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Bei Sengenthal gibt es heftigen Streit um einen Waldweg. Anwohner und Naturschützer sehen in dem Hohlweg ein über Jahrhunderte gewachsenes Juwel in einem besonders schönen Stück Wald. Waldbesitzer wollen den Weg für ihre Arbeiter verbreitern.

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Kampf um einen Hohlweg bei Sengenthal

Im Landkreis Neumarkt gibt es heftigen Streit um einen Waldweg: Die Waldbesitzer wollen ihn ausbauen lassen. Doch Anwohner und Naturschützer sehen in dem Jahrhunderte alten Hohlweg eine Naturschönheit und protestieren gegen den Ausbau.

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Von
  • Julia Demel

Auf den ersten Metern sieht der Weg oberhalb von Winnberg bei Sengenthal aus wie ein gewöhnlicher Forstweg. Doch etwas weiter bergab schneidet er sich tief in den Hang hinein, umsäumt von mächtigen Felsen und Bäumen. Hier hat der Weg etwas Mystisches, er soll Jahrhunderte alt sein und vielen Tiere einen Lebensraum bieten. Deshalb sei dieser Ort etwas ganz Besonderes, finden die Anwohner und waren alarmiert, als sie Anfang Februar die roten Kreuze entdeckten.

Rote Kreuze an Bäumen und Felsen

Seit einigen Wochen sind zahlreiche Bäume und Felsen entlang des Weges mit Signalfarbe markiert. Angezeichnet hat sie der Revierförster, denn die Waldbesitzer möchten, dass der Weg verbreitert wird. Die Anwohner sind entsetzt. Ihrer Meinung nach würde damit ein Natur-Juwel zerstört. Nicht nur die Atmosphäre des Ortes würde leiden, sondern auch ganz konkret der Lebensraum von seltenen Tierarten:

"Wir sind nicht allein, hier hat der Dachs seine Höhle gebaut, wenn wir ein Stück aufwärts gehen, sieht man in dem herrlichen Felsen die Brutplätze vom Waldkauz und oberhalb der Sandsteinfelsen ist einer der wichtigsten Quellhorizonte, der dafür sorgt, dass das hier ein ganz besonderer Wald ist.“ Bernd Sauer, Anwohner
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Rote Kreuze markieren die Bäume, die für eine Verbreiterung des Weges weichen müssten.

Schwer zugängliches Gelände

Besonders ist der Wald auch aus Sicht der Forstverwaltung, nämlich besonders schwer zugänglich. Da das Gelände steil abfällt, ist es mit normalen landwirtschaftlichen Maschinen nur schwer zu bearbeiten. Zudem sammelt sich das Wasser in dem Hohlweg und läuft besonders nach der Schneeschmelze bergab. So ist der Weg außerhalb der Frostperiode nur schlecht befahrbar. Die Waldbauern müssen fast jeden Stamm einzeln den steilen Berg hinauf schaffen. Denn nach unten hin können sie das Holz nicht abtransportieren. Denn direkt unterhalb des Hangs verläuft die Bahnlinie Nürnberg - Regensburg.

Sorge vor Borkenkäferbefall

In den vergangenen Jahren ist eine weitere Problematik hinzugekommen: der Borkenkäfer. In dem Waldstück stehen relativ viele Fichten. Käme es zu einem größeren Borkenkäferbefall, müssten schnell große Mengen Holz raus aus dem Wald. Das wäre nur mit größeren Lastern, als hier bisher fahren können möglich, sagt der Leiter des Forstreviers Neumarkt, Harald Gebhardt: "Das ist einer der Gründe für dieses Projekt: Wir wollen eben die Waldbesitzer in die Lage versetzen, hier zeitnah reagieren zu können. Wir hoffen alle, dass der Fall nicht eintritt, aber man muss es im Hinterkopf behalten, dass es passieren könnte."

Zusammenarbeit mit den Behörden

Derzeit befindet sich das Ausbauprojekt in der ersten Planungsphase. Ob es wirklich realisiert wird, ist noch lange nicht entschieden. Durch den Protest der Anwohner sind sich nun zumindest alle Seiten im Klaren darüber, dass es sich bei dem Hohlweg um einen sensiblen Ort handelt. Die Beteiligten haben aber jetzt erste Signale in Richtung einer Zusammenarbeit ausgesendet. Vermutlich werden es langwierige Verhandlungen, bis ein Kompromiss gefunden ist.

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Anwohner wehren sich gegen den Ausbau des Hohlwegs bei Sengenthal.

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