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Kampf gegen Gänsekot am Badesee: Jagen oder putzen? | BR24

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Gänsekot stinkt vielen Badegästen. Was tun gegen den Dreck?

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Kampf gegen Gänsekot am Badesee: Jagen oder putzen?

Immer mehr Wildgänse sind mittlerweile in Bayern heimisch. Mit ihren Hinterlassenschaften verschmutzen sie auch die Ufer der Badeseen. Ein Zustand, den viele nicht mehr hinnehmen wollen. Ein umstrittener Lösungsansatz: Gänse jagen.

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Graugänse, Kanadagänse und Nilgänse haben in Bayern, vor allem in den letzten Jahren, deutlich zugenommen. In einigen Regionen klagen nicht nur Landwirte über leergefressene Felder. Ärger gibt es auch an Badeseen. Etwa zwei Kilogramm Kot scheiden Gänse am Tag aus. Überall Dreck - im Wasser, am Ufer und auf den Liegewiesen. Den Badegästen stinkt's! Abhilfe soll die Jagd auf die Tiere bringen. Doch stetig steigende Abschusszahlen ändern an der Vermehrung der Gänse bisher nur wenig.

Gänsekot am Badesee: Im Slalom zum Wasser

Seit ihrer Kindheit gehen Maria Ischimbet und Stefanie Fischer zum Baden an den Karlsfelder See im Landkreis Dachau. Gänsekot gab es hier immer, doch gerade heuer ist es extrem: "Es ist sehr lästig. In diesem Jahr ist es richtig übel geworden", erzählt Stefanie Fischer.

Gänsekot soweit das Auge reicht. An vielen Uferstellen müssen Badegäste lange suchen, bis sie einen kotfreien Platz für ihr Handtuch finden. Keine einfache Aufgabe, gerade mit Kindern. "Es liegen viele Haufen da. Man muss schauen, dass man sich nicht reinsetzt und reinsteigt", klagt Maria Ischimbet.

Laut Landratsamt Dachau sind mittlerweile im Sommer über 100 Gänse am Karlsfelder See beheimatet. Zahlreiche Methoden, dem beschissenen Problem Herr zu werden, wurden mittlerweile erprobt. Leider nur mit wenig Erfolg.

© pa/dpa/Uwe Anspach

Von diesen Häufchen gibt es an bayerischen Badeseen sehr viele: Gänsekot auf einer Liegewiese

Gänsekot aufsaugen

Jetzt geht das Landratsamt mit einem speziellen Ansaugmäher gegen den Kot vor. Pressesprecher Wolfgang Reichelt erklärt, mit dem Spezialfahrzeug werde das Gras und der Kies am Uferstreifen abgesaugt. Eine teure Methode, das Absaugen kostet das Amt jedes Jahr 3.000 Euro. Und es ist eine wahre Sisyphusarbeit, den kilometerlangen Uferbereich sauber zu halten.

Gänse jagen, weil Badegäste genervt sind?

Auch ein generelles Fütterverbot, das nur wenige Besucher beachten, ändert wenig an der stetigen Ausbreitung des Gänsedrecks am Karlsfelder See. Das Problem mit der Durchsetzung eines Fütterverbots kennt auch Christian Wagner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising. Er managt bayernweit die Konflikte mit Gänsen an Badeseen und setzt dabei auch auf die Jagd.

"Die Jagd ist ein sehr mächtiges Instrument im Gänsemanagement. Die Tiere können bejagt werden, die haben eine Jagdzeit." Christian Wagner, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Durch Abschüsse einzelner Tiere sollen Artgenossen aus dem Gebiet vergrämt werden, so hofft man. Tierschützer bezweifeln diesen Effekt. Außerdem sei es kein legitimer Grund, so PETA, Tiere zu töten, nur weil sich Badegäste gestört fühlen. Die Tierschutzorganisation fordert statt der Gänsejagd ein tierfreundliches Gänsemanagement.

Mehr Gänsemanagement – weniger Kot

So lassen sich Badeseen zum Beispiel für Gänse unattraktiv gestalten. Gänse brüten überwiegend auf Inseln. Wenn man diese Inseln ans Land anbindet, etwa durch Stege, sind diese Brutplätze für die Tiere nicht mehr sicher und sie suchen sich andere Stellen, schildert Christian Wagner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Auch denkbar ist, die Eier durch Attrappen auszutauschen, um den Bestand zu minimieren. Statt sechs schlüpfen dann nur noch zwei Gänseküken, erklärt Wagner. Doch dazu müssen die Brutplätze genau beobachtet werden. Eine personalintensive und teure Angelegenheit.

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Wie schön könnte so ein Tag am See sein, wären da nicht die Grau- und Kanadagänse. Denn sie hinterlassen ihre Spuren. Inzwischen wird in vielen Landkreisen der Kot aufwändig beseitigt. Doch wie lässt sich das Problem lösen?

Zäune und Schutzgebiete am Altmühlsee

Auch nach der Brut könne man eingreifen. Dann halten sich Gänse gerne an weiten Uferflächen auf. Genau hier Zäune aufzustellen habe sich als sinnvoll erwiesen, sagt Andreas von Lindeiner vom Landesbund für Vogelschutz. Er beobachtet das seit 2014 betriebene Gänsemanagement am Altmühlsee bei Gunzenhausen in Mittelfranken.

"Gänse fliegen ungern über Hindernisse hinweg. Wir sind aber auf die Mithilfe der Leute angewiesen. Sie müssen die Zäune wieder aufstellen, wenn sie mit dem Baden fertig sind." Andreas von Lindeiner, Landesbund für Vogelschutz

Während man die Gänse von Badestellen vertreibt, sind sie im Vogleschutzgebiet des Altmühlsees völlig ungestört. Ein rund 200 Hektar großes Areal, in dem sie ausreichend Wasserflächen, aber auch Wiesen finden. Hier wurden sogar die Uferbereiche abgeflacht, um den Tieren den Zugang zu erleichtern.

Es fehlt an konsequenter Vergrämung

Trotzdem machen sich die Vögel nach wie vor auf den Liegewiesen breit. Von Lindeiner weiß warum: "Es bräuchte eine deutlich konsequentere Vergrämung oder Vertreibung. Das kann man ja mit unterschiedlichen Methoden machen." Anders gewöhnten sich die Tiere nie daran, dass sie an der einen Stelle geduldet und an anderer eben nicht gewollt seien.

Fazit: Letztendlich macht es beim Gänsemanagement der Mix aus. Neben der Jagd können das Reinigen, die Brutbegrenzung und das Verlegen der Lebensräume der Tiere effektive Maßnahmen für ein friedliches Miteinander zwischen Badegästen und Federvieh sein. Die Natur ist schließlich für alle da.

Klarstellung:

Aufgrund vieler Nachfragen von Lesern: Es kommt durchaus vor, dass eine ausgewachsene Gans bis zu 2 Kilogramm Kot am Tag ausscheidet. Es kommt nicht bei jeder Gans vor, aber es ist auch nicht so selten.

Eine Gans kotet alle fünf bis acht Minuten. Durchschnittlich scheidet eine Graugans 6,8 Gramm (+/- 3,2g) aus. Eine Kanadagans 8,35 Gramm. Eine ausgewachsene Gans (2 - 4 Kilogramm) kotet ungefähr 170 Mal pro Tag. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Ausscheidung von 1,2 bis 1,4 Kilogramm am Tag.

Quellen: Untersuchung: der TUM „Ökologie und Management von Wildgänsen in Bayern“, S. 146