BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Kampf gegen Gaffer: Erfüllen Sichtschutzwände ihren Zweck? | BR24

Audio nicht mehr verfügbar

Dieses Audio konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© BR

Mobile Sichtschutzwände gegen Gaffer auf Autobahnen haben sich nach Ansicht der Einsatzkräfte bewährt. Entsprechend ist jetzt ein Pilot-Projekt der Autobahn-Meistereien Münchberg und Herrieden bis zum Sommer verlängert worden.

5
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Kampf gegen Gaffer: Erfüllen Sichtschutzwände ihren Zweck?

Mobile Sichtschutzwände sollen nach Unfällen Gaffer hemmen und den Verkehrsfluss verbessern. Nach Einschätzung von Einsatzkräften hat sich das Pilotprojekt in Mittel- und Oberfranken bewährt – doch in der Praxis funktioniert die Methode nicht immer.

5
Per Mail sharen
Teilen

Seit Sommer 2017 werden in den Autobahnmeistereien Münchberg (Lkr. Hof) und Herrieden (Lkr. Ansbach) mobile Sichtschutzwände gegen Gaffer auf der Autobahn eingesetzt - ein Pilotversuch, der sich nach Einschätzung der Einsatzkräfte bewährt hat. Der Test wurde nun bis zum Sommer 2019 verlängert.

Wahrscheinlich ist, dass die Wände zur Standardausrüstung von Einsatzkräften auf bayerischen Autobahnen werden, bestätigte der Leiter der Hofer Verkehrspolizei, Horst Thiemt, dem Bayerischen Rundfunk: "Das macht auch abseits der Autobahn zum Beispiel bei Feuerwehren Sinn. Ich wage die Prognose, dass sich Sichtschutzwände allgemein durchsetzen werden."

Immer wieder Probleme mit Gaffern - Sichtschutz soll helfen

Nach Darstellung der Polizei rentiert sich die Aufstellung der Sichtschutzwände nur bei länger andauernden, größeren Einsätzen. In der Theorie sollen sie Gaffer und Handyfilmer hemmen und den Verkehrsfluss merklich verbessern. Thiemt nennt als Beispiel einen Unfall auf der A9 bei Münchberg vor einem Jahr, bei dem ein Baby starb und die Sensationslust von Vorbeifahrenden nur durch die Wände eingedämmt werden konnte.

Doch es gibt auch Unfall-Beispiele, bei denen der Sichtschutz seinen Zweck verfehlt hat. Im Dezember kam es auf der A3 bei Erlangen zu einem schweren Auffahrunfall. Sechs Lkw krachten ineinander. Vier Menschen wurden dabei verletzt, einer von ihnen schwer. Trotz Sichtschutzwände hätten zahlreiche Lkw-Fahrer mit Handys gefilmt. Die Feuerwehr äußerte sich empört: "Den Lkw-Fahrern sollte bewusst sein, dass sie die nächsten werden könnten, weil sie vom Verkehrsgeschehen nichts mehr mitbekommen", so Sven Menger von der Feuerwehr Erlanger Oberland.

Hohe Strafen für Gaffer

Immer wieder kommt es nach schweren Unfällen zu Problemen mit Gaffern. Da diese meist langsam am Unfallort vorbeifahren, um zu filmen oder Fotos zu machen, halten sie den Verkehr auf. Staus nach Unfällen werden dadurch meist noch länger. Im schlimmsten Fall behindern Gaffer die Rettungsarbeiten.

Von einem "abscheulichen Verhalten" sprach Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und plädierte letztes Jahr für eine Gesetzesverschärfung. Der Bundesrat stimmte dem entsprechenden Gesetzentwurf der Länder Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen zu. Seitdem gelten für Gaffer, die Todesopfer bei Unfällen oder Unglücken fotografieren, empfindliche Strafen.

Sie müssen mit einer Geldstrafe oder sogar mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren rechnen - egal, ob die Aufnahmen weitergegeben oder veröffentlicht werden. Allein die Anfertigung reicht aus, die laut Strafgesetzbuch "die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt". In den meisten Fällen belangt die Polizei vorbeifahrende Gaffer mit 100 Euro. Hinzu kommt ein Punkt in Flensburg.

Einsatz von Sichtschutzwänden noch nicht verbreitet

Insgesamt kamen die Sichtschutzwände im Bereich Münchberg seit Sommer 2017 sechs Mal zum Einsatz, in Herrieden acht Mal. Weil der Einsatz zwar wirkungsvoll, aber eher selten ist, werde noch geprüft, wie viele Sichtschutzwände in Bayern verteilt werden sollen und wo genau, so Thiemt: "Das ist eine Balance zwischen Reaktionszeit und Wirtschaftlichkeit."