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Fast so sicher wie das Amen in der Kirche: Am Karfreitag kommt vielerorts Fisch auf den Tisch. Der kommt zum Beispiel frisch von einem der vielen Fischhöfe in der Oberpfalz. Dort ist in Zeiten von Corona Erfindergeist gefragt.

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Karpfen-Drive-in: Ein Fischerhof in Osterstimmung

Fast so sicher wie das Amen in der Kirche: Am Karfreitag kommt vielerorts Fisch auf den Tisch. Der kommt zum Beispiel frisch von einem der vielen Fischhöfe in der Oberpfalz. Dort ist in Zeiten von Corona Erfindergeist gefragt.

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Von
  • Michael Wagner
  • BR24 Redaktion

In Asbach bei Schwarzenfeld liegt der Fischerhof Schießl. Zur Fischzucht des Direktvermarkters gehören rund 25 Weiher auf einer Fläche von 65 Hektar. Gerade laufen auf dem Fischerhof die Vorbereitungen fürs Ostergeschäft.

Frischer Fisch aus der Oberpfalz

Teichwirt Johannes Schießl steht vornüber gebeugt an einem künstlich angelegten Becken direkt auf seinem Hof. Hier werden die Fische sortiert, nachdem sie vom nahegelegenen Weiher abgefischt worden sind. Rund 1.200 Karpfen tummeln sich gerade in der Anlage, dazu kommen Hechte, Zander, Schleihen und Weißfische. Lediglich die Karpfen werden aber als Speisefisch vor Ort auf dem Hof geschlachtet. Hechte, Zander und Co. werden weiterverkauft als Satzfische für Flüsse und Seen.

Johannes Schießl zieht mit beiden Händen am im Becken eingelassenen Netz, schnappt sich mit dem Kescher einen Karpfen. Es ist ein Speisekarpfen, drei Jahre alt, schätzt der gelernte Teichwirt. Auf die Waage gelegt, wiegt das Tier 1,8 Kilo. "Der ist letztes Jahr im Herbst abgefischt worden und dann ist er in die Hälteranlage gekommen für Ostern", sagt Johannes Schießl. Die Hälteranlage ist die letzte Station für die Speisekarpfen, bevor es auf den Mittagstisch geht.

Am Karfreitag: Fischerhof zum Fisch-Drive-in umfunktioniert

Normalerweise - also in Nicht-Corona-Zeiten - läuft die hauseigene Gastronomie zur Osterzeit auf Hochtouren. Dann werden Gäste vor Ort in der urigen Blockhütte auf dem Hof mit gebackenem Karpfen und Forellenfilet verwöhnt. Die Fischerhütte, in der 65 Gäste Platz finden, hat wegen Corona aber momentan geschlossen, der Gastronomie-Betrieb steht still. Eine Ausnahme gibt es am Karfreitag. Dann wird der Fischerhof nämlich zum familienbetriebenen Drive-in umfunktioniert.

Der Fischerhof als Kreisverkehr

"Wir haben das große Glück, dass man durch unseren Hof rund durchfahren kann", erklärt Julia Schießl, Johannes Frau. "Das heißt, die Kunden kommen mit dem Auto an, brauchen nicht mal aussteigen, werden von einer Seite bedient und dann wird das Geld in Empfang genommen, von der anderen Seite bekommen sie die frisch zubereiteten Gerichte und dann können sie einfach vorne durch den Hof wieder rausfahren und daheim ihr Essen genießen." Um die 150 Essen sollen dann am Karfreitag über die Theke beziehungsweise durchs Autofenster gehen. Im Angebot gibt es gebackenes Karpfenfilet und Forellenfilet im Bierteig - und Schwammerl mit Semmelknödel für alle die, die am Karfreitag ganz fleischfrei bleiben wollen.

Mehr Kundschaft durch Corona?

Auch bei der Kundschaft hat Corona etwas verändert, sagt Julia Schießl, die bereits seit sechs Jahren am Betrieb mitarbeitet und sich auch um den Vertrieb kümmert: "Weil die Leute mehr daheim sind. Sie befassen sich mehr mit ihrer Ernährung und gesunden, vor allem auch mit regionalen Lebensmitteln. Und ich find schon, dass man es merkt, dass auch mehr Publikum jetzt zu uns kommt. Jetzt trauen sie sich auch und probieren auch einfach selbst regional ihren Fisch zuzubereiten."

Bayerische Karpfenteichwirtschaft ist Unesco-Kulturerbe

Etwa 6000 Tonnen Karpfen erzeugen Teichwirte in den traditionellen Karpfenregionen Oberpfalz und Franken nach Schätzung der bayerischen Fischereiverwaltung jährlich. Erst vergangene Woche war die bayerische Karpfenteichwirtschaft zum immateriellen Unesco-Kulturerbe ernannt worden.

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Ein Spiegelkarpfen vom Fischerhof Schießl: etwa drei Jahre alt ist dieses Exemplar und wiegt 1,8 Kilo.

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Die Hälteranlage, das wird deutlich, das ist die letzte Station für die Speisekarpfen, bevor es auf den Mittagstisch geht.

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Julia und Johannes Schießl vor der Fischerhütte auf dem Hof. Die hauseigene Gastronomie hat Corona-bedingt derzeit geschlossen.

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Johannes Schießl zieht mit beiden Händen am im Becken eingelassenen Netz, schnappt sich mit dem Kescher einen Karpfen.

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