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Bistum Würzburg: Gewalt in Knabeninternaten | BR24

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Sexueller Missbrauch durch Geistliche. Auch in der Diözese Würzburg gab es ihn. Eine Anwaltskanzlei hat die Akten der drei früheren Internate des Bistums gesichtet, um die Vorfälle aufzuarbeiten; die Ergebnisse wurden heute vorgestellt.

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Bistum Würzburg: Gewalt in Knabeninternaten

Keine neuen Fälle von sexuellem Missbrauch, ab dafür mannigfaltige Hinweise auf körperliche Gewalt: Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche Aktenanalyse ehemaliger katholischer Buben-Internate des Bistums Würzburg.

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"Dieses Vorgehen war falsch und tut und als Kirche sehr leid", entschuldigt sich Bistum Würzburg. Hintergrund ist eine umfangreiche Aktenanalyse ehemaliger katholischer Buben-Internate des Bistums Würzburg. Aufgetaucht sind mannigfaltige Hinweise auf die Anwendung körperlicher Gewalt gegen Schüler zu deren Züchtigung, teilte das Bistum mit.

Durchgeführt hat die Analyse die Würzburger Rechtsanwaltskanzlei Cornea Franz im Auftrag der Diözese Würzburg. Insgesamt listet sie 67 Fälle von körperlicher Gewalt gegen Schüler auf.

Kilianeen heute Jugend- oder Tagungshäuser

Die Rechtsanwaltskanzlei habe aus den Akten der drei Kilianeen in Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen ermittelt, erklärte Rechtsanwalt Christian Stadler. Der Internatsbetrieb der Kilianeen ist mittlerweile eingestellt. Sie bestanden in Würzburg von 1872 bis 1998, in Miltenberg zwischen 1927 und 1983 und in Bad Königshofen von 1964 bis 1994.

Im Abschlussbericht der vom Bistum beauftragten Würzburger Anwaltskanzlei Cornea Franz zu den Kilianeums-Internaten heißt es: "Keinem der drei Aktenbestände der Kilianeen ließen sich Anhaltspunkte für sexuellen Missbrauch oder sexualisierte Gewalt entnehmen."

Zwei Fälle sexuellen Missbrauchs bereits aufgearbeitet

Generalvikar Thomas Keßler räumte allerdings ein, dass zwei Fälle von Missbrauch in den Akten nicht erfasst worden sind. Beide seien schon vor Jahren an die Strafverfolgungsbehörden übergeben und dort eingestellt worden. Gegen die Beschuldigten sei auch kirchenrechtlich vorgegangen worden. Die Opfer hätten zudem finanzielle Leistungen für ihr Leid erhalten.

Die Anwendung körperlicher Gewalt gehörte dagegen den Erkenntnissen zufolge in den Internaten zur Regel - von der Ohrfeige bis zu "Knecht-Ruprecht"-Bestrafungen am Nikolaustag. Eine Strafverfolgung ist wegen Verjährung der Studie zufolge nicht mehr möglich.

Mit Blick auf Direktoren und Präfekten in den Internaten sagte der Generalvikar: "Etliche von ihnen waren in ihrer Zeit der Auffassung, eine körperliche Züchtigung sei als erzieherische Maßnahme in bestimmten Fällen angebracht."

Keßler: Gewalt aus dem Geist des Evangeliums nicht zu erklären

Die Gewaltvorwürfe gegen einen früheren Direktor habe man bereits 2010 öffentlich gemacht und damals aufgearbeitet, sagte Keßler. Die Eltern, so der Generalvikar weiter, hätten ihre Kinder "der Erziehung durch Priester" anvertraut. Die Familien stammten meist aus ländlichen Regionen und die Kinder sollten in den drei Kilianeen eine zweite Heimat finden.

Bei vielen Eltern spielte der Gedanke eine Rolle, ihren Kindern "eine Bildung zu ermöglichen", die zu Hause nicht möglich gewesen wäre. "Aus dem Geist des Evangeliums hätte ein Priester oder kirchlicher Mitarbeiter auch schon damals eine solche Züchtigung als erzieherische Maßnahme nicht durchführen dürfen", betonte Keßler. Juristisch gesehen sei körperliche Gewalt als Erziehungsmethode aber früher üblich gewesen, erläuterte Anwalt Christian Stadler.

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Keine neuen Fälle von sexuellem Missbrauch, ab er dafür mannigfaltige Hinweise auf körperliche Gewalt: Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche Aktenanalyse ehemaliger katholischer Buben-Internate des Bistums Würzburg.

© Julia Dechet/BR-Mainfranken

Eine Untersuchung des archivierten Aktenbestands der drei katholischen Knaben-Internate des Bistums Würzburg hat keine Hinweise auf weitere Fälle sexuellen Missbrauchs ergeben. Dies wurde im Rahmen einer Pressekonferenz der Diözese bekannt.