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Im Gegensatz zum CDU-Präsidium pocht CSU-Chef Söder darauf, dass Umfragewerte bei der Kür des gemeinsamen Kanzlerkandidaten eine Rolle spielen sollten.

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K-Frage: Söder pocht auf Umfragewerte als Kriterium

Im Gegensatz zum CDU-Vorsitzenden Laschet pocht CSU-Chef Söder darauf, dass Umfragewerte bei der Kür des gemeinsamen Kanzlerkandidaten eine Rolle spielen sollten. Im BR Fernsehen warnte er die Union davor, die Bevölkerung "vor den Kopf zu stoßen".

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Von
  • Petr Jerabek

Bei der Entscheidung über den Kanzlerkandidaten der Union müssen nach Meinung von CSU-Chef Markus Söder [zum Portrait] Umfragewerte berücksichtigt werden. Man dürfe sie nicht zum alleinigen Maßstab machen, sagte Söder am Montagabend im BR Fernsehen. Wenn Umfragen aber über Monate hinweg eine klare Tendenz zeigten, könnten Parteien das "nicht einfach ignorieren". Eine einzelne Umfrage sage nichts aus, aber der Trend spiele eine Rolle.

Meinungsforscher sehen Söder bei der Frage nach dem besseren Kanzlerkandidaten seit Monaten klar vor dem CDU-Vorsitzenden Armin Laschet, der ebenfalls Kanzlerkandidat werden möchte. Laschet [zum Portrait] hatte dazu am Montag gesagt, Umfragen könnten sich innerhalb kürzester Zeit auch verändern. Die CDU sei bei inhaltlichen Fragen stets davon geprägt gewesen, "sich nicht von Umfragen leiten zu lassen". CDU-Präsidium und -Vorstand stellten sich hinter eine Kanzlerkandidatur Laschets. Kurze Zeit später sprach sich das CSU-Präsidium dafür aus, dass Söder die Union in den Wahlkampf führen soll.

Söder: Entscheidung nicht nur "in kleinem Hinterzimmer" treffen

Söder betonte im Interview mit Chefredakteur Christian Nitsche, entscheidend bei der Kür des Kanzlerkandidaten müsse sein, was am Ende den größtmöglichen Erfolg verspreche. Zwar habe sich das CDU-Präsidium hinter eine Kandidatur Laschets gestellt, das sei aber ein "relativ ausgewählter Kreis". Der CSU-Chef verwies darauf, dass es im Lauf des Tages "eine anderslautende Ideenfindung" bei Landes- und Bezirksverbänden der CDU gegeben habe. Auch in der Unions-Bundestagsfraktion gebe es großen Diskussionsbedarf.

Vor diesem Hintergrund sei es klug, nicht "nur in einem kleinen Hinterzimmer" zu entscheiden, sondern den Beschluss auf eine breite Basis zu stellen. Die Union solle sich schon "zwei, drei Tage Zeit" dafür nehmen, um in die Basis hineinzuhorchen. "Und vor allen Dingen: Wir sollten auch die Bevölkerung nicht vor den Kopf stoßen", betonte Söder. Das Angebot der Union müsse nicht nur im kleinen Kreis der Parteifunktionäre, sondern auch bei den Wählern Akzeptanz finden.

CSU-Chef warnt Union vor Niederlage bei Bundestagswahl

Bei der Kür des Kanzlerkandidaten der Union geht es laut Söder um die "entscheidende, zentrale personelle Weichenstellung für unser Land", betonte er. "Das ist nichts, was man so aus der hohlen Hand entscheiden kann. Das muss klug überlegt werden." Schließlich hab die Union derzeit "schwierige Umfrage-Zahlen", zudem gebe es eine aufkeimende Wechselstimmung nach 16 Jahren.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im September betonte der CSU-Chef: "Das wird ein verdammt knappes Rennen für die Union." Er warnte CDU und CSU vor einer möglichen Niederlage im Herbst als Folge einer falschen Personalentscheidung: "Wenn am Ende es über Jahre, vielleicht über ein Jahrzehnt hinaus es eine völlig andere politische Tektonik gibt mit Rot-Rot-Grün oder einer Ampel, nur weil uns es bei zwei, drei Prozent hin oder her es nicht gelungen ist, uns optimal aufzustellen."

Söder: "Wir werden uns einigen"

Auf einen konkreten Zeitpunkt für die Entscheidung wollte sich Söder nicht festlegen. "Es kann sein, dass wir es diese Woche abschließen", sagte er, das sei gut möglich. Aber die Union müsse ihren Kanzlerkandidaten nicht unbedingt vor den Grünen küren, die ihre Entscheidung für nächsten Montag angekündigt haben. Es wundere ihn, dass die gesamte Union "wie ein Kaninchen auf die Schlange schaut, was die Grünen machen". Entscheidungen müssten reifen: "Gut Ding will Weile haben."

Zugleich zeigte sich der CSU-Vorsitzende aber überzeugt, dass es eine gemeinsame Entscheidung mit Laschet geben werde: "Wir werden uns einigen." Er habe ein "freundschaftliches, aber auch sehr offenes Verhältnis" zu Armin Laschet.

"Es braucht eine neue Union"

Neben der personellen Weichenstellung ist laut Söder auch viel programmatische Arbeit nötig. "Am Ende kommt's darauf an, ob wir das Gefühl vermitteln können, dass wir zwei Dinge zusammenbringen: starker Staat und moderner Staat." In Baden-Württemberg habe die CDU bei der Landtagswahl ein Parteiprogramm ganz nach dem Geschmack der Stammwählerschaft vorgelegt. "Das reicht heute nicht." Die Union müsse ein breiteres Angebot machen. "Neue Herausforderungen brauchen neue Antworten - und ein Stück weit auch eine neue Union."

Nach Einschätzung Söders würde mit ihm als Kanzlerkandidat das Wahlprogramm der Union etwas anders aussehen als mit Laschet: "Die Akzente werden ein bisschen deutlicher werden." Für ihn sei der Aspekt der Modernität sehr wichtig.

Söder: Gut, dass sich Merkel heraushält

Auf die Frage, wen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Unions-Kanzlerkandidaten wünsche, sagte Söder: "Ich glaube, es ist sehr gut, dass sie sich da heraushält."

Ob er im Fall einer Kanzlerkandidatur Laschets sich in vier Jahren wieder bewerben würde, wollte Söder nicht beantworten: "Was in vier Jahren ist, weiß keiner", betonte der bayerische Ministerpräsident. Sollte Laschet im Herbst gewinnen, werde er acht bis zwölf Jahre Kanzler bleiben. "Und wenn er verliert, dann wird es jemand anderes für eine längere Zeit machen. Das ist übrigens die entscheidende Frage: Wollen wir das?"

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Der CSU-Vorsitzende Markus Söder stellt sich den Fragen von Christian Nitsche.

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