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Kaum Kontakte, Angst vor der Zukunft: Jugend in der Pandemie | BR24

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Bildrechte: BR/Julia Müller

Auch Jugendliche leiden unter der Pandemie

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    Kaum Kontakte, Angst vor der Zukunft: Jugend in der Pandemie

    Die meisten Jugendlichen leiden unter der Corona-Pandemie. Ihr Leben wird derzeit von vielen Verboten eingeschränkt, sie haben kaum Kontakte. Jugendliche bräuchten Mitspracherecht in Gesellschaft und Politik, fordern bayerische Jugendverbände.

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    Von
    • Eckhart Querner

    Karol Czuba ist 19 und macht eine Ausbildung als Maler und Lackierer in der Jungen Arbeit, einer Sozialeinrichtung der Diakonie Hasenbergl in München. Jetzt, in Pandemie-Zeiten, wird Karol den Eindruck nicht los, dass er und seine Generation nicht wahrgenommen werden. Die Stimmung im Freundeskreis ist schlecht.

    "Jeder wünscht sich, dass man wieder länger draußen bleiben darf, dass Freizeitaktivitäten wieder geöffnet werden und jeder ist halt genervt." Karol Czuba, Auszubildender
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    Karol Czuba, Auszubildender

    Angst vor der Zukunft

    Nicht wissen, wie und wann es weitergeht – ein Gefühl, das derzeit viele junge Menschen gut kennen. Das drückt sich auch in einer Online-Befragung der Uni Hildesheim unter 7.000 Jugendlichen aus: danach blickt eine Mehrheit sorgenvoll in die Zukunft. Über 45 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, Angst vor der Zukunft zu haben.

    "Junge Menschen beteiligen“

    Fast 60 Prozent der befragten Jugendlichen gaben an, sie hätten den Eindruck, ihre Situation sei Politikerinnen und Politikern nicht wichtig. Im Umkehrschluss bedeutet das: Eine Mehrheit wünscht sich, gehört und an politischen und gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen beteiligt zu werden.

    Matthias Fack, Präsident des Bayerischen Jugendrings weist darauf hin, dass sich - entgegen einer weit verbreiteten Wahrnehmung - die Mehrheit der Jugendlichen in der Corona-Pandemie an Abstands- und Hygieneregeln gehalten hätten. Wenn es bisher um Jugendliche gegangen sei, dann aber immer nur um Schülerinnen und Schüler. Jetzt müsse es auch um Auszubildende, Studierende oder junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr gehe. Politik und Gesellschaft dürften nicht länger die Bedürfnisse junger Menschen ignorieren.

    "Es muss jetzt wahrnehmbar sein, dass man junge Menschen ernst nimmt in der Politik und jetzt mit ihnen reden will und nicht erst im April." Matthias Fack, Präsident Bayerischer Jugendring

    Eine abgehängte junge Generation?

    Klaus Umbach von der Jugendsozialarbeit Bayern befürchtet, dass durch die Corona-Pandemie eine abgehängte junge Generation ohne Chancen heranwachse. Diese Entwicklung könne zum sozialen Sprengstoff werden. Denn Berufspraktika oder der Besuch einer Jobmesse seien in den vergangenen Monaten nicht möglich gewesen.

    "Gerade jetzt brauchen insbesondere sozial benachteiligte junge Menschen Unterstützung, zum Beispiel beim Übergang zwischen Schule und Ausbildung.“ Klaus Umbach, Vorsitzender der LAG Jugendsozialarbeit Bayern

    Weil in der jetzigen Situation Berufspraktika nicht möglich sind, verlangt Umbach staatliche Unterstützungsprogramme, damit Jugendlichen der Übergang zwischen Schule und Beruf gelingt.

    Karol Czuba findet, dass er mit seiner Ausbildungsstelle Glück hat. Während des ersten Lockdowns war die Junge Arbeit geschlossen. Im zweiten Lockdown bleibt die Diakonie-Einrichtung geöffnet - so hat Karol zumindest tagsüber Beschäftigung und Bewegung.

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