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Kampagne gegen Winter-Verkehrschaos in Garmisch-Partenkirchen | BR24

© BR / Eva Heime

Ohne Stau ins Skigebiet, keine vollgeparkte Straßen: Eine Wintersaison-Kampagne versucht für Garmisch-Partenkirchen Lösungen zu finden und startet im Dezember einen Testlauf. Ziel: Die Anreise ohne Auto soll attraktiver werden.

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Kampagne gegen Winter-Verkehrschaos in Garmisch-Partenkirchen

Ohne Stau ins Skigebiet, keine vollgeparkten Straßen: Eine Wintersaison-Kampagne versucht, für Garmisch-Partenkirchen Lösungen zu finden und startet im Dezember einen Testlauf. Das Ziel: Die Anreise ohne Auto soll attraktiver werden.

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  • Eva Heime

Skiurlaub an Weihnachten, Neujahrsskispringen oder Ski-Weltcup – wer im Winter nach Garmisch-Partenkirchen möchte, der muss sich auf kilometerlange Staus und Parkchaos in den Skigebieten einstellen, da die meisten Urlauber mit dem Auto anreisen.

Konzept bietet Lösungen

In diesem Winter soll das Testprojekt "GaPa – Mobilität neu entdeckt" die Verkehrsprobleme lindern. Dabei haben die Initiatoren der Kampagne, die GaPa-Tourismus GmbH, die Bayerische Zugspitzbahn sowie das Organisationskomitee Ski-Weltcup, mehrere Ideen: gebührenpflichtige Parkplätze, Schneebusse und Hotel-Shuttles.

25 Euro Parkgebühr - eine Option?

"Eine Lösung geht nur über den Geldbeutel", sagt Peter Fischer, Chef des Organisationskomitees Ski-Weltcup. Davon sind die Initiatoren überzeugt. 25 Euro Tagestarif – so viel sollen die Parkplätze im Bereich Olympia-Eissportzentrum, Hausberg, Kreuzeck und Eibsee dann kosten. Wer dann einen Skipass kauft, bekommt zehn bis 15 Euro vom Parkticket gutgeschrieben. Für die Saison-Skifahrer gibt es eine saisonale Parkgebühr inklusive eines begrenzten Kontingentes an Stellplätzen – für 125 Euro.

Ein bisschen Abschreckung nötig

Die Höhe der Parkgebühren soll bewusst etwas abschreckend wirken, um die Parkplatzsituation im Skigebiet zu entschlacken, erklärt Fischer. "Diese Gebühr ist ein Anfang. Und das Geld, was da eingenommen wird, wird natürlich in das Gesamtkonzept mit Schneebussen und Shuttles wieder hineinfließen."

Alternative: Appell an die Vernunft

Markus Pillmayer, Tourismusprofessor an der Hochschule München, hätte lieber erstmal an die Vernunft und Einsicht der Menschen appelliert: "Eine Sensibilisierungskampagne wäre vielleicht besser gewesen. Möglicherweise geht sonst der Schuss nach hinten los und die Gäste haben gar keine Lust mehr nach Garmisch zu fahren. Man muss den Leuten wenigstens die Möglichkeit geben, ihr Verhalten zu ändern."

Preisgestaltung muss erarbeitet werden

Bis zur nächsten Marktgemeinderatssitzung wird die Preisgestaltung für das Konzept überarbeitet. Diskutiert wird noch über unterschiedliche Preise zwischen Einheimischen, Tages- und Übernachtungsgästen, sagt Michael Gerber, Geschäftsführer der GaPa Tourismus.

Mitmachen soll sich lohnen – Hotel-Shuttle-Deal

Auch die Hotels werden dazu aufgefordert, mitzumachen und ihr Shuttle-Angebot zu erweitern. Sinn und Zweck ist auch da, den Verkehr zu entzerren. Der Deal: Wer ein Shuttle – samt privilegierter Zufahrt zur Hausberg- und Kreuzeckbahn – anbietet, bekommt von der BZB Bayerische Zugspitzbahn einen Preisnachlass auf die Kombitickets und das Organisationskomitee für den Ski-Weltcup bietet vergünstigte Eintrittskarten.

Pop-up-Busspur im Gespräch

Die Organisation stellt der 1. Kreisvorsitzende der DEHOGA in Garmisch-Patenkirchen, Daniel Schimmer, allerdings in Frage: "Ob bis Dezember eine Zusammenarbeit zwischen den Hotels mit einem eigenen Shuttle möglich ist, ist fraglich. Man braucht dazu einen Personenbeförderungsschein, einen Bus - das ist in der Kürze der Zeit schwer umsetzbar." Gleichzeitig wollen die Initiatoren mit den Gemeindewerken prüfen, ob eine temporäre zusätzliche Busspur, eine "Pop-up"-Spur, die vorübergehend eingerichtet wird, für den Schneebus möglich wäre. Diese könnte auch von den Hotel-Shuttles genutzt werden.

Zeit reif für eine solche Kampagne

"Wir müssen etwas tun. Wir Einheimischen kommen quasi nicht mehr aus den Türen heraus. Und wenn wir uns schon unwohl fühlen, dann kann es doch auch unseren Gästen nicht gefallen", sagt Bürgermeisterin Elisabeth Koch. Für eine Umsetzung seien aber noch zahlreiche verwaltungsrechtliche, organisatorische und juristische Fragen zu klären.

Bedenken und Zweifel am Konzept

Mit Bedenken sparen die Gemeinderäte nicht. Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Grünen) findet den Ansatz prinzipiell gut, hegt aber Zweifel ob des Zeitdrucks. "Ich befürchte, dass die Tagesgäste auf die Nebenstraßen ausweichen werden. Das soll durch Anwohnerparkplätze zwar verhindert werden, aber die Realisierung in drei Monaten halte ich für sehr sportlich." Der Fraktions-Chef plädiert dafür, die Kampagne um ein Jahr zu verlegen.

Konzept wird im Dezember vorgestellt

Die Vorstellung des fertigen Konzeptes ist für die übernächste Gemeinderatssitzung am 24. September geplant, die Umsetzung soll im direkten Anschluss gestartet werden.

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