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Der größte Feind unserer Wälder ist der Borkenkäfer. Vor allem Buchdrucker und Kupferstecher machen es sich in unseren Fichtenwäldern bequem und vermehren sich rasant. Neu im Allgäu: Der Borkenkäfer wird mit Unterstützung aus dem All bekämpft.

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Kampf gegen den Borkenkäfer mit Hilfe aus dem Weltall

Er gilt als der größte Feind in unseren Wäldern: der Borkenkäfer. Zwei junge Unternehmer bekämpfen das unbeliebte Insekt nun mit Unterstützung aus dem Weltall. Den ersten Allgäuer Förster konnten sie von ihrer Methode bereits überzeugen.

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Von
  • Katharina Reichart

Etwa zehn Fichten müssen in dem Waldstück bei Hellengerst im Landkreis Oberallgäu umgesägt werden. Die Auswertung von Satellitenbildern durch die beiden jungen Unternehmer Tobias Jäger und Fabian Popp hatte ergeben, dass die Bäume vom Borkenkäfer befallen sind. Die Überprüfung durch den Förster bestätigte das.

Befallene Bäume müssen schnell aus dem Wald gebracht werden

Laut Roman Prestele, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu, die das Waldstück betreut, müssen die Bäume nun so schnell wie möglich aus dem Wald gebracht werden. Innerhalb von etwa sechs Wochen entwickle sich der Borkenkäfer und fliege aus. "Wenn der Käfer schon weg geflogen ist, dann kann man ihn auch nicht mehr bekämpfen", sagt der Förster.

Start-Up Waldstolz wertet Satellitenbilder der ESA aus

Und genau beim Faktor Zeit setzen die Gründer des Start-Up Waldstolz an: Fabian Popp und Tobias Jäger bekommen, sofern die Sicht klar ist, alle fünf Tage neue Satellitenaufnahmen von der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Die Bereiche, in denen ihre Kunden Wald besitzen, analysieren sie mit Hilfe eines Computerprogramms und vergleichen sie mit Aufnahmen aus den vergangenen vier Jahren.

Waldbesitzer bekommen Informationen via SMS und E-Mail

Laut Fabian Popp können sie so kritische Veränderungen der Bäume im gefährdeten Wald schnell erkennen und die entsprechenden Verantwortlichen benachrichtigen – via SMS oder E-Mail. Kritische Veränderungen sind in Bezug auf den Borkenkäfer deutliche Veränderungen der Bäume in ihrer Vitalität: die Krone verfärbt sich dann rötlich, der Bäum stirbt langsam ab.

Regelmäßige Kontrolle der Bäume möglich

Mit dieser Fernüberwachungs- und Analyse-Methode kontrolliert "Waldstolz" die Bäume wesentlich regelmäßiger als es durch Begehung oder Befliegung möglich wäre. Allerdings liefern die Satelliten, die in etwa 750 Kilometern über der Erde fliegen, Übersichtsbilder: Ein Pixel im Bild entspricht zehn auf zehn Meter in echt. Auf der Aufnahme für das Waldstück bei Hellengerst ist zum Beispiel auch der Bodensee zu sehen. Einzelne eventuell befallene Bäume kann man darauf deshalb nicht erkennen, erklärt Tobias Jäger. Um den Borkenkäferbefall aus dem All festzustellen, brauchen die jungen Unternehmer eine Baumgruppe, die sich verändert.

Überwachung aus dem All beeindruckt Förster

Förster Roman Prestele ist trotzdem angetan von der Unterstützung aus dem All. Im Pilotprojekt lässt er 150 Hektar der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu seit Anfang Mai überwachen. Die bewirtschaftet insgesamt 25.000 Hektar. Doch allein auf dem vergleichsweise kleinen Waldstück hat die Satelliten gestützte Überwachung schon etwas gebracht: Eine der ersten drei Warnungen sei prompt ein Treffer gewesen. Prestele sagt, er sei überrascht davon gewesen, dass der Borkenkäfer in dem Wald bei Hellengerst im Oberallgäu so aktiv sei. Das kühle, nasse Wetter spreche an sich gegen einen großen Borkenkäfer-Befall. Das Insekt liebe es warm und trocken.

Zeit als wichtiger Baustein im Kampf gegen den Borkenkäfer

Durch die Meldung aber habe man zwei bis drei Wochen im Kampf gegen den Borkenkäfer gewonnen. Die betroffenen Fichten können aus dem Wald gebracht werden, bevor der Käfer ausfliegt und weitere Bäume schädigt.

Satellitengestützte Überwachung gibt es bisher nur im Allgäu und Schwarzwald

Der Service von Waldstolz kostet derzeit für die Überwachung von 3,5 Hektar Waldfläche 69 Euro im Jahr. "Überschaubar", wie Prestele sagt. Bislang gibt es das Angebot nur im Allgäu und südlichen Schwarzwald. Die Nachfrage sei allerdings so groß, dass Fabian Popp und Tobias Jäger ihre eigentlichen Jobs als Maschinenbauer bereits an den Nagel gehängt haben. Sie wollen mit ihrem Start-Up bald expandieren und sich deutschlandweit um einen gesünderen, borkenkäferfreien Wald bemühen.

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