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Keine Woche vergeht ohne Proteste gegen das geplante ICE-Werk der Bahn im Großraum Nürnberg. Nun demonstrieren auch die Landwirte gegen die Pläne. Sie fürchten um die Bewirtschaftung ihrer Felder.

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Kein Bauernland für ICE-Werk

Keine Woche vergeht ohne Proteste gegen das geplante ICE-Werk der Bahn im Großraum Nürnberg. Viele Bürgerinitiativen haben sich gegründet. Jetzt melden sich die Landwirte, die Angst um ihre Flächen und die Bewirtschaftung ihrer Felder haben.

Von
Ulrich DetschUlrich Detsch
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"Dann ist Schluss mit meiner Landwirtschaft, wenn das ICE-Werk kommt", sagt Günther Sitzmann im Kreis weiterer Bäuerinnen und Bauern in Müncherlbach. Sie diskutieren am Dorfplatz vor Protestplakaten gegen Flächenverluste, die ihnen drohen würden, wenn die Deutsche Bahn die riesigen Hallen für Reinigung und Wartung von 400 Meter langen ICE-Zügen auf die Äcker zwischen Rohr und Heilsbronn bauen würde.

Bahn verkauft Bauland und will jetzt bestes Ackerland haben

Neun mögliche Standorte hat die Bahn ins Auge gefasst. Keiner soll weiter als 25 Kilometer vom Nürnberger ICE-Knotenpunkt entfernt sein. Allenthalben formieren sich Bürgerinitiativen. Nun organisiert sich auch die Bauernschaft. Der Bayerische Bauernverband warnt seine Mitglieder vor einem übereilten Verkauf ihres Landes. Noch hat die Bahn keine Flächen gekauft.

Von maximal 45 Hektar benötigter Fläche spricht die Bahn. Stimmt nicht, sagen die betroffenen Landwirte, weil durch Gleisverbindungen und eine Wendeschleife geschätzte 200 Hektar im Umgriff des Hauptgebäudes nötig seien. Zwischen Gleisen könne man einfach keine Landwirtschaft mehr betreiben. "Mich ärgert vor allem, dass die Bahn im Nürnberger Zentrum ihr wertvolles Bauland an die Stadt verkauft hat, und jetzt sollen die 'dummen Bäuerle' auf dem Land beste Ackerflächen für das Großprojekt hergeben", schimpft der Biobauer Günther Sitzmann.

Sein Berufskollege Werner Schiefer fürchtet um die Zukunft seines Sohnes und Hofnachfolgers. Vor allem gepachtete Flächen sieht er bedroht. Deren Eigentümer müssen keine Kühe füttern, sind auf die Flächen nicht angewiesen. Wenn die Flächeneigentümer entsprechend gute Angebote bekämen, dann seien sie natürlich anfällig für den Verkauf.

"Unser Stall würde platt gemacht"

Die größte Sorge haben Andrea und Armin Schmidt: Sie haben erst vor vier Jahren einen neuen Kuhstall in der Flur, außerhalb von Müncherlbach, gebaut. Und der liegt mitten in einem der mindestens neun angedachten Standorte für das neue ICE-Werk. "Dann wird unser Stall platt gemacht", sagt die Milchbäuerin. Ihr Mann Armin ist noch zuversichtlich, vertraut darauf, dass alle Landwirte zumindest ihr eigenes Land nicht verkaufen. Unterstützt werden die betroffenen Landwirtsfamilien von den Bürgerinitiativen in Rohr, Heilsbronn, Raitersaich und Buchschwabach. Für sie, versichert der Pressesprecher der Rohrer BI, Dr. Ralf Straußberger: "Wir werden euch im Kampf unterstützen. Und wenn es auch zu Klagen kommt, wir werden euch helfen und auch finanziell unterstützen".

Stadt-Land-Konflikt: Auf dem Land würde mehr Platz benötigt

Straußberger sieht bei der Planung des ICE-Werks einen "Stadt-Land-Konflikt". In der Stadt Nürnberg und unmittelbar parallel zu Schienen sei der Flächenverbrauch viel geringer als bei den Varianten auf dem Land. In der freien Flur würde das ICE-Werk samt Wendeschleife viel zu großzügig in rechtem Winkel zur bestehenden Bahnlinie "mitten in die Landschaft geklatscht".

Nach Straußbergers Einschätzungen müsste die Deutsche Bahn ihre Planungen neu und flächensparender starten. Überall sonst in Deutschland, so Straußberger, seien ICE-Werke in Städten angesiedelt. Auch der Bayerische Bauernverband Mittelfranken geht je nach Standort durch Gleiszuführungen von viel mehr Flächenverlusten aus als die von der Deutschen Bahn genannten 45 Hektar.

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ICE-Werk versus Bauern

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