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Kabinett beschließt Pflichtstudium für Hebammen | BR24

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Die Ausbildung von Hebammen soll umgebaut werden - zu einem dualen Studium, das sehen Pläne des Bundesgesundheitsministeriums vor. Sie soll mindestens sechs und höchstens acht Semester dauern und schließt mit einer staatlichen Prüfung ab.

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Kabinett beschließt Pflichtstudium für Hebammen

Wer Hebamme werden will, soll künftig ein Studium abschließen. Das hat das Bundeskabinett beschlossen. Hebammen erhoffen sich, dass ihr Beruf reizvoller und die Zusammenarbeit mit Ärzten besser wird.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, CDU, sieht für angehende Hebammen ein duales Studium vor, das wissenschaftliche Theorie und Berufspraxis verknüpft. Praktische Erfahrungen sollen Studierende in Krankenhäusern und im ambulanten Bereich, zum Beispiel bei freiberuflichen Hebammen, sammeln.

Das Studium soll sechs bis acht Semester dauern und mit einem Bachelor und einer staatlichen Prüfung abschließen. Voraussetzung wird nach dem Vorschlag eine zwölfjährige allgemeine Schulausbildung oder eine abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf sein.

Bislang ist in der Hebammenausbildung ein Studium nicht verpflichtend, es reicht die mittlere Reife oder ein vergleichbarer Abschluss nach zehn Schuljahren. Die Ausbildung umfasst derzeit theoretischen und praktischen Unterricht in Hebammenschulen und an Krankenhäusern.

Mehr Wertschätzung?

Aus Sicht bayerischer Hebammen könnte das Pflichtstudium den Beruf interessanter machen. "Es geht darum, dass Hebammen eine fundierte, noch reichhaltigere Ausbildung bekommen", sagt Christina Steinocher vom Bayerischen Hebammen Landesverband. So werde der Beruf auch für die interessant, die sich die Frage stellen, was sie studieren möchten.

Von der Ausbildungsreform erhoffen sich Hebammen auch eine bessere Zusammenarbeit mit Ärzten. "Es ist gut, wenn ein Geburtshilfe-Team aus Hebamme und Arzt auf Augenhöhe arbeitet. Die Hierarchien sind unnötig, es geht um ein Miteinander, nicht um Konkurrenz", sagt Steinocher. Ein besserer Austausch zwischen Hebamme und Arzt komme letztendlich der Mutter und dem Kind zugute.

Kritik kommt von der CSU

Für die CSU im Bundestag geht die Reform der Hebammenausbildung zwar in die richtige Richtung, aber nicht weit genug. "Es geht da auch um die Vergütung in den Kreißsälen, es muss attraktiv sein, in der Geburtshilfe zu arbeiten", sagt die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner. Sie wünscht sich auch ein gesetzlich geregeltes Rückkehrprogramm für Hebammen, die nach längerer Pause wieder in den Beruf einsteigen wollen. Diese müssten motiviert und finanziell gefördert werden.

Nach Plänen des Gesundheitsministers soll die Reform der Hebammenausbildung im Januar 2020 in Kraft treten. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen.

Mit dem Gesetz soll auch eine EU-Richtlinie umgesetzt werden, die garantiert, dass Berufsabschlüsse in allen Mitgliedsstaaten als gleichwertig anerkannt werden.

Deutschland gehört zu den letzten EU-Staaten, in denen es noch kein Pflichtstudium für angehende Hebammen gibt. Die EU-Richtlinie muss bis Mitte 18. Januar 2020 umgesetzt werden, die Bundesregierung steht also unter Zugzwang.

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Autor
  • Robert Köhler
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