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Kein "Click & Collect": Unmut über geschlossene Büchereien | BR24

© pa/dpa/Nicolas Armer

Viele Bücher stapeln sich hinter einem Fenster der geschlossenen Bücherei in Tirschenreuth, aufgenommen am 19.03.20.

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    Kein "Click & Collect": Unmut über geschlossene Büchereien

    Anders als andere Geschäfte dürfen Büchereien und Bibliotheken in Bayern das sogenannte "Click & Collect" nicht anbieten. Darüber wächst der Unmut – auch wegen der nahenden FFP2-Maskenpflicht in Geschäften. Die Staatsregierung überlegt noch.

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    Von
    • Maximilian Heim

    Im Internetkatalog ein paar Bücher bestellen und sie bei der Bücherei vor Ort abholen - das ist derzeit in Bayern nicht möglich. In der aktuellen Verordnung zum Infektionsschutz heißt es kurz und knapp: "Bibliotheken und Archive sind geschlossen." Derzeit sind nur reine Liefer- und Bringdienste gestattet.

    Doch an diesem Zustand gibt es zunehmend Kritik, beispielsweise von der SPD-Landtagsabgeordneten Margit Wild. Sie spricht von einem "Armutszeugnis der Staatsregierung" - und erwartet, dass "Click & Collect" auch bei den Büchereien möglich wird. "Ich rufe an oder melde mich per Internet - und dann hole ich mir die Bücher ab", erläutert Wild das mögliche Vorgehen auf BR-Anfrage. Zum Abholen müsse man die Bücherei dann gar nicht betreten.

    Wild: Nicht jeder kann sich Bücher kaufen

    "Wenn ich einkaufen darf im Supermarkt, wo ich teilweise zwischen den Regalen eine sehr enge Kontaktaufnahme haben könnte, dann muss ich doch auch eine Bücherei betreten können", sagt die SPD-Politikerin. Nicht jeder könne sich während der Corona-Pandemie Bücher kaufen. Auch für die vielen Schüler im Distanzunterricht könnten Büchereien eine wertvolle Ergänzung sein. Angesichts der ab Montag geltenden FFP2-Maskenpflicht in Geschäften sagt die SPD-Politikerin: Mit einer FFP2-Pflicht könne man auch Büchereien und Bibliotheken wieder ganz öffnen.

    Vor einer möglichen Öffnung der Büchereien geht es aber um die Frage nach "Click & Collect". Auch die Münchner Stadtbibliothek hofft, dass es diese Möglichkeit bald gibt. Auf BR-Anfrage teilt Direktor Arne Ackermann mit: Sehr gerne würde man die Menschen in München "in diesen Wochen mit einem breiten Medien- und Serviceangebot unterstützen".

    Stadtbibliothek München hat mobilen Lieferdienst

    Einstweilen bleibt der Münchner Stadtbibliothek nur eine andere Möglichkeit, einigen Menschen in der Stadt Bücher auszuleihen. "Wir freuen uns sehr, dass unser mobiler Mediendienst wieder fahren darf", sagt Ackermann. "So können wir kontaktlos die Versorgung von Menschen sicherstellen, die in Pflegeeinrichtungen leben oder aus diversen krankheitsbedingten Gründen ans Haus gebunden und besonders isoliert sind." Es sei gut, "dass wir zumindest an dieser Stelle unseren Auftrag wahrnehmen können".

    Staatsregierung stimmt weiteres Vorgehen ab

    Für eine andere Regelung hat sich die Landesregierung in Baden-Württemberg entschieden: Dort dürfen die Büchereien derzeit "Click & Collect" anbieten. Warum das in Bayern für Büchereien nicht möglich ist - auf diese Nachfrage hat das bayerische Gesundheitsministerium zunächst nicht reagiert. Am Donnerstagabend teilt ein Ministeriumssprecher schließlich mit: Die Frage, ob angesichts der baldigen FFP2-Maskenpflicht "Click & Collect" dann auch für die Büchereien erlaubt wird, werde aktuell "innerhalb der Staatsregierung noch abgestimmt".

    Derzeit gehe es darum, "Kontakte im öffentlichen Raum soweit wie möglich zu vermeiden, Risikogruppen zu schützen und damit die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Covid-19 in der Bevölkerung zu reduzieren", betont der Ministeriumssprecher. Dabei solle "vermieden werden, dass an Abholpunkten Stauungen und Ansammlungen entstehen. Bibliotheken und Archive bleiben daher auch für Abholungen geschlossen."

    Laut dem Sprecher führt der aktuelle Corona-Lockdown dazu, dass besonders der Einzelhandel "erhebliche Einschränkungen" hinnehmen müsse. "Um diesen grundrechtsintensiven Eingriff und die daraus resultierenden Folgen abzumildern", wird demnach inzwischen "die Abholung online oder telefonisch vorbestellter Ware" unter erhöhten Schutzvorkehrungen gestattet. Kurzum: "Click & Collect". Mit Blick auf die Büchereien betont der Sprecher: "Im Gegensatz hierzu besteht kein vergleichbares grundrechtlich geschütztes Interesse bei (in der Regel nicht gewerblichen) Bibliotheken und Archiven."

    Bürgermeister schreibt Brief an Staatskanzlei-Chef

    Auch der Bürgermeister der oberbayerischen Stadt Olching, Andreas Magg (SPD), will sich derweil dafür einsetzen, den Bibliotheken im Freistaat "Click & Collect" zu ermöglichen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, hat Magg daher einen Brief an Bayerns Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) geschrieben. Laut dem Bericht betont Magg in dem Schreiben, er halte es wegen der Schließung von Schulen und Kitas für wichtig, Eltern und Kinder mit Lesestoff zu versorgen. Die Übergabe von Büchern, DVDs und CDs könne ja ausschließlich im Freien stattfinden.

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