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Kanustreit: Landkreis Cham droht Kanuverleihern mit Verbot | BR24

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Das Landratsamt Cham droht damit, gewerbliches Kanufahren auf dem Fluss Regen ganz zu verbieten, wenn die Bootsverleiher nicht die teils "unhaltbaren Zustände" abstellen. Es geht um Vandalismus, Lärm, Alkohol und Vermüllung.

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Kanustreit: Landkreis Cham droht Kanuverleihern mit Verbot

Das Landratsamt Cham droht damit, gewerbliches Kanufahren auf dem Fluss Regen ganz zu verbieten, wenn die Bootsverleiher nicht kurzfristig die teils "unhaltbaren Zustände" abstellen. Es geht um Vandalismus, Lärm, Alkohol und Vermüllung.

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Angeblich rücksichtsloses Verhalten von Kanufahrern auf dem Fluss Regen sorgt weiterhin für Streit. Jetzt will das Landratsamt durchgreifen und droht damit, gewerbliches Kanufahren auf dem Fluss Regen ganz zu verbieten, wenn die Bootsverleiher nicht kurzfristig in einer "gemeinsamen Anstrengung" die teils "unhaltbaren Zustände" abstellen. Das hat die Behörde jetzt per Brief mehreren Kanuverleihern in der Region mitgeteilt.

Vandalismus und Vermüllung der Ufer

Damit reagiert das Amt auf die Kritik von Bürgermeistern, Anliegern und Medienberichten über die rasante Zunahme des Kanuverkehrs auf dem Fluss in den letzten Wochen. Demnach sei es zu rücksichtslosem Verhalten und Vandalismus teils "alkoholisierter Bootswanderer" gekommen. Die Rede ist auch von Vermüllung der Landschaft und von "menschlichen Hinterlassenschaften auf Rastplätzen und Uferflächen". Das sei "mit dem Leitbild eines naturnahen geordneten Tourismus nicht in Einklang zu bringen," heißt es in dem Brief.

Kanuverbot im Nachbarlandkreis sorgt für Ansturm

Die Kanuverleiher werden aufgefordert, die Missstände abzustellen. Außerdem müssen sie jetzt Schifffahrtsgenehmigungen für ihre Boote beantragen. Dazu hatte das Landratsamt Cham die Verleiher schon am 22. Juli brieflich aufgefordert. Die aktuelle Lage ist durch ein Gerichtsurteil Mitte Juli für den Flussabschnitt des Schwarzen Regen im Nachbarlandkreis Regen entstanden. Durch dieses Urteil wurden gewerbliche Kanufahrten auf dem Schwarzen Regen, einem der beliebtesten Flussabschnitte, mitten in der Sommersaison komplett verboten. Danach stürzten sich fast alle Verleiher auf andere Flussabschnitte des Regens im Nachbarlandkreis Cham.

Hunderte von Kanus auf dem Regen unterwegs

Dort kam es vor allem am Bootseinstieg und auf dem Parkplatz am Blaibacher See zu teils chaotischen Zuständen mit Überfüllung. Unterbrochen war das Ganze nur durch die letzten Regentage. An den Wochenenden davor waren Hunderte von Kanus auf dem Regen unterwegs. Es gab vor allem Beschwerden über lärmende und alkoholisierte Männergruppen und Jugendliche. Durch die jetzige Lage stellte sich außerdem heraus, dass das gewerbliche Kanufahren auf dem Fluss im Landkreis Cham, auch für die dort ansässigen Verleiher, seit Jahren nur geduldet ist. Es gab keine offiziellen Schifffahrtsgenehmigungen. Solche Genehmigungen sollen jetzt aber eingeführt werden.

Streit auch im Landkreis Regen

Derweil wird auch im Landkreis Regen weiter gestritten. Die Viechtacher Kreis- und Stadträtin Nicole Herzog (Grüne) hatte in einem offenen Brief dem Landratsamt Regen vorgeworfen, die Klage der Fischer gegen die Kanuverleiher durch eigene Fehler quasi verursacht zu haben. Man sei zu wenig auf die Belange der Fischer eingegangen und habe außerdem jahrelang zu viele Boote zugelassen. Herzog kritisiert außerdem, dass zwar momentan ein Naturschutzgutachten für den Schwarzen Regen erstellt wird, das 2021 endgültig über die Zukunft des Bootsfahrens dort entscheiden soll. Der Gutachter sei aber von den Kanubetreibern beauftragt und ausgesucht worden, er werde auch von ihnen bezahlt. Das Landratsamt Regen beteilige sich nur an den Kosten. Das Ergebnis könne also gar nicht zum Frieden zwischen Fischern und Kanubetreibern führen.

Gutachten soll abgewartet werden

Das Landratsamt Regen weist die Vorwürfe als "völlig haltlos" zurück. Man habe alle Belange, also auch die der Fischer, berücksichtigt. Dass der Verwaltungsgerichtshof dann anderer Ansicht war, werde selbstverständlich akzeptiert. Das beauftragte Gutachterbüro sei allgemein anerkannt. Wieweit das Ergebnis dann den Anforderungen genügt, könne erst nach Vorlage entschieden werden. Außerdem sei ein zweites Gutachten über die Regierung von Niederbayern beantragt worden, das komplett vom Staat bezahlt wird.

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