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© BR/Jürgen Gläser
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Vifogra

Nach den katastrophalen Überflutungen der letzten Tage, fragt sich ganz Deutschland, warum die Bevölkerung nicht rechtzeitig gewarnt wurde. Auch in Unterfranken hatte der Starkregen Schäden in Millionenhöhe angerichtet.

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Katastrophenschutz in Unterfranken: Wer warnt im Ernstfall?

Nach der Flutkatastrophe im Westen und im Süden Deutschlands stellt sich die Frage: Warum wurden die Menschen nicht rechtzeitig gewarnt? Auch in Unterfranken hat das Hochwasser in den letzten Tagen Schäden in Millionenhöhe angerichtet.

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Von
  • Jürgen Gläser

Mehr als 160 Tote, viele Vermisste und Tausende, deren Häuser zerstört sind – das ist vorläufig die schreckliche Bilanz der Flutkatastrophe in Deutschland in diesem Juli. Tage vor den verheerenden Zerstörungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hatte Starkregen bereits in Unter- und Mittelfranken Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Vor allem in der Nacht zum 9. Juli wurden kleine Bäche zu reißenden Strömen. Eine Vorwarnung für die Bevölkerung gab es dort nicht.

Zuständig für die Warnung sind Städte und Landkreise

Für die Warnung der Bevölkerung sind in erster Linie die Kreisverwaltungsbehörden, also Städte und Landkreise verantwortlich. Im Raum Würzburg gibt es hierfür ein mehrstufiges Warnkonzept, erklärt Alfred Schubert, der Pressesprecher der Integrierten Leitstelle (ILS) in Würzburg. Das reiche von der Rundfunkdurchsage über Warn-Apps bis hin zu Lautsprecherdurchsagen in betroffenen Orten mit dem Hinweis, wie man sich zu verhalten habe.

Warn-Apps informieren über drohende Katastrophen

Für den Katastrophenschutz ist übergeordnet die Regierung von Unterfranken zuständig. Deren Sprecher Johannes Hardenacke sagt, der Bürger müsse sich auch selbst über Gefahrenlagen informieren. Er empfiehlt hierfür die Internetseite des Hochwassernachrichtendienstes und auch die Warn-Apps NINA und KATWARN. Über diese Apps erhalte man rechtzeitig Warnungen des Deutschen Wetterdienstes oder über sonstige drohende Katastrophen.

Vorhersagen für kleine Bäche sind äußerst schwierig

Doch auch beim Hochwasser am 9. Juli gab es für die betroffenen Orte in Unterfranken keine Vorwarnungen. Eine mächtige Gewitterzelle hing über dem Steigerwald fest. Die Folge: fast 16 Stunden lang Starkregen. Kleine Bäche, die aus dem Steigerwald heraus Richtung Main fließen, verwandelten sich in Wiesentheid, Münsterschwarzach oder Gerolzhofen in reißende Ströme. Häuser standen teilweise fast einen Meter hoch im Wasser. Bei kleinen Bächen seien Vorhersagen extrem schwierig, sagt Dirk Albrecht, Kreisbrandrat im Landkreis Kitzingen. Welche Wassermengen über Äcker, Wiesen, Berge und Täler zusammenlaufen, sei schwer einzuschätzen.

"Das kommt viel zu schnell – da kann man nicht warnen!"

Reichenberg bei Würzburg wurde innerhalb einer Woche gleich zwei Mal geflutet. "Das ging so schnell. Ich bin von Würzburg rausgefahren und habe die schwarze Wand gesehen, dann fing die Sirene an. Das hätte niemand voraussagen können", sagt eine Bürgerin aus Reichenberg. Beim Hochwasser ist ihr Keller vollgelaufen. Nur wenige im Ort hatten offenbar eine Warn-App. Eine weitere Bürgerin sagt: "Wenn das mit der Sirene als Vorwarnung funktionieren würde, das wäre schön."

Fördermillionen für besseren Sirenen-Alarm

Der Bund hat gerade erst ein Förderprogramm mit 90 Millionen Euro für den Ausbau des Sirenen-Alarms aufgelegt. Denn das Signal 'Dauerwarnton für die Bevölkerung' – eine Minute lang ein auf und abschwellender Ton – können technisch oft nur Sirenen, die im 30-Kilometer-Radius um Atomkraftwerke installiert sind oder waren. Das ist zum Beispiel bei den Sirenen in der Nähe des abgeschalteten Kernkraftwerks in Grafenrheinfeld der Fall.

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