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Karl-Heinz Brunner: Ein Einzelkämpfer will SPD-Chef werden | BR24

© dpa-Bildfunk

Karl-Heinz Brunner ist seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages.

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Karl-Heinz Brunner: Ein Einzelkämpfer will SPD-Chef werden

Die SPD sucht einen Vorsitzenden, nun ja: Eigentlich sucht sie ein Vorsitzenden-Duo. Einer will es allein schaffen: Karl-Heinz Brunner. Seine Chancen: minimal.

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Karl-Heinz Brunner ist gut gelaunt und optimistisch. Vielleicht hilft Optimismus auch, wenn man in Bayern der SPD angehört und in diesen Tagen SPD-Chef werden will. Brunner weiß genau: "Die Lage als solche ist natürlich sehr ernst, aber ich bin jemand, der sich auch in die Pflicht nehmen lässt."

Der 66-jährige gebürtige Münchner, Bundestags-Abgeordneter seit 2013, ist im Leben außerhalb des Reichstags Unternehmensberater in Bayerisch-Schwaben.

Ein ehemaliger Gerichtsvollzieher soll die SPD retten?

SPD-Mitglied ist Brunner schon seit 1982. Damals lag die Partei in Bayern bei 31,9 Prozent, rückblickend ein sagenhafter Wert. Warum er in die Partei eingetreten ist? "Damals war ich als Gerichtsvollzieher im Einsatz", sagt er, und dort habe er das Leid der Menschen erlebt, hoch verschuldet aufgrund der Textilkrise. Er habe individuelle Lösungen mit den Menschen erarbeitet, sei aber zu dem Schluss gekommen, dass er das in einer Partei machen wolle - und sei da auf die SPD gestoßen.

Brunner wird im Gegensatz zum allgemeinen Wunsch in seiner Partei nach Mann-Frau-Strukturen alleine antreten. Dabei hätte er, der eher konservative Genosse, doch gerne eine Frau an seiner Seite gehabt – und zwar nicht irgendeine, sondern die radikal linke SPD-Frau Hilde Matheis. "Das war ja eben genau das Spannende, dass ich dachte, dass es interessant gewesen wäre mit Hilde Matheis anzutreten, um die Partei in ihrer ganzen Bandbreite, wie sie so existiert, auch zu repräsentieren und zu zeigen, wie leicht oder wie schwierig es ist, Kompromisse zu finden", lacht er.

Sein Mittel gegen den Schwund: erst nachdenken, dann handeln

Würde Brunner SPD-Chef, würde er seiner Partei dazu raten, erst nachzudenken, eine Nacht darüber zu schlafen und am nächsten Tag Entscheidungen zu verkünden. Er ist der Meinung, die Sturzgeburten, die Sozialdemokrat/innen gerne machten, müssten ein Ende haben. Es müsse wieder soziale und seriöse Politik her und da brauche man nun einmal Zeit.

Zeit geben sich die Genossen jetzt ja reichlich, sechs Wochen dauern die 23 Regionalkonferenzen. Ein anstrengendes Verfahren, für Mitglieder, Partei und Bewerber.

💡 SPD-Regionalkonferenzen

In insgesamt 23 Regionalkonferenzen in allen Bundesländern sollen die Kandidatinnen und Kandidaten, die sich um den SPD-Vorsitz bewerben, zeigen, wie sie die Partei in Zukunft führen und wieder voranbringen wollen. Den Anfang macht Saarbrücken, sechs Wochen später endet die Tour in München-Trudering. In jeder Regionalkonferenz gelten strenge Regeln: die Redezeit ist stark limitiert, jeder Kandidat, jedes Duo, hat genau fünf Minuten Zeit, seine Projekte vorzustellen. Danach dürfen sowohl die Fragen an die Kandidaten als auch deren Antworten nicht länger als 60 Sekunden dauern. Acht gemischte Duos und Karl-Heinz Brunner als Einzelkandidat stellen sich vor. Abstimmen können ausschließlich SPD-Mitglieder vom 14. bis zum 25. Oktober. Einen Tag später wird das Ergebnis bekannt gegeben und die neue Spitze auf dem Parteitag Anfang Dezember gewählt. (Erklärt von Barbara Kostolnik)

23 Regionalkonferenzen in ganz Deutschland: "Eine Ochsentour"

Brunner weiß, dass es nicht leicht wird: "Ochsentour" nennt er die Konferenzen, und sagt gleich dazu, dass er nicht alle 23 Regionalkonferenzen schaffen werde. Er sei schließlich ein mit Steuergeldern bezahlter Bundestagsabgeordneter und das Mandat in Berlin gehe vor.

Brunner, der der großen Koalition nicht ganz so skeptisch gegenübersteht wie es viele andere – auch bayerische Genossen – tun, weiß natürlich, dass er nur eine minimale Außenseiter-Chance hat. Er hätte sich nie vorstellen können, dass die SPD im Bund einmal genauso schlecht dastehen würde wie in Bayern. "Wobei ich mir vor ein paar Jahren die Ergebnisse, die wir in Bayern erzielt haben, auch nicht vorstellen konnte".

Mit der Vorstellung ist es eben so eine Sache. Stand jetzt kann sich ja auch keiner vorstellen, dass Karl-Heinz Brunner Anfang Dezember SPD-Chef sein könnte.

© BR

Bis zum 1. September konnten Genossen ihre Bewerbung um den SPD-Chefsessel anmelden. Im Windschatten der prominenten Bewerber kämpft ab sofort ein Bayer für seinen eigenen Dienst für die Partei: Karl-Heinz Brunner.