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Bei Kaffee und Kuchen werden die Seniorinnen ganz behutsam an digitale Technik herangeführt. Hoch im Kurs: Fotografieren mit dem Smartphone.

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Kaffee, Kuchen und KI: Digital-Projekt für Senioren in Nürnberg

Wischen, tippen, fotografieren – das Smartphone ist längst mehr als ein Telefon. Doch oft trauen sich Senioren nicht, die Technik zu nutzen. Um Berührungsängste abzubauen, startet die Stadt Nürnberg das Projekt "Wege in die digitale Welt für Ältere".

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Von
  • Frank Strerath

Bei Schoko-Kuchen und Kaffee lernen vier Frauen im Seniorentreff Bleiweiß in Nürnberg etwas dazu – im Digital-Café erkunden sie Smartphone und Co. Für sie ist das Neuland. Wenn sie ein Handy besitzen, dann nur zum Telefonieren. Das sollen nun Digital-Lotsinnen wie Carolin Quaas ändern. Im Eins-zu-Eins-Training oder in kleine Gruppen. In den Kursen sitzen vor allem Frauen. Und die haben sich an das Alltagsgerät der jungen Generation noch nicht herangetraut.

Im Kontakt bleiben und mit der Zeit gehen

"Ich bin – wie heißt’s - zu alt, um mit dem Computer aufgewachsen zu sein." sagt eine Teilnehmerin. Und ihre Tischnachbarin: "Der letzte Anlass war jetzt eigentlich auch die Impfung gegen Corona. Da zeigt jeder das Ding her, und ich – muss meinen alten Impfpass irgendwo raussuchen." Ihren Namen wollen sie lieber nicht sagen. Im digitalen Abseits zu stehen, damit will keiner glänzen.

Doch aus dieser Ecke sollen Digital-Lotsinnen wie Carolin Quaas die Seniorinnen locken – ganz behutsam. Eigentlich studiert sie soziale Arbeit – Digital-Lotsin ist sie ehrenamtlich, künftig einmal die Woche. Und ihre Hilfe ist gefragt, das merkt sie schon nach der ersten Stunde. "Häufig ist der Grund vor allem in Kontakt zu kommen mit Enkeln, mit der Familie, mit Freunden." Antrieb sei vor allem, dabei zu sein, den Kontakt mit den Enkeln zu halten, Fotos zu schicken.

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Sogenannte Digital-Lotsen sollen in Nürnberg künftig Seniorinnen und Senioren bei der Nutzung digitaler Medien unterstützen. Das Projekt dahinter heißt "Wege in die digitale Welt für Ältere" und wurde heute vorgestellt.

Senioren und Digitales: Kleine Dinge sind große Hürden

Die größte Hürde sind so grundsätzliche Dinge wie "wo schalte ich das Gerät ein?", "wo stelle ich das lauter?" oder "wie schnell oder wie fest wische ich über den Touch-Screen?". Doch das lernen sie schon in der ersten Stunde, machen sogar gegenseitig Fotos. Carolin Quaas übt heute mit einer kleinen Gruppe von vier Seniorinnen. Das Lotsen-System sieht auch eins-zu-eins-Schulungen vor. Fotografieren mit dem Smartphone – gar nicht so einfach. Wie fest und wie lange auf den weißen Punkt drücken, um ein Foto zu schießen. All das braucht Übung – und Geduld.

25 Prozent der Senioren in Nürnberg sind "Offliner"

Schon vor zwei Jahren hat die Stadt Nürnberg in einer Befragung herausgefunden: 25 Prozent der Senioren nutzen nie Computer, Tablet oder Smartphone. Doch gerade die Corona-Krise mit Lockdown und Kontaktbeschränkungen zeigte, wie wichtig soziale Teilhabe auch über digitale Technik sein kann, erklärt die Sozialreferentin Elisabeth Ries. "Es ist überfällig, dass wir tatsächlich stärker dahin kommen, dass Seniorinnen und Senioren die Wege in die digitale Welt erkunden."

Sie sei froh, dass sie mit Unterstützung eines Unternehmens und auch mit ehrenamtlicher Hilfe Seniorinnen und Senioren die Lotsen und Lotsinnen anbieten können. Eine Nürnberger Dienstleistungsfirma engagiert sich mit 100.000 Euro. Außerdem kommen ein Teil ihrer Auszubildenden in die Stadtteil-Treffs als ehrenamtliche Lotsinnen und Lotsen. Diese werden vom Sozialreferat und dem ComputerClub 50+ geschult.

Geduld ist gefragt – Leihgeräte erleichtern den Einstieg

Die Devise – vor allem viel Geduld mit den älteren digitalen Durchstartern. Mit dem Geld wurden Leihgeräte angeschafft. Die können die Seniorinnen und Senioren ausprobieren, bevor sie in die teure Technik investieren. Und können im wahrsten Sinne des Wortes Berührungsängste abbauen. "Wir sind da, Ängste zu nehmen aber auch gleichzeitig auf Gefahren im Internet aufmerksam zu machen", erklärt Digital-Lotsin Carolin Quaas.

Mit 20 Lotsen und Senioren startet das Projekt. Doch das soll erst der Anfang sein. Das Nürnberger Sozialreferat sucht noch ehrenamtliche Helfer, die dabei sein wollen, um den Senioren der Stadt die digitale Welt und die dazugehörigen Geräte näher zu bringen. Ziel ist es, dass solche Kurse in den nächsten drei Jahren in allen Statteilen angeboten werden können.

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