Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Kampf um "Hui-Buh": Streit um Zwergziege vor Gericht | BR24

© BR

Über die Zukunft eines jungen Zwergziegenbocks muss das Verwaltungsgericht München entscheiden. Das Tier wurde seinen Besitzerinnen wegen falscher Haltung weggenommen.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Kampf um "Hui-Buh": Streit um Zwergziege vor Gericht

Wo ist der Ziegenbock "Hui-Buh" am besten aufgehoben? Das muss das Verwaltungsgericht München entscheiden. Das Landratsamt München hat das Tier der Besitzerfamilie weggenommen, weil die ihn ohne Artgenossen gehalten hat. Doch das hatte Gründe.

Per Mail sharen
Teilen

Ziegen sind Herdentiere. Das heißt, sie brauchen tierische Gesellschaft. Zwergziegenbock "Hui-Buh" allerdings lebte allein bei einer Familie. Bis das Landratsamt München einschritt und ihn der Familie wegnahm. Der Grund: nicht-artgerechte Haltung. Die Familie aus Lochhausen fordert ihn zurück und hat geklagt. Jetzt muss das Verwaltungsgericht München entscheiden.

Familie spricht von "neurologischen Ausfällen"

Mutter Elisabeth A. erklärt, die Ziegenmutter hätte "Hui-Buh" verstoßen, er hätte "neurologische Ausfälle" gehabt und nicht selbstständig gefressen. Deshalb haben sie und die 29-jährige Tochter Magdalena das Tier mit der Flasche aufgezogen und es am Anfang nur rumgetragen, dann mit ihm das Laufen geübt. "Wir haben ihn durchgebracht", so die 55-jährige Elisabeth A. Ohne sie wäre der Ziegenbock gestorben, ist sie überzeugt. Benannt haben sie ihn nach dem Schlossgespenst.

© dpa-Bildfunk/Matthias Balk

Elisabeth A. (r) und Tochter Magdalena zeigen ein Bild vom Ziegenbock "Hui Buh".

Ziegenbock mehr Hund als Ziege?

Die Behörden hätten wahrscheinlich gar nichts von der Existenz des kleinen Tieres erfahren. Allerdings fuhr der rund eineinhalbjährige Zwergziegenbock häufig im Auto mit. Das Amt wurde auf ihn aufmerksam, als er mit Mutter und Tochter durch die Gegend fuhr. Da saß er auf dem Schoß der Beifahrerin. Das Armaturenbrett war mit Heu ausgelegt. Es stellte sich heraus, dass "Hui Buh" wohl mehr wie einen Hund statt wie eine Ziege gehalten wurde. Er lebte mit im Haus. Wenn es draußen ungemütlich wurde, zogen ihm seine Besitzerinnen eine kleine Jacke an. Laut Deutschem Tierschutzbund sind Ziegen "sehr neugierige Herdentiere, die gerne ihre Umgebung erkunden und unbedingt Auslauf und Möglichkeiten zum Klettern, Springen und zur Beschäftigung benötigen".

Artgenossen akzeptieren Zwergziegenbock nicht

Im Moment lebt das Tier auf dem Gnadenhof "Gut Streiflach" in Germering. Dort gibt es ein großes Gelände, auf dem sich "Hui-Buh" frei bewegen kann. Es gibt Steine und Hügel zum Klettern. Nach Angaben der Pfleger hat er ein inniges Verhältnis zu Menschen. Mit anderen Ziegen kommt er demnach weniger gut klar. Nach Einschätzung des Gnadenhofs akzeptieren sie ihn nicht, weil er vorher falsch gehalten wurde.

Klägerinnen wurde das Halten von Paarhufern schon mal untersagt

Ob der kleine Ziegenbock vielleicht wieder zur Familie in Lochhausen zurückkehrt, muss jetzt das Verwaltungsgericht entscheiden. Nach Gerichtsangaben wurde Mutter und Tochter schon einmal vom Landratsamt Dachau untersagt, Paarhufer zu halten und zu betreuen. Auch die anderen Ziegen, die sie einst hatten, sind inzwischen nicht mehr da.