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Kardinal Marx: Regionale Lockerung des Zölibats denkbar | BR24

© pa/dpa/Sven Simon

Kardinal Marx: Regionale Lockerung des Zölibats denkbar

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Kardinal Marx: Regionale Lockerung des Zölibats denkbar

Kardinal Reinhard Marx zeigt sich offen für eine Einschränkung des Zölibats. Er könne sich durchaus vorstellen, unter bestimmten Voraussetzungen in bestimmten Regionen verheiratete Priester zuzulassen.

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Wie hält es die katholische Kirche künftig mit dem Zölibat? Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat jetzt zu dieser Frage in einem Interview Stellung genommen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz kann sich "durchaus vorstellen, dass man zu dem Ergebnis kommen kann, dass es sinnvoll ist, unter bestimmten Voraussetzungen in bestimmten Regionen verheiratete Priester zuzulassen". Das sagte Marx der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Verheiratete Priester in Gegenden mit Priestermangel?

Der Erzbischof von München antwortete damit auf eine Frage zur im Oktober anstehenden Amazonien-Synode in Rom, an der er selbst teilnimmt. Auf der Synode soll über eine regional begrenzte Zulassung verheirateter Priester beraten werden. Das Vorbereitungsdokument stellt fest, "dass in vielen Gemeinden wegen des Priestermangels keine regelmäßigen Eucharistiefeiern möglich" seien. Außerdem sei es notwendig, "dem indigenen und aus der Region stammenden Klerus unter Berücksichtigung seiner eigenen kulturellen Identität und Werte Rückendeckung zu geben".

Marx: Kein deutscher Sonderweg

Auch die deutschen Bischöfe setzen sich mit dem Thema Zölibat auseinander - im Zusammenhang bei ihrer Aufarbeitung des Missbrauchskandals. Marx sagte dazu der Zeitung: "Es geht nicht um den Zölibat allein, sondern um die Zukunft der priesterlichen Lebensform." Entscheidend sei für ihn, "ob und wie der Zölibat so gelebt werden kann, dass er ein positives Zeichen ist und auch die Priester in ihrem Leben nicht beschädigt". Es werde da aber "keinen deutschen Sonderweg" geben.

Fünfmal so viele Missbrauchsfälle bei Priestern wie bei Diakonen

Eine von den Bischöfen in Auftrag gegebene Missbrauchstudie hatte ergeben, dass 5,1 Prozent der Diözesanpriester des sexuellen Missbrauchs von Kindern beschuldigt wurden, aber nur 1 Prozent der Diakone. Diakone sind nicht zu einer zölibatären Lebensweise verpflichtet. Marx sagte der FAZ, die Kriterien für die Priesterauswahl dürften nicht gesenkt werden:

"Sie müssen womöglich noch strenger werden. Wenn es um die persönliche Reife eines Kandidaten geht, dann muss ich die moralische Gewissheit haben, dass er auch mit seiner zölibatären Lebensweise zurechtkommt." Kardinal Reinhard Marx

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz forderte ein verpflichtendes Monitoring. "Jedes Bistum muss durch Statuten der Bischofskonferenz verpflichtet werden, etwa alle drei Jahre seine Arbeit in den Bereichen Prävention von sexuellem Missbrauch oder vielleicht auch in der Priesteraus- und -fortbildung von einem unabhängigen Institut begutachten zu lassen und die Ergebnisse zu veröffentlichen."

© BR

Im Amazonasgebiet Brasiliens herrscht Priestermangel. Weil unter den indigenen Bewohnern der Zölibat keine Option ist, werden viele Gemeinden von verheirateten Männern geleitet. Bei einer Synode im Herbst könnte der Zölibat deswegen fallen.