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Das Schiff "Kelheim" auf der Donau
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Mathias Flasskamp
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Das Schiff "Kelheim" auf der Donau

Das Echolot von Kapitän Erwin Wagner zeigt 0,2. Die Digitalanzeige blinkt hektisch. Jetzt sind nur noch 20 Zentimeter Wasser unter dem Kiel seines Schiffes, der "Weltenburg". Erwin Wagner muss umdrehen. Wendemanöver mitten auf der Donau. Trotz des Regens am vergangenen Wochenende reicht die Wassertiefe nicht für eine Fahrt bis zum Kloster Weltenburg. Viel zu oft war das heuer schon so, erklärt der Kapitän und blickt grimmig aufs seichte Wasser:

"Am liebsten würde ich diese Saison einfach vergessen. Über 100 Tage konnten wir nicht bis Kloster Weltenburg fahren. Das ist eine Katastrophe, weil die Touristen unbedingt dorthin wollen und wegbleiben, wenn wir das nicht bieten können." Erwin Wagner, Kapitän

Eine Kiesbank verdirbt das Geschäft

Seit März hat sich eine Kiesbank genau im Donaudurchbruch angehäuft und verwehrt den Schiffen die Durchfahrt. Das Niedrigwasser auf der Donau wegen der langen Trockenzeit im Sommer hat die Lage weiter verschärft. Auch Renate Schweiger ist davon betroffen. Sie ist die einzige Kapitänin bei den Vereinigten Kelheimer Schifffahrtsunternehmen. Rund 60 Prozent weniger Fahrgäste als in den Vorjahren hatte sie in dieser Saison:

"Eine schlechte Saison können wir gerade so verkraften, eine zweite sollte nicht gleich dazukommen. Wir haben 150 Angestellte, die wir bezahlen müssen, ohne Fahrgäste halten wir das nicht lange durch." Renate Schweiger, Kapitänin

Leere Tische in der Klosterschenke

Auch in der Schenke von Kloster Weltenburg blieben heuer viele Tische unbesetzt. Geschäftsführer Rolf Holthausen rechnet mit Einbußen von 30 Prozent gegenüber den Vorjahren. Obwohl das Kloster weiterhin zu Fuß oder auch mit dem Bus erreichbar ist. Aber die Touristen wollen das Gesamtpaket: Schifffahrt, Donaudurchbruch, Einkehr im Kloster.

Appelle an die Politik

Die Unternehmer fordern, dass die Politik etwas gegen die Kiesbank unternehmen soll. Allerdings ist das äußerst schwierig, denn die Weltenburger Donauenge steht unter höchstem europäischen Naturschutz, dem sogenannten Europa-Diplom. In so einem Naturschutzgebiet darf nichts verändert werden. Landrat Martin Neumeyer (CSU) steht dadurch ziemlich unter Druck:

"Eine mögliche Lösung könnte sein, dass wir die Kiesbank im Donaudurchbruch vorsichtig abtragen, damit die Schiffe wieder fahren können. Ein tiefes Ausbaggern, verbietet sich, wegen der Naturschutzrichtlinien, die wir auf jeden Fall einhalten müssen und wollen." Martin Neumeyer (CSU), Landrat

Dazu gab es schon diverse Gespräche mit dem Bayerischen Umweltministerium und sogar einen Ortstermin. Keine leichte Aufgabe, den Anforderungen der Ökologie und der Ökonomie hier gleichermaßen gerecht zu werden. Bis April 2019 haben die Beteiligten jetzt Zeit, eine Lösung zu finden. Dann beginnt in Kelheim die neue Schifffahrtssaison.