Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Junge Jäger fordern Rücktritt des bayerischen Jagdverbandschefs | BR24

© picture alliance / Daniel Karmann/dpa

Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes

3
Per Mail sharen
Teilen

    Junge Jäger fordern Rücktritt des bayerischen Jagdverbandschefs

    Der bayerische Jäger-Nachwuchs, die Jungen Jäger, haben den Präsidenten des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) zum Rücktritt aufgefordert. BJV-Chef Jürgen Vocke steht im Verdacht, Verbandsgelder veruntreut zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

    3
    Per Mail sharen
    Teilen

    Die Nachwuchsvereinigung des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), die Jungen Jäger, hat den Verbandspräsidenten zum Rücktritt aufgefordert. BJV-Chef Jürgen Vocke ist wegen Veruntreuung von Verbandsgeldern angezeigt worden. Wegen der nun bekannt gewordenen Vorwürfe gegen den ehrenamtlichen Präsidenten - sowie gegen andere amtierende oder ehemalige Mitglieder des Präsidiums und der Geschäftsführung - appellierten die Jungen Jäger an die Betroffenen, "längst überfällige Konsequenzen zu ziehen".

    Junge Jäger: Ruf des ganzen Jägerstandes gefährdet

    Es gehe nicht nur um den Ruf des Verbandes, sondern auch um den des Jägerstandes. "Bereiten Sie durch Ihren Rücktritt den Weg für eine lückenlose Aufarbeitung sowie einen unbelasteten Neustart", schrieben die Jungen Jäger in einem am Mittwoch verbreiteten offenen Brief.

    "Dass wir in der breiten Öffentlichkeit aktuell massiv an Ansehen verlieren, kann hier nicht unerwähnt bleiben." Offener Brief der Jungen Jäger Bayern

    Anzeige wegen Untreue und Unterschlagung

    Vocke wurde von einem BJV-Mitglied wegen Untreue und Unterschlagung angezeigt. Laut Staatsanwaltschaft München geht es um private Auslagen, Vockes Dienstwagen und die Beschäftigung seiner Tochter bei einem mit dem BJV verbundenen Unternehmen.

    Unterdessen liegt der Bericht eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers über die Verbandsfinanzen im Jahr 2018 vor, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Das Urteil des Prüfers sei vernichtend. Er habe seinen Bericht mit einem sogenannten Versagungsvermerk versehen. "Ein Versagungsvermerk ist die äußerste Form der Kritik eines Wirtschaftsprüfers an dem zu prüfenden Abschluss", steht in dem Anschreiben an das BJV-Präsidium, das der Wirtschaftsprüfer seinem Bericht vorangestellt hat.

    Vocke soll private Kosten in Rechnung gestellt haben

    In dem Bericht gehe es um die knapp 5.000 Euro Aufwandsentschädigung, die Vocke bisher pro Monat steuerfrei und ohne Sozialabgaben für sein Ehrenamt bezogen hat, berichtet die Süddeutsche Zeitung weiter. Außerdem soll Vocke dem BJV regelmäßig private Kosten in Rechnung gestellt haben, etwa für die Unterbringung seines Dackels in einer Hundepension oder für seine Lieblingskekse.

    Nach Überzeugung des Wirtschaftsprüfers wiegen all die Unregelmäßigkeiten und Gesetzesverstöße so schwer, dass die Gemeinnützigkeit des Jagdverbands gefährdet sei. Die abschließenden Ergebnisse des Wirtschaftsprüfers sollen Ende Oktober auf einer Mitgliederversammlung vorgestellt werden.

    Vocke kann Vorwürfe nicht nachvollziehen

    Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe kann der 76-jährige Jurist nicht nachvollziehen. "Ich wüsste nicht, was ich Verbandsschädigendes getan haben soll." Vocke selbst kennt den Inhalt der Anzeige nach eigenen Angaben noch nicht. "Ich kann nicht ausschließen, dass mir mal ein Fehler passiert ist und ich zum Beispiel einen Bewirtungsbeleg nicht vollständig ausgefüllt habe", sagte Vocke der dpa. Aber er habe konsequent ein Fahrtenbuch geführt.

    Auch Vorwürfe der Schatzmeisterin Mechtild Maurer, dass er ihr untersagt habe, einen Beschluss zu Aufwandsentschädigungen umzusetzen, wies Vocke zurück. Maurer hatte der dpa am Mittwoch gesagt, dass Vocke ihr mit rechtlichen Schritten gedroht habe, wenn sie einen Präsidiumsbeschluss zu Aufwandsentschädigungen umsetze.