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Kardinal Müller würdigt Missbrauchs-Analyse von Benedikt XVI. | BR24

© pa/dpa/ Andreas Arnold

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

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    Kardinal Müller würdigt Missbrauchs-Analyse von Benedikt XVI.

    Der frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hat die Missbrauchs-Analyse von Ex-Papst Benedikt XVI. gelobt. Er habe etwas Sinnvolles zur Debatte beigetragen, so Müller. Benedikt macht auch die "68er-Revolution" für die Krise verantwortlich.

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    Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat die jüngsten Äußerungen von Benedikt XVI. zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche gewürdigt. Es handle sich um "die tiefgründigste Analyse der Genese der Glaubwürdigkeitskrise der Kirche in Fragen der Sexualmoral", sagte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation.

    Kardinal Müller: Benedikt hat "Eiterbeule aufgestochen"

    Benedikt habe mit dem Schreiben etwas Sinnvolles zur Missbrauchsdebatte in der katholischen Kirchen beigetragen, so Müller.

    "Benedikt hat in seinem Schreiben die Eiterbeule aufgestochen. Mit seinen 92 Jahren hat Benedikt XVI. einen Text verfasst, der intelligenter ist als alle Beiträge auf dem römischen 'Missbrauchsgipfel' und der neunmalklugen Moral-Experten bei der Deutschen Bischofskonferenz zusammen." Kardinal Gerhard Ludwig Müller

    Benedikt XVI.: "68er-Revolution" mitschuldig am Missbrauch in der Kirche

    Am Donnerstag hatten mehrere Medien einen Aufsatz von Benedikt XVI. mit dem Titel "Die Kirche und der Skandal des sexuellen Missbrauchs" publiziert. Darin sieht der emeritierte Papst einen Verfall der kirchlichen Morallehre und eine zunehmende Gottlosigkeit in Kirche und Gesellschaft als Hauptursachen der Missbrauchskrise. Sex und Pornofilme seien unter anderem zu einer Realität geworden, die sogar in Bahnhofkinos vorgeführt wurden, schrieb Papst Benedikt.

    "Ich erinnere mich noch, wie ich eines Tages in die Stadt Regensburg gehend vor einem großen Kino Menschenmassen stehen und warten sah, wie wir sie vorher nur in Kriegszeiten erlebt hatten, wenn irgendeine Sonderzuteilung zu erhoffen war. Im Gedächtnis ist mir auch geblieben, wie ich am Karfreitag 1970 in die Stadt kam und dort alle Plakatsäulen mit einem Werbeplakat verklebt waren, das zwei völlig nackte Personen im Großformat in enger Umarmung vorstellte." Papst Benedikt XVI.

    Weiter schreibt Benedikt XVI., dass es zur "Physiognomie der 68er-Revolution" gehört habe, dass auch Pädophilie erlaubt sei. In derselben Zeit habe sich ein "Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie" ereignet, der auch Teile der Kirche "wehrlos gegenüber den Vorgängen in der Gesellschaft" gemacht habe.

    Gegner: Statt Reform der Kirche "Anpassung an die eigene Dekadenz"

    Bei Theologen, aber auch Vertretern von Missbrauchsopfern stießen die Thesen auf Widerspruch. "Benedikt XVI. baut einen Popanz auf, um einen Schuldigen dafür ausmachen zu können, warum Missbrauch stattfand - und systematisch vertuscht wurde", schrieb etwa der Freiburger Moraltheologe Magnus Striet in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de.

    Zustimmung kam dagegen von Kurienkardinal Robert Sarah, der auf Twitter kommentierte, Benedikt XVI. bleibe "ein Lehrmeister des Glaubens". Kardinal Müller warf Kritikern des emeritierten Papstes fehlenden Anstand vor. "Das sind Leute, die weder glauben noch denken." Und weiter: "Man spricht von Erneuerung und Reform der Kirche und meint nur die Anpassung an die eigene Dekadenz."