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Kampf dem Verpackungsmüll: Neue Ideen von Klevertec in Kempten | BR24

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Wohl niemals wurden so viele verderbliche Lebensmittel an die Haustür geliefert, wie seit der Corona-Pandemie. Die Folge sind auch Berge von Styropor- und Plastikabfall. Dem haben die Forscher bei Klevertec der Hochschule Kempten den Kampf angesagt.

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Kampf dem Verpackungsmüll: Neue Ideen von Klevertec in Kempten

Wohl niemals wurden so viele verderbliche Lebensmittel an die Haustür geliefert, wie seit der Corona-Pandemie. Die Folge sind auch Berge von Styropor- und Plastikabfall. Dem haben die Forscher bei Klevertec der Hochschule Kempten den Kampf angesagt.

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Von
  • Christoph Scheule
  • Werner Bader

Stolz thront in der Mitte einer Halle die neueste Erfindung: ein Abfüllautomat für dickflüssige Milchprodukte wie Joghurt oder Quark. Die Idee dazu hatte die wissenschaftliche Leiterin von Klevertec, Prof. Dr. Regina Schreiber. In einem "Unverpackt-Laden" sah sie, wie Kunden Joghurt oder Quark mit einer Schöpfkelle aus einem Eimer in ihr mitgebrachtes Gefäß füllen. "Hygienisch und praktisch nicht die beste Lösung", sagt Schreiber und startete das Projekt. Die Studenten und Wissenschaftler haben einen vollautomatischen Abfüllautomaten für den Einzelhandel aus dem 3-D-Drucker produziert.

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Die Hochschule Kempten forscht und erarbeitet nachhaltige und funktionale Verpackungen für Lebensmittel. Aber auch Abfüllautomaten für Unverpackt-Läden. Getreu dem Motto: die beste Verpackung ist keine Verpackung.

Ersatz für Styroporkisten

Über einem Tisch steht das Schild "E-Commerce". Auf dem Tisch stehen Kartone und Matten aus verschiedenen nachwachsenden Rohstoffen. Hier wird geforscht, wie und mit welchen nachhaltigen Materialien temperaturempfindliche Lebensmittel auch während des Versandes möglichst lange gekühlt bleiben. Das Ziel: einen Ersatz für die Styroporkisten zu finden, mit denen derzeit wohl hunderttausendfach täglich durch Deutschland Lebensmittel geschickt werden. Gerade in der Corona-Krise haben Verpackungen deutlich zugenommen.

Nachhaltige Abfüllung und Verpackung von Lebensmitteln

Dazu haben die Wissenschaftler Mini-Sensoren entwickelt, die auch in Flüssigkeiten funktionieren und die Daten aufzeichnen. Bei Isoliermatten wird mit Hanf oder auch Stroh experimentiert. "Unsere Vision ist, mit der Vernetzung von Technologien und Unternehmen der verschiedenen Branchen und Größenordnungen die Haltbarkeit von Lebensmitteln zu verlängern und Herstellung, Abfüllung und Verpackung nachhaltig zu gestalten", beschreibt Regina Schreiber die Philosophie. "Die beste Verpackung ist letztlich die, die erst gar nicht notwendig ist."

Wie verändern sich Lebensmittel in der Verpackung?

Um das herauszufinden, stehen in der neuen Halle im Gewerbegebiet von Kempten moderne Maschinen und Untersuchungsgeräte. Auffällig sind auch die begehbaren Kühlräume. In ihnen werden Lebensmittel bei unterschiedlichen Temperaturen gelagert und es wird untersucht, wie und ob sich im Laufe der Zeit die Lebensmittel und die Verpackung verändern.

Empfindliche Produkte länger haltbar machen

Klevertec ist in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut entstanden und wird gefördert vom Bayerischen Wissenschaftsministerium. Vor allem dem Nahrungsmittel produzierenden Mittelstand bieten die Wissenschaftler und angehende Wirtschafts-Ingenieure ihre Hilfe in den drei Säulen Herstellung, Abfüllung und Verpackung an. Die zentrale Herausforderung ist dabei: Wie können empfindliche Produkte länger haltbar gemacht, hygienegerecht produziert und nachhaltig und sicher verpackt und versandt werden?

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