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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Jens Büttner

Hat der Katastrophenschutz versagt? Nach dem Hochwasser gibt es Kritik, die Behörden hätten zu spät und nicht umfassend genug vor den Fluten gewarnt.

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Katastrophenschutz: Wie die Bevölkerung in Bayern gewarnt wird

Wann wird wie vor drohenden Katastrophen gewarnt? Eine Frage, die sich gerade nach den verheerenden Hochwassern der vergangenen Tage stellt. Ein Überblick über die verschiedenen Systeme im Bayern.

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Von
  • Alexander Brutscher

Laut Bayerischem Innenministerium warnen die Sicherheits- und Katastrophenschutzbehörden im Freistaat die Bevölkerung, wenn sie voraussichtlich von einer Katastrophe betroffen sein wird. Außerdem geben sie Hinweise dazu, wie man sich verhalten soll. Die Behörden in Bayern greifen dabei vor allem auf Warnungen über den Rundfunk, Sirenen, Lautsprecherfahrzeuge und Warn-Apps zurück.

Rundfunkwarnungen

Bei den Rundfunkdurchsagen wird nach Angaben des Innenministeriums unterschieden. Und zwar zwischen amtlichen Gefahrendurchsagen, die von den Rundfunksendern sofort und im Wortlaut gesendet werden und Gefahrenmitteilungen, die zum nächstmöglichen Zeitpunkt (z.B. in den Nachrichten) über zu erwartende Gefahren, über Schadenslagen und gegebenenfalls zu erwartende Auswirkungen informieren.

In der Regel gibt die Polizei diese Warnungen an die Sender weiter. Handelt es sich um Warnungen wegen Waldbrandgefahr oder Unwetter, kommen sie direkt vom Deutschen Wetterdienst.

Neben Warnungen im Radio sind auch Untertitelungen im Fernsehen möglich. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät zu batteriebetriebenen Radios und Ersatzbatterien.

Sirenen und Lautsprecherdurchsagen

In Gebieten, die besonders gefährdet sind, wird die Bevölkerung nicht nur mit Rundfunkdurchsagen gewarnt, sondern auch mit Sirenen und Lautsprecherfahrzeugen. So wird zum Beispiel gewarnt, wenn Schadstoffe freigesetzt und über die Luft weitergetragen werden, Stichwort: "Schließen Sie Fenster und Türen!"

Sirenen gelten vor allem nachts als zuverlässiges Warnmittel. Ihr Heulton holt die Menschen aus dem Schlaf, wenn Fernseher, Radio und Handy ausgestellt sind. Die wichtigsten Sirenensignale sind:

  • Alarm bei Feuer und anderen Notständen. Damit werden die Einsatzkräfte der Feuerwehren alarmiert: Dreimal in der Höhe gleichbleibender Ton (Dauerton) von je zwölf Sekunden Dauer mit je zwölf Sekunden Pause zwischen den Tönen.
  • Alarm bei schwerwiegenden Gefahren für die öffentliche Sicherheit. Damit wird die Bevölkerung aufgerufen auf Rundfunkdurchsagen zu achten: Auf- und abschwellender Heulton von einer Minute Dauer.

Lautsprecherfahrzeuge etwa von Feuerwehren werden ergänzend zu Sirenen oder dort wo es keine Sirenen gibt, eingesetzt. Damit lassen sich Menschen konkreter warnen als mit Sirenen. Zum Beispiel in München und den Landkreisen Rosenheim und Landsberg am Lech gibt es gar keine Katastrophenschutz-Sirenen mehr.

Warn-Apps

Seit einigen Jahren gibt es digitale Helfer: Nina, Katwarn, Biwapp und Warnwetter sind weit verbreitete Warn-Apps. Sie alle haben ein gemeinsames Ziel: Bürger vor Katastrophenfällen warnen. Praktisch gerade für Leute, die unterwegs sind, Radio oder Fernsehen gerade nicht nutzen können, aber ihr Smartphone dabei haben. Sie haben aber eine gemeinsame Schwäche: Bei großen Katastrophenlagen kamen die Warnungen in der Vergangenheit manchmal zu spät oder gar nicht an, kritisiert Jörg Geiger vom Computermagazin Chip. "Man hat das zum Beispiel vor fünf Jahren beim Anschlag im Olympia-Einkaufszentrum gesehen, damals ist das Handy-Netz zusammengebrochen und es konnten keine Warnmeldungen mehr versendet werden." Teilweise dauere die Ausspielung auch sehr lange, wie sich beim Warntag 2020 gezeigt habe.

Pannen beim ersten bundesweiten Warntag

Die Warnung der Bevölkerung wurde zuletzt am 10. September 2020 geprobt. Vielerorts in Bayern heulten die Sirenen nicht wie geplant, die amtlichen Warn-Apps blieben ebenfalls teilweise still. Der Warntag 2021 wurde abgesagt. 2022 soll er wieder stattfinden und das Warnsystem bis dahin überarbeitet werden.

Wie wird bei Hochwasser gewarnt?

Zur Warnung der Bevölkerung vor Hochwasser, das von Flüssen und Seen ausgeht, gibt es in Bayern einen Hochwasserwarndienst. Grundlage ist laut Bayerischem Innenministerium die ständige Überwachung der Pegel an den eingerichteten Messstellen. Sobald bestimmte Pegelstände überschritten werden, bekommen Städte und Gemeinden Bescheid. Diese haben festgelegt, wie innerhalb der Gemeinde informiert wird und die betroffenen Personen gewarnt werden.

Johanniter in München plädieren dafür, sich selbst auf dem Laufenden zu halten

Gerhard Bieber von den Münchner Johannitern appelliert dafür, sich selbst auf dem Laufenden zu halten. Schließlich gibt es nicht überall Sirenen, und selbst wenn es welche gibt, höre sie unter Umständen nicht jeder, wenn etwa die Fenster zu dick sind. Man solle Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes daher ernst nehmen und auch Bekannte und Angehörige anrufen, wenn an deren Wohnort ein Unwetter droht. "Jeder ist selbst in einer gewissen Weise gefordert, sich zu informieren und nicht darauf zu hoffen, dass im Fall des Falles immer rechtzeitig jemand da ist, der sagt: 'Obacht, jetzt wird's kritisch!' ", sagt Bieber.

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