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Katastrophenfall in Hof: Drei Fliegerbomben an einem Tag | BR24

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Spezialisten haben drei Bomben in einem Neubaugebiet in Hof entschärft. Die Bewohner konnten in ihre Wohnungen zurück.

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Katastrophenfall in Hof: Drei Fliegerbomben an einem Tag

In Hof waren Einsatzkräfte am Donnerstag damit beschäftigt, ein Neubaugebiet von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg zu räumen. Drei Entschärfungen an einem Tag - das war selbst für die Sprengemeisterin nicht alltäglich. Ein Katastrophenfall-Tag.

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Als Bettina Jurga am frühen Donnerstagmorgen in Hof ihre Arbeit aufnahm, hatte sie eine Premiere vor sich. Statt um eine musste sich die Sprengmeisterin aus Nürnberg gleich um drei Fliegerbomben kümmern, die im Hofer Neubaugebiet Rosenbühl bei Bauarbeiten entdeckt worden waren. "Wir sind mit großem Respekt an die Entschärfung gegangen", sagt Jurga wenige Stunden später und deutet auf die Ladeflächen zweier Lieferwagen. Dort sind drei amerikanische Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg festgezurrt. So harmlos wie sie nun aussehen, waren sie bis vor kurzem nicht.

Mehrere Bombenfunde im Hofer Neubaugebiet

Ein Rückblick: Am 12. Oktober stößt ein Bauarbeiter bei Erdarbeiten am Neubaugebiet Rosenbühl auf eine Fliegerbombe. Die Arbeiten werden sofort eingestellt. Einen Tag später wird das Neubaugebiet den ganzen Tag lang sondiert, das Gelände mit Spezialgeräten nach weiteren Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg abgesucht. Zwei weitere Male werden Experten an diesem Tag fündig. Es ist fast schon Routine: Schon im Juni und Anfang Oktober waren hier amerikanische Fliegerbomben gefunden worden.

Katastrophenfall und Evakuierung betrifft 3.000 Menschen

Am 14. Oktober entscheidet die Stadt, dass für den Zeitraum der Entschärfung der Bomben am folgenden Tag der Katastrophenfall für das Gebiet rund um den Fundort verhängt wird. Während sich Sprengmeisterin Bettina Jurga am nächsten Morgen mit ihrem Team vom Kampfmittelräumdienst Nürnberg auf die Entschärfung vorbereitet, müssen 3.000 Hofer ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Die genauen Straßenzüge und Hausnummern hatte die Stadt vorher festgelegt. Unter den Menschen sind auch 56 Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenhauses Rosenbühl. Die Diakonie bringt sie übergangsweise mit Bussen und Transportern in ein anderes Hofer Seniorenheim.

BRK verteilt im Notquartier Kaffee und Wasser

Im Notquartier Freiheitshalle warten zehn Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) mit Kaffee und Wasser auf Anwohner. Eine Handvoll Hofer nutzt das Angebot. Es sind vor allem gehbehinderte Mitbürger, die in der mit Tischen und Stühlen ausgestatteten Halle die kommenden Stunden verbringen werden. Um 9.15 Uhr ist die Evakuierung abgeschlossen.

Sprengmeisterin arbeitet unter Lebensgefahr

Fünf Minuten später nähert sich die Sprengmeisterin der ersten Bombe. Auf die Frage, wie sie sich schützt, zuckt Bettina Jurga mit den Achseln: "Wir können uns nicht schützen. Wir können vorsichtig arbeiten, aber alles andere sind Spekulationen." Für Jurga und ihre Kollegen ist jede Entschärfung eine potenziell lebensgefährliche Arbeit. Auch diese. Alle drei Bomben, berichtet sie später, haben zu diesem Zeitpunkt noch immer aktive Zünder. "Sie hätten jederzeit explodieren können. Alle Bauarbeiter und alle, die hier wohnen, haben sich einer Gefahr ausgesetzt." Die Blindgänger sind 75 Kilogramm und zweimal 50 Kilogramm schwer, doch das spielt laut Jurga keine Rolle: "Egal, wie groß oder schwer die Bomben sind, es geht immer eine Gefahr von ihnen aus."

Blindgänger haben 75 Jahre im Boden geschlummert

Die Sprengmeisterin macht ihre Arbeit konzentriert, aber nicht routiniert. "Wenn Routine aufkommt, macht man Fehler", sagt sie. "Ich nehme mir Zeit." Eine Bombe nach der anderen wird unter ihren kundigen Händen zunächst freigelegt und dann gereinigt. Die Blindgänger befanden sich 75 Jahre lang bis zu einem Meter tief unter der Erdoberfläche und waren stark korrodiert. "Es kommt darauf an, die Zünderkette zu unterbrechen", erklärt Jurga. Das gelingt ihr mit Spezialwerkzeug, das sie nicht näher benennen möchte, nach und nach bei allen drei Bomben.

Drei Bomben werden erfolgreich entschärft

Erleichterung macht sich breit, bei ihr und bei allen, die die Nachrichten von den Entschärfungen erhalten. Sie sprechen sich herum bei den Polizeibeamten, die an den Straßensperren stehen und niemanden ins Sperrgebiet einfahren lassen. Bei Ilona Hörath, der Sprecherin der Stadt Hof, klingelt das Handy nach jeder Erfolgsmeldung und sie leitet sie sofort an die wartenden Medienvertreter weiter.

Sprengmeisterin demonstriert Gelassenheit

Um 11.40 Uhr ist die letzte Bombe unschädlich gemacht, die Polizeibeamten packen die Straßensperren ein, die Medienvertreter bestaunen die entschärften Blindgänger auf den Ladeflächen der Transporter und die gelassen wirkende Sprengmeisterin. "Alles ist gut gegangen, es gab keine Komplikationen", sagt Bettina Jurga in die Kameras und Mikrofone. Und sie betont: "Es ist gut, dass das Neubaugebiet kampfmitteltechnisch untersucht worden ist und die Gefahr gebannt werden konnte."

Stadt hebt Katastrophenfall wieder auf

Kurz nachdem die 3.000 Menschen langsam wieder in ihre Wohnungen rund um das Baugebiet Rosenbühl zurückkehren, hebt die Stadt Hof um 15.00 Uhr den Katastrophenfall wieder auf und teilt mit, das "alles nach Plan" verlaufen sei. Die mittlerweile zahmen Blindgänger haben da schon ihre letzte Reise nach Ingolstadt angetreten. Dort werden sie fachgerecht und endgültig zerlegt. Am Steuer eines der Lieferwagen sitzt die Frau, die gerade ihr Leben riskiert hat.

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