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Im Berchtesgadener Land ist der Katastrophenfall aufgehoben. Laut Landratsamt sinken die Pegel, Entspannung sei in Sicht. Das gilt auch für andere Teile im Freistaat, es liegen aktuell keine Warnungen mehr vor.

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Katastrophenfall aufgehoben - Aufatmen im Berchtesgadener Land

Die vom Hochwasser heimgesuchte Region hat das Schlimmste hinter sich. Langsam kehrt der Alltag zurück. Doch von Normalität zu sprechen, wäre verfrüht und die Schäden dürften bei vielen Millionen liegen.

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Von
  • Hans Häuser

An der Weltcup-Bobbahn am Königssee wühlen sich Bagger durch Geröll und Schlamm, beobachtet von fassungslosen Anwohnern. Er habe Fotos von der Zerstörung gesehen, sagt einer. Aber selbst jetzt, wenn man davorstehe, könne man es kaum glauben.

Sturzbach im Keller

Ein paar hundert Meter weiter, in der Schönau: Erdrutsche und Flutwellen haben sich in die Häuser gefressen. Ein Anwohner war schon einmal vor gut 20 Jahren betroffen, aber damals nicht so heftig. Diesmal habe ein Sturzbach die Türen des Kellers regelrecht ausgehebelt, erzählt er. Es sei so plötzlich gekommen, dass eine Vorsorge gar nicht mehr möglich war.

Aufatmen im Krisenstab

Etwa zeitgleich im Landratsamt in Bad Reichenhall: Leichtes Aufatmen. Die Lage entspannt sich langsam. Sprecherin Alexandra Rothenbuchner hat bis zum Nachmittag 537 Einsätze der Rettungskräfte gezählt. Das meiste seien jetzt Aufräumarbeiten, vor allem in Schönau und Bischofswiesen.

500 Einsatzkräfte im Dauereinsatz

Knapp 500 Frauen und Männer waren seit Samstag fast durchgehend im Einsatz, sie wurden unterstützt von rund 100 Bundeswehrsoldaten aus der Kaserne in Bischofswiesen. Um Mitternacht dann endet der Katastrophenfall. Man sehe eine Entspannung der Lage, heißt es zur Begründung vom Landratsamt, die Pegel seien gesunken, auch die Wetterlage habe sich gebessert.

Schulen auf, Gleise dicht

Schulen und Kindertagesstätten haben ab heute wieder regulär geöffnet. Auch die Bewohner mehrerer evakuierter Häuser konnten zurückkehren. Doch von völliger Normalität ist der Talkessel noch weit entfernt: die Bahnstrecke nach Bad Reichenhall: dicht. Die zentrale Bundesstraße zwischen Ramsau, Berchtesgaden und Marktschellenberg: immer wieder nur einspurig befahrbar oder sogar komplett gesperrt.

Kostenlose Sperrmüllcontainer

Das Landratsamt stellt in den verschiedenen betroffenen Gemeinden kostenlos Sperrmüllcontainer auf. In Marktschellenberg am Sparkassenplatz, dort dürfen auch defekte Elektrogroßgeräte abgestellt werden. In Berchtesgaden steht ein Sammelbehälter auf dem Bauhof. In Bischofswiesen stehen zwei Container und in Schönau am Königsee nimmt eine Firma am Wertstoffhof Sperrmüll entgegen.

Fleissige Helfer in Marktschellenberg

Nichtsdestotrotz ist auch schon viel passiert – wie man auf den Straßen in Marktschellenberg sieht. Auch das Rathaus dort, das geflutet war, präsentiert sich wieder blank geputzt – die Einheimischen, die Betroffenen und Einsatzkräfte – sie haben die vergangenen Tage unglaubliches geleistet. In den stark betroffenen Ortschaften wie Schönau am Königsee muss trotzdem noch Tage weitergearbeitet werden

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Fleissige Helfer haben in Marktschellenberg schon viel geleistet

Nichtsdestotrotz ist auch schon viel passiert – wie man auf den Straßen in Marktschellenberg sieht. Auch das Rathaus dort, das geflutet war, präsentiert sich wieder blank geputzt – die Einheimischen, die Betroffenen und Einsatzkräfte – sie haben die vergangenen Tage unglaubliches geleistet. In den stark betroffenen Ortschaften wie Schönau am Königsee muss trotzdem noch Tage weitergearbeitet werden

Sorge um den Tourismus

Dazu die Sorge um den wichtigen Wirtschaftszweig Tourismus. Landratsamts-Sprecherin Rothenbuchner wirbt für Gelassenheit. Die Schäden seien nicht flächendeckend. Vielerorts sei Urlaub möglich. Wer eine Reise gebucht habe, solle sicherheitshalber aber am besten vorab mit den Gastgebern sprechen.

Keine Ausflüge in den Nationalpark möglich

Doch auch wenn die Unterkunft heil geblieben ist - viele Aktivitäten sind zurzeit nur eingeschränkt möglich. Die Nationalparkverwaltung etwa warnt vor Ausflügen ins Schutzgebiet. Viele Wege und Steige seien unpassierbar - auf nicht absehbare Zeit.

Warten auf die Politik

Zur Höhe der Sachschäden im Talkessel gibt es noch keine Schätzungen, aber klar scheint: Es dürfte sich um viele Millionen handeln. Die Menschen im Berchtesgadener Land hoffen nun auf die Politik. Die Bundesregierung hat bereits Sofort- und Aufbauhilfen zugesagt – auch der Freistaat will im großen Stil unterstützen.

Vorzeigeprojekt Rodelbahn

An der Bobbahn ist Betriebsleiter Markus Aschauer deshalb verhalten optimistisch: Er habe mit dem Umweltminister gesprochen, der sage, der Grünstein müsse verbaut werden. Alles müsse gerichtet werden, damit man bald wieder fahren könne. Die Rodelbahn sei schließlich ein Vorzeigeobjekt für das ganze Land.

Geld von der Staatsregierung

Erste Hilfen will die Staatsregierung offenbar bereits in der Kabinettssitzung heute Vormittag auf den Weg bringen. Doch trotz der schnellen Reaktion: Die kommende Saison an der Eisbahn am Königssee wird mit Sicherheit ausfallen. Weltcuprennen sind hier vorerst undenkbar.

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Starkregen, Hochwasser und Murenabgänge haben im Berchtesgadener Land für Zerstörung gesorgt. Besonders von oben sieht man die Folgen.

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