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Jusos diskutieren in München über Linkswende in der SPD | BR24

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In München hat am Freitagabend der so genannte Linkswendekongress der Jusos begonnen

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Jusos diskutieren in München über Linkswende in der SPD

In München hat am Freitagabend der so genannte Linkswendekongress der Jusos begonnen. Eine Linkswende, die brauche die SPD jetzt wieder - darüber waren sich die rund 600 Teilnehmer einig. Allen voran der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert.

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Vor 50 Jahren, am gleichen Ort - in der Alten Kongresshalle in München - hatten sich einst die Jungsozialisten von der Mutterpartei emanzipiert. Sie wollten nicht mehr länger Jugendverband sein, sondern beschlossen, ein sozialistischer Richtungsverband in der SPD zu werden.

Probleme, die eine neue Linkswende rechtfertigen

Karsten Voigt wurde damals zum Vorsitzenden der selbstbewussten Jungsozialisten gewählt. Er erinnert sich an das, was ihm damals wichtig war: "Die Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft und eine neue Ostpolitik." Vieles sei erreicht worden seitdem, Voigt erwähnt den freieren Zugang zu Bildung und dass Deutschland inzwischen de facto ein Einwanderungsland sei.

Im Jahr 2019 aber gebe es genug Probleme, die eine neue Linkswende rechtfertigten. Etwa den größer werdenden Unterschied zwischen arm und reich oder die Wohnungspolitik.

Teilnehmer des Jusos-Treffens fordern Erneuerung

Eine von Voigts Nachfolgerinnen, die einst erste Frau an der Spitze der Jusos, und spätere Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul ergänzt: "Die Frage ist, dass wir uns in der Sache erneuern: zu dem Thema der sozialökologischen Transformation, Frauenrechte, zu der Frage internationale Solidarität - beschlossen haben wir das oft, es muss nur auch gemacht werden."

Genau das fordern auch die aus ganz Deutschland angereisten Teilnehmer des Juso-Treffens und sie haben dabei konkrete Vorstellungen: Wieder mehr auf Inhalte konzentrieren zum Beispiel, raus aus der Groko und ein gutes Duo an der Spitze.

Viele der rund 600 Kongressteilnehmer sind sich einig: Kevin Kühnert könnte es, Teil eines SPD-Vorsitzenden-Tandems sein.

Kühnert zu von der Leyens Nominierung

Kühnert wettert in seiner Rede gegen all jene, die der SPD vorwerfen, Ursula von der Leyen bei ihrer Bewerbung als EU-Kommissionspräsidentin nicht zu unterstützen: "Wahlkampf haben wir nicht gemacht für jemandem mit einem deutschen Pass, sondern Wahlkampf haben wir gemacht für Frans Timmermans, und nicht, weil er Niederländer ist, das ist uns scheißegal, sondern weil er Sozialdemokrat ist."

Jusos seien nicht radikal

Der 30-jährige Berliner versteht es, die Seinen mitzureißen, als er erklärt, dass er eigentlich gar nicht versteht, warum die Jusos manchmal als radikal beschrieben würden. Radikal, das sei etwas anderes.

"Wir finden es radikal wie ungleich Vermögen verteilt ist. Wir finden es radikal wie diese Welt Raubbau an ihren Lebensgrundlagen begeht. Wir finden es radikal wenn die EU, ausgezeichnet mit dem Friedensnobelpreis, nur lässig mit den Schultern zuckt wenn immer wieder Hunderte oder Tausende im Mittelmeer ertrinken." Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jusos

Kühnert schließt Kandidatur für SPD-Vorsitz nicht aus

Ob er gegen all das als Bundesvorsitzender der SPD ankämpfen wird - mit einer neuen linken Politik? Eine Kandidatur schließt Kühnert nicht aus. Aber er sagt auch: "Stärkeren Einfluss in einer Organisation zu gewinnen, geht nicht nur über Vorsitze, niemand sollte das besser wissen als die SPD. Einfach nur irgendwelche Heilsbringerfiguren aufzustellen, hat uns nichts gebracht, sondern sehr geschadet in den letzten Jahren." Deshalb gehe es für die Jusos auch darum, systematisch von unten nach oben in der SPD an Gewicht zu gewinnen.

Wie könnte eine Linkswende aussehen?

Bis Sonntagmittag wollen die Jusos mit ihren Gästen darüber diskutieren, wie eine Linkswende heute inhaltlich aussehen und wie eine linke Mehrheit organisiert werden kann.

Sie wollen ihn in gewisser Weise antreten, den Marsch durch die Institution SPD. 50 Jahre nachdem die 68er ihren Marsch durch die Institutionen begonnen und so manches verändert haben.