BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

K-Frage: Söder macht Druck, Guttenberg stichelt | BR24

© picture alliance/Daniel Karmann/dpa

Archivbild: Ministerpräsident und CSU-Chef Söder

71
Per Mail sharen
Teilen

    K-Frage: Söder macht Druck, Guttenberg stichelt

    Kanzlerkandidat der Union? Für CSU-Chef Söder ist das nach eigenem Bekunden kein Thema. Parteifreund zu Guttenberg stichelt trotzdem gegen ihn: "Der muss jetzt erst mal Ministerpräsident können." Der Ex-CSU-Vorsitzende Huber kontert.

    71
    Per Mail sharen
    Teilen

    Markus Söder bleibt bei seiner Linie: "Mein Platz ist in Bayern." Seit Wochen tritt der CSU-Chef immer wieder Spekulationen über einen Unions-Kanzlerkandidaten Söder entgegen - so auch an diesem Freitag, als er per Video zum "Ludwig-Erhard-Gipfel", einer Wirtschaftsveranstaltung am Tegernsee, zugeschaltet ist. Das müsse aber auch "nicht im Januar" entschieden werden, sagt der CSU-Chef noch und lobt einmal mehr das gute Miteinander von CDU und CSU. Doch so sehr Söder die neue Harmonie in der Union auch beschwört - in der K-Frage hat er in dieser Woche den Druck auf CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer erhöht.

    Denn während Kramp-Karrenbauer für die Kür des Kanzlerkandidaten der Union den Herbst 2020 im Blick hat, brachte Söder Mitte der Woche im BR-Politikmagazin "Kontrovers" schon den Sommer ins Spiel: Zusammen mit der von ihm geforderten Kabinettsumbildung solle dann auch die Kanzlerkandidatur geregelt werden. Nach Einschätzung des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner machte Söder mit dieser Äußerung sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Kramp-Karrenbauer "zu lame ducks" - handlungsunfähigen, lahmen Enten. "In der Sache liegt er richtig", twitterte Lindner, "für Agonie hat das Land keine Zeit."

    Zu Guttenberg legt sich fest - auf Friedrich Merz

    Für Söders Parteifreund Karl-Theodor zu Guttenberg ist jetzt schon klar, wen die Union bei der nächsten Bundestagswahl ins Rennen schicken sollte: weder CSU-Chef Söder noch Kramp-Karrenbauer, sondern den Ex-Unionsfraktionsvorsitzenden Friedrich Merz (CDU). Es brauche "Typen", betonte Guttenberg am Freitag im n-tv-Interview, und wenn er sich derzeit umschaue, sehe er nur einen: Merz. "Der würde mir gefallen, den mag ich, den kenne ich seit langem." Merz dürfe ruhig deutlich machen, dass er das Amt wolle.

    Auf die Frage, ob auch Söder "Kanzler kann", entgegnete zu Guttenberg: "Der muss jetzt erst mal Ministerpräsident können." Zwar habe Söder in Bayern "ein paar Sachen ganz gut angeschoben", sagte der Ex-Minister. "Aber jetzt doch mal ehrlich: Der ist jetzt wie lange im Amt als Ministerpräsident?" Nach eineinhalb Jahren komme der Sprung auf die nächste Ebene zu früh.

    Ex-Minister: Söder muss für bessere CSU-Umfragewerte sorgen

    Zu Guttenberg bescheinigte Söder zwar gute Arbeit in Bayern: "Die Menschen scheinen zufrieden zu sein." Der Ministerpräsident müsse aber "sicher auch noch dafür sorgen, dass die persönlichen Zufriedenheitswerte sich auch in der Partei widerspiegeln". Im jüngsten BR-BayernTrend hatten 67 Prozent der Befragten Söder ein gutes Arbeitszeugnis ausgestellt, zugleich verharrt aber die CSU mit 36 Prozent weiter deutlich unter der 40-Prozent-Marke.

    Schon im Dezember 2018 hatte der ehemalige CSU-Hoffnungsträger zu Guttenberg für Aufsehen gesorgt, als er mit einem beispiellosen Rundumschlag die Eignung Söders für das Amt des Parteichefs infrage stellte. In Zeitungsinterviews attestierte zu Guttenberg dem Ministerpräsidenten damals sowohl charakterliche als auch fachliche Defizite. Der österreichischen "Kleinen Zeitung" sagte er: "Das intellektuelle und internationale Format eines Franz Josef Strauß oder eines Theo Waigel erreicht Markus Söder noch nicht."

    Ex-Parteichef Huber widerspricht

    Der frühere CSU-Vorsitzende Erwin Huber reagierte spöttisch auf zu Guttenbergs Aussage, Söder müsse "erst mal Ministerpräsident können". Dem BR sagte Huber mit Blick auf die Tatsache, dass zu Guttenberg in den vergangenen Jahren viel Zeit in den USA verbrachte: "Man sieht, dass die Entfernung nicht immer den Blick schärft." Er finde, dass Söder seit knapp zwei Jahren eine sehr gute Figur als Ministerpräsident mache, lobte Huber. "Die Bevölkerung in Bayern sieht das meiner Meinung nach klar - wie der aktuelle BR-BayernTrend zeigt."

    Huber: Zu früh für eine Kandidatur Söders

    Doch auch nach Hubers Einschätzung wäre es gegenwärtig zu früh für eine Kanzlerkandidatur Söders. "Fürs Kanzleramt braucht man meiner Meinung nach noch mehr Erfahrung auf Bundesebene, auch in der Außen- und Sicherheitspolitik", betonte der ehemalige CSU-Vorsitzende. "Deshalb tut Söder gut daran, diese Spekulationen jetzt zurückzuweisen."

    Wie es in fünf oder zehn Jahren sein werde, lasse sich dagegen heute noch nicht sagen. "Die Grundvoraussetzungen für dieses Amt bringt er ohne Frage mit", sagte Huber mit Blick auf Söders mögliche Eignung als Kanzlerkandidat.

    Merz möchte im Wahlkampf-Team sein

    Friedrich Merz wiederum reiste im Gegensatz zu Söder persönlich zum Ludwig-Erhard-Gipfel ins oberbayerische Kreuth. Zur K-Frage äußerte er sich dort diplomatisch: Mit ihr setze er sich heute nicht auseinander, versicherte er. "Diese Frage muss ich für mich beantworten, die müssen wir in der CDU beantworten, auch in der CSU beantworten." Das sei vielleicht Ende des Jahres, "aber das ist sicher nicht heute".

    Zugleich machte Merz aber deutlich, dass er dem Unions-Spitzenteam für den Bundeswahlkampf auf jeden Fall angehören möchte: "Wir müssen mit der bestmöglichen Formation in die nächste Bundestagswahl gehen. Das ist nicht nur eine Person an der Spitze, das ist eine Mannschaft, und ich möchte auch in einer Mannschaft dabei sein."

    (mit Informationen von dpa)

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!