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Beim Sudetendeutschen Tag in München steht die Aussöhnung mit Tschechien im Mittelpunkt. Der Europäischen Karlspreis der Sudentendeutsche Landsmannschaft geht in diesem Jahr an den früheren tschechischen Kulturminister Herman.

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Karlspreis der Sudetendeutschen an Tschechen Herman verliehen

Corona-bedingt in einem kleineren Rahmen treffen sich derzeit Vertreter der Sudetendeutschen in München. Ein Höhepunkt: die Verleihung des Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen an den früheren tschechischen Kulturminister Daniel Herman.

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Von
  • Vera Cornette

Ein "mutiges Vorbild" für die Aussöhnung von Deutschen und Tschechen sei Daniel Herman, lobte Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe den Preisträger. Der frühere tschechische Kulturminister Herman gilt als Brückenbauer zwischen beiden Ländern: 2016 hatte er auf dem Sudetendeutschen Tag in Nürnberg als erstes tschechisches Regierungsmitglied eine viel beachtete Rede gehalten. Ein Auftritt beim Sudetendeutschen Tag galt im politischen Prag jahrzehntelang als Tabu.

Impulse gegen alte Vorurteile

In seiner Dankesrede betonte Preisträger Herman die Notwendigkeit der Vergangenheitsbewältigung: "Die eigene Geschichte kennen, um die Zukunft gestalten zu können, das ist die Aufgabe, vor der wir alle gestellt werden".

Deshalb brauche es immer wieder Impulse, um die nachbarschaftlichen Beziehungen lebendig zu halten, so Herman, und alte Vorurteile nicht erneut aufleben zu lassen.

Für den Schirmherrn der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, hat die Corona-Pandemie gezeigt, wie Freundschaft und Nachbarschaft zwischen den beiden Ländern funktionierten: Wegen Corona hätten zwar die Grenzen wieder verstärkt kontrolliert werden müssen, man habe sich aber auch gegenseitig geholfen. Beispielsweise habe Bayern Tschechien Masken und Krankenhausbetten angeboten, sagte Söder: "Wir hatten de facto eine Standleitung zwischen München und Prag, zwischen Prag und München." So stelle sich Söder gelebte Freundschaft und Nachbarschaft vor.

Söder: Sudetendeutsche sind Vorbilder für Frieden und Freiheit

Söder nannte die Nachbarschaft zu Tschechien eine der zentralen Aufgaben, die Bayern habe. Die Sudetendeutschen seien dabei eine Klammer, ein Bindeglied zu den tschechischen Partnern. Und sie seien Vorbilder für Frieden und Freiheit in Europa, so Söder: "Es gibt kaum eine größere Friedenskundgebung in unserem Land, kaum eine größere europäische Identitätsbewegung, als die Sudetendeutschen."

Rund drei Millionen Sudetendeutsche wurden nach dem 2. Weltkrieg aus Böhmen und Mähren, der damaligen Tschechoslowakei vertrieben. 1954 übernahm der Freistaat die Schirmherrschaft über die Volksgruppe und erklärte sie zum vierten Stamm innerhalb Bayerns. Diese besondere Stellung innerhalb der Vertriebenen verdankte sie der CSU, zu der die Sudetendeutschen bis heute eine besondere Beziehung haben.

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