BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Kampfmittelbeseitiger machen ein Bombengeschäft in Bayern | BR24

© BR

In Bayern sind im vergangenen Jahr 120 Tonnen Kampfmittel beseitigt worden. Wie Innenminister Joachim Hermann (CSU) jetzt bekannt gab, waren das 50 Tonnen mehr als 2017. Meist handelte es sich um Fliegerbomben, die auf Baustellen gefunden wurden.

1
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Kampfmittelbeseitiger machen ein Bombengeschäft in Bayern

In Bayern sind im vergangenen Jahr 120 Tonnen potentiell hochexplosive Überreste des Zweiten Weltkrieges beseitigt worden - 50 Tonnen mehr als 2017. Meist handelte es sich um Fliegerbomben, die auf Baustellen gefunden wurden.

1
Per Mail sharen
Teilen

Unter den 120 Tonnen Kampfmittel des vergangenen Jahres "waren auch 220 alliierte Spreng- und Splitterbomben, wie sie vor allem im Zusammenhang mit Bauvorhaben gefunden werden", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in München. Ein Hauptgrund für die vielen Kampfmittelfunde ist in der Tat, dass so viel gebaut wird und Flächen aufgegraben werden, die jahrzehntelang nicht angerührt worden sind.

Rege Bautätigkeit sorgt für Bombenfunde

Seit etwa die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben nicht mehr benötigte Bahnflächen verkauft hat, entstehen dort Wohn- und Gewerbegebiete. An Bahnstrecken und in Industriegebieten aber liegen besonders viele Blindgänger und Granaten, denn sie waren im Zweiten Weltkrieg ein Hauptziel alliierter Luftangriffe.

"Vor allem dort, wo es zu Kriegszeiten Bombardierungen gab, etwa im Umfeld ehemaliger Rüstungsbetriebe oder in städtischen Arealen, müssen wir auch weiterhin mit Bombenblindgängern rechnen." Joachim Herrmann (CSU), Innenminister Bayern

Bei vielen Bauvorhaben wird eine zu erwartende Kampfmittelbeseitigung schon von vorne herein mit einkalkuliert. So etwa beim Bau der Zweiten Stammstrecke in München oder wenn im Werksviertel hinter dem Münchner Ostbahnhof der neue Konzertsaal gebaut wird. Daneben gibt es aber auch immer wieder Zufallsfunde.

Blindgängerquote liegt bei zehn Prozent

Nach Schätzungen von Experten sind etwa zehn Prozent der im Zweiten Weltkrieg abgeworfenen Spreng- und Splitterbomben nicht detoniert. Grundstückseigentümer und Bauherren sollten insbesondere im Vorfeld von Erdarbeiten jedem Verdacht auf möglicherweise vorhandene Kampfmittel nachgehen, so der Innenminister: "Gegebenenfalls müssen Fachfirmen beauftragt werden, Kampfmittel aufzuspüren, zu bergen und dem Kampfmittelbeseitigungsdienst zur Entsorgung zu übergeben", sagte Herrmann.

Das Innenministerium habe eine Fachfirma mit den Aufgaben des Kampfmittelbeseitigungsdienstes betraut und 2018 wieder mehr als 1,2 Millionen Euro in die Entsorgung und Beseitigung der gefährlichen Altlasten investiert.

Ein Ende des Altbomben-Booms ist nicht abzusehen: Erst im Juni vertrieb ein Großeinsatz zur Entschärfung eines 250-Kilo-Blindgängers hunderte Bewohner der Augsburger Innenstadt zeitweise aus ihren Häusern.