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Junge Bäume bewässern: Ist der staatliche Zuschuss sinnvoll? | BR24

© AELF Regen

Die Bewässerung von Jungpflanzen ist ein großer Aufwand für die Waldbesitzer. Seit April wird diese Arbeit finanziell unterstützt.

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    Junge Bäume bewässern: Ist der staatliche Zuschuss sinnvoll?

    Die bayerischen Wälder leiden unter der jahrelangen Trockenheiten. Gerade junge Pflanzen haben es schwer. Das bayerische Forstministerium fördert deshalb seit April die Bewässerung einzelner Kulturen. Doch ist dieses System überhaupt praktikabel?

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    Franz Lechner aus der Nähe von Holzkirchen bei München setzt auf Jungflanzen in seinem Wald. Er hat überwiegend Fichten und möchte, dass dort in Zukunft auch andere Kulturen wachsen. Wenn es in der Gegend aber im Frühjahr nach der Pflanzung lange nicht regnet, bewässert er die jungen Bäume. Mit Traktor, Wasserfass, Schlauch und Kübel fährt er dann raus in den Wald. Ein großer Aufwand, aber Franz Lechner ist der Meinung, dass der sich lohnt.

    Bayernweit wurden bisher 400 Förderanträge für die Bewässerung bewilligt. Seit 22. April können Waldbesitzer die Unterstützung beantragen.

    Nur Einzelbewässerung wird gefördert

    Stefan Schaffner ist Bereichsleiter des Forstamts Regen im Bayerischen Wald. Einige Waldbesitzer rücken hier schon seit Jahren mit Gießkannen aus. Ein paar Förderanträgen laufen auch dort schon, so Stefan Schaffner. Wer bisher schon gegossen hat, sehe das Geld als Wertschätzung für die Mühen.

    Mit der Förderung könne man aber keine Waldbesitzer motivieren, die bisher nicht gegosssen haben. Denn gefördert wird nur die Bewässerung einzelner Jungpflanzen. Einen Euro erhält der Waldbesitzer pro Stück Pflanze. Einfach den Rasensprenger aufstellen, funktioniert nicht.

    Gießen als Notmaßnahme oder Regelfall?

    Damit Waldbesitzer die Förderung erhalten, muss das Gießen außerdem tatsächlich notwendig sein, um die Pflanze vor dem Absterben zu retten. Eine Bewässerung zur reinen Ertragssteigerung wird nicht gefördert. Beurteilt wird das vom Forstamt vor Ort und dem zuständigen Revierleiter.

    In Regen kommen hier einige Flächen in Frage, trotzdem sagt Stefan Schaffner: "Das Gießen ist eine Notmaßnahme." Es sei keine Möglichkeit, den ganzen Waldumbau zu schaffen, dafür würde man viel zu viel Wasser zu brauchen und der Zeitaufwand sei zu hoch.

    Bewässerung in Unterfranken sinnlos

    Noch weitaus trockener als im Bayerischen Wald, ist es in Unterfranken. Seit 2018 haben die Wälder dort mit extremer Trockenheit zu kämpfen. Birgitt Ulrich ist Geschäftsführerin der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Unterfranken. Nach ihrer Einschätzung bringt eine Bewässerung in ihrer Region gar nichts.

    Das sei erst rentabel, wenn man die Pflanzen in den Boden bekommt. "Bei uns ist es aufgrund der Trockenheit so, dass wir die Pflanzen gar nicht erst ausbringen können." In Unterfranken müsste man Massen an Wasser in den Wald bringen, um den Boden vorzubereiten: "Das ist schier unmöglich bei uns."

    Die einzige Hoffnung: Naturverjüngung

    In Unterfranken setzt man deshalb auf die sogenannte Naturverjüngung, also darauf, dass sich die Bäume selbst aussäen und aufwachsen. Die große Hoffnung: Dass die Bäume, die aus der Naturverjüngung kommen, sich an die Bodengegebenheiten und das Klima angepasst haben und besser gewappnet sind für die Klimaveränderung.

    Fest steht aber laut Birgitt Ulrich: Die Natur kann sich nur zu einem gewissen Teil selbst helfen. In Unterfranken gibt es sehr viele Freiflächen nach Käferbefall, mit Naturverjüngung alleine wächst hier kein Wald nach. Doch Pflanzung funktioniert nur mit Regen.

    Kritiker sorgen sich: zu hoher Wasserverbrauch

    Erwin Hussendörfer unterrichtet Waldbau an der Hochschule Weihenstephan. Wenn es nach ihm geht, sollte die Förderung für Bewässerung lieber anderweitig investiert werden. Er ist dagegen, dass mithilfe der staatlichen Förderung nun auch höhere Stückzahlen und größere Flächen bewässert werden könnten. Die Konkurrenz ums Wasser sei in den trockenen Gegenden eh schon groß genug.

    Er rechnet vor: "Wenn auf einem Hektar 5000 Pflanzen stehen und man für eine Pflanze fünf Liter braucht, um sie ausreichend zu bewässern, wären das 25.000 Liter." Da komme schon ordentlich was zusammen.

    Förderung bis Jahresende

    Die Förderung für Bewässerung gilt vorerst nur bis Jahresende. Dann soll untersucht werden, welche Erfahrungen die Waldbesitzer und Forstämter damit dieses Jahr gemacht haben und ob nachgebessert oder strenger kontrolliert werden muss.

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