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Wie geht es privaten Waldbesitzern derzeit finanziell? Unmengen von Holz liegen zum Verkauf an Wald- und Wegrändern, finden aber weniger Käufer. Die Waldbesitzer wissen oft nicht mehr wohin mit dem Holz.

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Kampf dem Borkenkäfer: Existenz von Waldbesitzern bedroht

Der Holzpreis ist mancherorts niedriger als die Erntekosten, die Waldbesitzer aufbringen müssen. Neben den finanziellen Problemen müssen sie zudem gegen die Borkenkäfer ankämpfen und ganze Wälder neu bepflanzen.

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Von
  • Markus Feulner

Roland Beierwaltes und sein Sohn Florian stehen vor einem ihrer Waldstücke oberhalb von Steinwiesen (Lkr. Kronach). Der Hang ist nahezu kahl. Nur noch einige hochaufragende Weißtannen stehen auf der Fläche, dazwischen zahlreiche Stümpfe von abgesägten Fichten. Die Sonne brennt auf den Westhang, auch jetzt im September noch. Der Boden ist staubtrocken, seit 19 Tagen hat es nicht mehr geregnet. Immerhin wird es derzeit nachts merklich kühler. Die niedrigen Temperaturen mag der Borkenkäfer nämlich nicht.

Waldbesitzer müssen Bäume vor Borkenkäfern retten

Drei Käfer-Generationen hat es in diesem Jahr gegeben. Das ergab eine Zählung in den Fallen, die die Forstämter aufgestellt haben. Anfang August ist die letzte Population ausgeflogen und hat sich in den kranken Fichten eingenistet. Aus dem Hang oberhalb von Steinwiesen haben die Beierwaltes 400 Festmeter Fichten fällen und herausholen müssen. Denn die vom Käfer befallenen Bäume müssen schnell aus dem Wald geholt werden, damit sich die Borkenkäfer nicht ausbreiten können.

"Die Erntekosten liegen momentan bei etwa 30 Euro pro Festmeter. Der Holzpreis zwischen 20 und 25 Euro pro Festmeter. Der Waldbesitzer müsste also Geld mitbringen. Manche könnte das in die Insolvenz treiben" Florian Beierwaltes, Waldbesitzer

Normalerweise bewirtschaften sie ihren Wald traditionell zu viert als Familie – seit Generationen machen sie das schon so. Doch die Holzmenge ist so groß, dass sie es nur mit schwerem Gerät schaffen: Harvester, Rückezüge und Häcksler.

Hitze zerstört den Borkenkäfer

Das viele Holz braucht momentan kaum jemand, es ist zu viel auf dem Markt. Sägewerke und Zellstofffabriken haben stellenweise Anlieferstopp. Das überschüssige Holz wird gehäckselt und entweder in den Wald geblasen oder zu großen Häufen aufgeschüttet. Darin bilden sich Temperaturen von bis zu 80 Grad. Sie zerstören die Borkenkäfer und deren Brut. Dafür bekommen die Waldbauern Zuschüsse. Ebenso fürs Abdecken von Stammholz. Auch unter den Planen bildet sich Hitze, die die Käfer tötet.

Zuschüsse federn Verlust für Waldbesitzer ab

Dank solcher Zuschüsse machen die Waldbesitzer immerhin keine Verluste. Ebenso wie mit Zuschüssen für Pflege von Schutzwäldern. Wären die komplett weg, würde manche Frankenwald-Gemeinde bei Starkregen überschwemmt oder es kommt zu Erdrutschen und Steinschlag.

"Traditionell wurde der Wald bei uns von Generation zu Genration weitergegeben und als Kapital angesehen. Das wird nun vom Borkenkäfer vernichtet." Roland Beierwaltes, Waldbesitzer

Frankenwald wird sein Aussehen verändern

Aufforstung, Waldumbau und Naturverjüngung sind die Rezepte gegen das Bäumesterben. Tannen, Douglasien und Libanonzedern sind alles Bäume, die der Trockenheit trotzen und auch dem Borkenkäfer. Etwa 4.000 Setzlinge pro Hektar braucht es. Die jungen Bäume müssen richtig ausgebracht und vor Verbiss geschützt werden. Ein Setzling kostet etwa 70 Cent. Der Frankenwald wird sein Äußeres verändern.

"Auch meine Kinder sind im Wald aufgewachsen und wir werden daher nicht aufgeben und gemeinsam hier anpflanzen, um den Wald für die nächste Generation zu schaffen." Roland Beierwaltes, Waldbesitzer

Die Familie Beierwaltes will ihren Wald behalten und weiterpflegen. Auch wenn es Jahrzehnte dauern wird bis der neue Wald Gewinn abwirft.

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Auch im Frankenwald kämpfen Waldbesitzer gegen den Borkenkäfer.

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