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Junge Juristin leitet Krisenstab im Landkreis Würzburg | BR24

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Eva-Maria Löffler (zweite von links) leitet die Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landkreis Würzburg.

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Junge Juristin leitet Krisenstab im Landkreis Würzburg

Einsatzkräfte koordinieren und Schutzmasken organisieren: Das sind nur ein paar der Aufgaben von Eva-Maria Löffler. Sie leitet die Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landkreis Würzburg und koordiniert die Maßnahmen in Sachen Coronavirus.

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Von
  • Christiane Scherm

Hier geht es zum Corona-Ticker Unterfranken.

Vormittags, 10 Uhr, im großen Sitzungssaal des Landratsamts in Würzburg: Die Führungsgruppe Katastrophenschutz trifft sich zu einer von zwei täglichen Lagebesprechungen in Sachen Coronavirus. Wo normalerweise der Kreisausschuss tagt, kommen die knapp 20 Mitglieder des Krisenstabs jeden Tag zusammen. Darunter sind beispielsweise Vertreter der Rettungsdienste, der Feuerwehr, Ärzte, Mitarbeiter, die das Einsatz-Tagebuch führen und Fallzahlen online einpflegen und eine Pressesprecherin.

Löffler: Menschenleben retten steht im Vordergrund

Ein Mitarbeiter berichtet von den aktuellen Zahlen und schreibt sie auf eine abwischbare Schautafel. Parallel dazu landen die Zahlen in einer Excell-Tabelle und in einem Online-Meldesystem. Im Raum Würzburg ist die Zahl der Coronavirus-Infizierten innerhalb der letzten 24 Stunden leicht angestiegen. Das geht auch an Eva-Maria Löffler, der Leiterin des Krisenstabs nicht spurlos vorbei. "Wir wollen so viele Menschenleben wie möglich retten. Wenn man die steigenden Zahlen sieht, macht man sich natürlich Gedanken. Aber dann wissen wir umso mehr, wofür wir das alles machen."

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Einsatzkräfte koordinieren und Schutzmasken organisieren: Das gehört zu den Aufgaben von Eva-Maria Löffler. Sie leitet die Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landkreis Würzburg und koordiniert die Maßnahmen gegen Corona.

Mit dem Ausrufen des Katastrophenfalls am 16. März hat die 36-jährige Juristin die Leitung des Krisenstabs übernommen. Der Krisenstab ist 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche besetzt. "Wir wechseln uns in Schichten ab. Die Lage verändert sich ständig und wir müssen sie immer wieder neu bewerten", so Löffler. Auch die junge Frau aus Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) ist seit Wochen im Dauereinsatz. In dieser Woche hatte sie ihren ersten freien Tag – und konnte in Ruhe einkaufen gehen.

Löffler koordiniert Einsatzkräfte, organisiert Schutzmasken

In Zeiten ohne Coronakrise leitet die Eva-Maria Löffler den Geschäftsbereich Kommunales, Sicherheit und Verbraucherschutz im Landratsamt Würzburg. Von heute auf morgen war sie plötzlich für eine Katastrophe zuständig. Sie koordiniert zum Beispiel die Einsatzkräfte, kümmert sich um den Nachschub an Schutzkleidung und Schutzmasken, betreut das Bürgertelefon und die Drive-In-Teststation in Würzburg. Das größte Problem aktuell sei, neue Schutzausrüstung für die Einsatzkräfte zu bekommen, so Löffler.

Enger Kontakt mit Landrat und Stadt Würzburg

In ihrer täglichen Arbeit steht sie in engem Kontakt mit dem noch amtierenden Landrat Eberhard Nuß (CSU) und auch mit der Stadt Würzburg. "Die meisten Krankenhäuser, in denen Covid-Patienten behandelt werden, sind in der Stadt Würzburg. Viele der Patienten kommen aber aus dem Landkreis", erklärte die Leiterin des Krisenstabs.

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Auch Arbeit am Schreibtisch gehört zu den Aufgaben von Eva-Maria Löffler.

Eine Besonderheit der Corona-Krise sei die lange Dauer. Das Coronavirus beschäftige die Region bereits seit Wochen, erklärte Löffler. Andere Katastrophen, wie große Unfälle, Waldbrände oder Hochwasser würden punktuell stattfinden und seien dann vorbei. "Beim Coronavirus kann niemand einschätzen, wie lange das noch dauert", so Löffler.

Durch Ehrenamt prädestiniert für den Job der Krisenstabsleiterin

Löffler engagiert sich selbst ehrenamtlich beim Roten Kreuz. Deshalb sei sie prädestiniert für die Leitung der Führungsgruppe Katastrophenschutz, so Paul Justice. Er ist ebenfalls Mitglied im Krisenstab. "Bedingt durch ihr ehrenamtliches Engagement bringt sie unglaubliche Fähigkeiten mit, die jetzt gerade in dieser Situation sehr nützlich sind", so Justice.

Weitere Aufgabe: Betreuung des Bürgertelefons in Würzburg

Nächste Station für die Juristin: das Bürgertelefon im Landratsamt Würzburg. Zu Spitzenzeiten klingelt das Telefon dort rund 700 Mal am Tag. Löffler informiert sich bei den Mitarbeitern über die Themen, die die Menschen aktuell beschäftigen: heute zum Beispiel der Pflegebonus, die Ausgangsbeschränkung an Ostern oder neu bestätigte Covid-Fälle. Die Themen, zu denen die Menschen in Würzburg und Umgebung Fragen haben, sind zum Teil sehr emotional: ein Coronafall im Altersheim der Oma, die Schulen sind geschlossen, man darf keine Freunde treffen.

Thema Coronavirus ist emotional für alle Beteiligten

"Das nimmt einen schon mit – vor allem wenn ein Mensch am Telefon nicht genau weiß, was Sache ist und sogar weint. Das muss man auch entsprechend verarbeiten können. Es ist eine sehr schwierige Zeit. Andere sind zu Hause in Quarantäne. Wir sind hier fast rund um die Uhr in Action. Das beschäftigt uns schon sehr", so Löffler. Für die nächsten Wochen brauchen sie und ihr Team gute Nerven. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht und die Arbeit wird erst Mal nicht weniger werden.