wo sonst zu dieser Zeit Millionen Liter Bier fließen, ein Alkoholverbot verhängt. Die Polizei überwachte die Einhaltung mit Dutzenden Kräften. In der Nacht zum Sonntag blieb es dann laut Polizei auch im gesamten Stadtgebiet ruhig.

    Kritik im Hinblick auf steigende Corona-Fallzahlen

    Unterdessen mehren sich kritische Stimmen zur "WirthausWiesn". Unter anderem auf Twitter gab es Unmut. Ein Nutzer fand es "unverantwortlich", die Aktion in der aktuellen Situation nicht abzusagen. Andere kritisierten, Kinder müssten am Montag mit Maske in die Schule, während am Wochenende in Kneipen gefeiert werde. In der Landeshauptstadt wurde am Freitag - also einen Tag vor dem Start der "Ersatz-Wiesn" - erstmals wieder der Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern pro Woche überschritten.

    Ärzte äußerten sich zurückhaltend. "Angesichts steigender Zahlen an Neuinfektionen mit Covid-19 sehe ich eine "Wiesn light" eher skeptisch bis sorgenvoll", sagte der Chefarzt der Klinik für Infektiologie in der München Klinik Schwabing, Clemens Wendtner, vor einigen Tagen.

    Ex-OB Ude sieht keine Gefahr

    Münchens Alt-OB Christian Ude (SPD) verteidigte die "Wirthaus-Wiesn". "Ich bestreite, dass von einer derart kontrollierten und disziplinierten Gastronomie eine Gefahr ausgeht." Der Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer sagte, es sei spürbar, dass viele Menschen den ursprünglich geplanten Start des Oktoberfestes begehen wollten. "Die Leute wollen feiern." Es sei besser, wenn dies in den Wirtshäusern kontrolliert und unter Einhaltung der Regeln geschehe als bei privaten Partys.

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