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Kampf gegen Touristen-Massen: Ein Monat Ausflugsticker | BR24

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Autos stehen in Kochel am See im Stau: regelmäßig in Zeiten von Corona

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    Kampf gegen Touristen-Massen: Ein Monat Ausflugsticker

    Im Corona-Jahr 2020 sind aufgrund von Reisebeschränkungen Tagesausflüge hoch im Kurs. Besonders beliebt in Bayern: die Berge. Um Besucherströme besser zu lenken und Belastungen für Anwohner zu reduzieren, gibt es seit einem Monat den Ausflugsticker.

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    Von
    • Axinja Weyrauch

    Wer in diesem Sommer ein Naturerlebnis oder Entspannung sucht, bekommt im Zweifel viel Stress mit dazu: Bei einem Ausflug Richtung Berge spielen Stau, überfüllte Parkplätze und Wartezeiten oft eine unschöne Rolle.

    Darüber sind sowohl die Ausflügler genervt, als auch Anwohner, die wegen des vielen Verkehrs selbst kaum noch vorwärts kommen oder gleich gar nicht erst aus ihrer eigenen Hauseinfahrt. Eine Lösung dafür soll der Ausflugsticker sein, den es nun seit einem Monat für ganz Bayern gibt. Für Oberbayern, für das das Angebot sogar schon etwas länger bereitsteht, finden sich beispielsweise auf der Seite des Berchtesgadener Lands und auf ausflugsticker.bayern die Informationen. Die Inhalte werden automatisch vorgelesen, sobald die Seite geöffnet ist.

    Versorgung mit Live-Informationen und teilweise Echtzeitdaten

    Die grundsätzliche Idee: Auf der Website sollen Infos, die für Besucher relevant sein könnten, gebündelt werden. Sprich: Was ist derzeit stark frequentiert und was ist eine gute Alternative dafür?

    "Die Leute sehen es sich auf alle Fälle an. Der Ticker ist bei uns auf der Website die bestgeklickte Seite und wir kriegen auch Feedback von Gästen oder Touristiker vor Ort, die die Seite nutzen und ihre Gäste im Haus dann wirklich informieren." Sepp Wurm, Berchtesgadener Land Tourismus GmbH

    Ob wegen des Tickers Ausflügler aber wirklich umkehren und doch nicht zum Königssee fahren, ist laut Wurm nicht nachvollziehbar. Da die meisten mobil zugreifen, vermutet er, dass viele sich erst vor Ort oder auf dem Weg informieren. "Wir sehen, die meisten Zugriffe darauf kommen mobil, etwa 70 Prozent. Das sagt mir eigentlich, dass sind Leute, die eigentlich schon unterwegs sind."

    In der ersten August-Woche gab es 8.000 Zugriffe, erzählt Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger am Telefon. Noch ist Luft nach oben, aber er sei bisher zufrieden.

    "Es zeigt auch, dass besonders Gäste aus München auf unsere Seite zugreifen, also vor allem die Städter, die überlegen, irgendwo aufs Land raus zu fahren, damit sie nicht auf irgendeinen Hotspot treffen. Das ist genau die Zielgruppe und das spricht natürlich für das System Ausflugsticker." Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger

    Jetzige Ticker-Version kann nur der Anfang sein

    Aber Aiwanger will, dass der Ausflugsticker noch besser wird: Bisher liefern noch nicht alle Regionen konkrete Echtzeitdaten wie beispielsweise das Berchtesgadener Land. Aiwanger hofft, dass sich auch die Tourismusgesellschaften mit Hotspots daran orientieren. Denn die sind jeweils für die Pflege der Infos im Ausflugsticker zuständig. Das ist nach der Erfahrung von Bernhard Joachim keine leichte Aufgabe. Er ist Geschäftsführer der Allgäu GmbH.

    "Wir im Allgäu haben gesagt, lass uns eine Prognose erstellen, die wir dann ab Freitagfrüh veröffentlichen. Aber die Herausforderung ist eben, das aktuell zu pflegen, aber dazu sind die wenigsten Orte in der Lage aktuell." Bernhard Joachim, Geschäftsführer der Allgäu GmbH

    Datenversorgung und -bereitstellung wird zum Flaschenhals für die Versorgung

    Das Problem: Die zahlreichen nicht bewirtschafteten Parkplätze an Toureneinstiegen oder Seen. Um die Auslastung dort im Blick zu behalten und weiterzugeben, dafür bräuchte es technische Unterstützung, also beispielsweise Kameras oder Schranken. So etwas zu installieren liege in der Verantwortung der einzelnen Kommunen, sagt Wirtschaftsminister Aiwanger. Für Christian Zwanziger, Landtagsabgeordneter und Sprecher für Tourismus der Grünen, ist der Ausflugsticker ein Schritt in die richtige Richtung – mit ihm sei es aber nicht getan.

    "Wir brauchen auch attraktivere Anreisemöglichkeiten mit Bahn und Bus, einen sinnvollen ÖPNV vor Ort. Da muss die Staatsregierung nachlegen, sonst bleibt der Ausflugsticker ein Tropfen auf den heißen Stein." Christian Zwanziger, Landtagsabgeordneter und Sprecher für Tourismus der Grünen

    Um den Tourismus langfristig besser steuern zu können, wird derzeit an der sogenannten BayernCloud gearbeitet, in der Daten über Verkehrsströme und Auslastung gesammelt und bereitgestellt werden sollen. Und zwar so, dass auch weitere Anbieter, beispielsweise Tourenportale wie outdooractive oder bergtour-online, sie nutzen könnten, um für die Tourenplanung gleich alle Infos parat stellen zu können.

    Einsatz von Künstlicher Intelligenz soll künftig helfen

    Mit Künstlicher Intelligenz könnten auch Prognosen erstellt werden, wann es wo voll und wann wieder leerer wird. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Laut Aiwanger wird die Entwicklung mindestens noch ein bis zwei Jahre dauern. Bis dahin soll eben der Ausflugsticker Abhilfe schaffen.

    Ausflugsticker meist noch unbekannt - aber inhaltlich überzeugend

    Bei einer Umfrage unter Tagesausflüglern in Landshut kannte den Ausflugsticker bislang niemand. Die Idee kam dennoch an. "Das finde ich wirklich geil. Das ist wirklich hilfreich in Zeiten von Corona. Grundsätzlich würde ich sagen: gute Idee, dann weiß man, was auf einen zukommt. Mich würde es beeinflussen. Ich kann mir vorstellen, dass es mehr Leute gibt, die sagen: nein, das tu ich mir nicht an, ich suche mir etwas anderes."

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