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Kein Hochwasserschutz am Tegernsee – Projekt zu teuer | BR24

© BR/ Bohrer-Glas

Der Tegernsee bekommt keinen Hochwasserausgleich. Das Projekt ist gestoppt, teilte das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim mit. Das Projekt sei zu teuer und unwirtschaftlich. Das habe die Kosten-Nutzen-Analyse ergeben.

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Kein Hochwasserschutz am Tegernsee – Projekt zu teuer

Der Tegernsee bekommt keinen Hochwasserausgleich. Das Projekt ist gestoppt, teilte das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim mit. Das Projekt sei zu teuer und unwirtschaftlich. Das habe die Kosten-Nutzen-Analyse ergeben.

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Von
  • Dagmar Bohrer-Glas

Hochwasserschutz am Tegernsee wird es nicht geben. Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim beendet nach 14 Jahren Planung das Projekt „Hochwasserausgleich“. Ein Gutachten der Hochschule Rosenheim hatte ergeben, dass die geplante Baumaßnahme nicht wirtschaftlich sei. Und nun?

14,3 Millionen Euro Baukosten

Zu Beginn der Planungen war man von 5 Millionen Euro Baukosten ausgegangen. Das Wasserwirtschaftsamt müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Kosten des Projekts nun rund viermal so hoch seien, wie dessen Nutzen, so der Leiter des Rosenheimer Wasserwirtschaftsamtes Paul Geisenhofer.

Druckleitung in Gmund vom Tisch

Die letzten Planungen des Wasserwirtschaftsamtes: Unter der Mangfallsole sollte eine 600 Meter lange Druckleitung vom Nordufer bis zum Schuhmacherwehr in Gmund verlegt werden. Hätte sich ein Hochwasser angekündigt, hätte man damit im Vorfeld den Seepegel um 20 Zentimeter senken können. Der schlechte Baugrund vom Seeauslauf bis zum Schuhmacherwehr hätte die Baukosten allerdings in die Höhe schnellen lassen.

Erleichterung am Tegernsee

Der Bürgermeister von Gmund am Tegernsee, Alfons Besel (FWG) reagiert erleichtert auf den Stopp des Projektes. Damit sei man viele Sorgen los, so Besel. Das Bauprojekt hätte in sensible Naturbereiche, wie Tegernsee-Nordufer und Mangfall, eingegriffen.

"Das wäre das Ende eines Natursees gewesen."

Die geplante unterirdische Druckleitung auf einer Länge von 600 Metern hätte einem unterirdischen Bau von 100 Doppelgaragen aneinandergereiht entsprochen, macht der Bürgermeister die Dimension des Projekts noch einmal deutlich. Der Tegernsee sei ein Natursee und es sei ein verwegener Gedanke gewesen, den See künstlich zu steuern, so das Fazit Besels.

Neues Wehr in Gmund gefordert

Die Bürgerinitiative "Rettet den Tegernsee" habe das Aus des Projekts bereits kommen sehen, so der Vorsitzende Andreas Scherzer. Es sei bekannt gewesen, dass der Bauuntergrund, der viel Seeton enthalte, dafür zu schlecht sei. Scherzer fordert ein neues Schuhmacherwehr in Gmund am Tegernsee mit neuester Technik. Ein neues Wehr sei dringend notwendig, wenn man weiterhin sicher am See leben wolle, so Scherzer im BR-Interview. Laut dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim ist das Wehr in Gmund, dass der Papierfabrik Gmund gehört, baufällig. Instandsetzungsmaßnahmen müssten nun folgen, so Leiter Paul Geisenhofer.

Seeanlieger müssen sich nun selbst kümmern

Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim kommt zu dem Fazit, dass am Tegernsee ein vollwertiger Hochwasserschutz wie sonst an Flüssen nicht möglich ist. Nun sei die Eigenvorsorge der Bürger gefragt. Das Wasserwirtschaftsamt empfiehlt eine Elementarversicherung, vor allem, wenn das bebaute Gebiet in Überschwemmungsbereichen liegt. Auskünfte erteilte hier der Umweltatlas des Freistaates Bayern.

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