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Jung, motiviert und gebraucht - Trotz Arbeit kein Bleiberecht | BR24

© BR / Judith Zacher

Mohammed aus Ghana hat in Deutschland keine Bleibeperspektive, weil er aus einem sicheren Herkunftsland kommt. Trotzdem arbeitet er jeden Tag im Nördlinger Tierheim.

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Jung, motiviert und gebraucht - Trotz Arbeit kein Bleiberecht

Durch die Corona-Pandemie ist das Schicksal der Asylsuchenden in Deutschland in den Hintergrund gerückt. Doch viele von ihnen stehen immer noch vor einer ungewissen Zukunft. Das zeigt auch das Schicksal von Mohammed aus Ghana.

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Seit über zwei Jahren kommt der 21-jährige Mohammed aus Ghana ins Nördlinger Tierheim – jeden Tag, auch an Sonn- und Feiertagen. Er kommt nicht nur zum Zeitvertreib, sondern um zu helfen, obwohl er dafür kein Geld bekommt.

Ersatz für eine Vollzeitkraft

Mohammed, den im Tierheim alle nur Mo nennen, kümmert sich besonders gern um die Katzen. Vorsichtig überprüft er, dass die Jungen auch richtig zunehmen. Falls nicht, verabreicht er ihnen ein entsprechendes Medikament. Inzwischen ersetzt Mo im Nördlinger Tierheim eine komplette Vollzeitkraft, doch nicht nur deshalb sind er und die Tierheimmitarbeiter Freunde geworden.

Tierheimleiterin darf kein Geld zahlen

"Er langt überall mit ran", meint Tierheimleiterin Manu Kaussen, auch bei den Kleintieren und bei Renovierungsarbeiten. Doch obwohl er jetzt schon seit über zwei Jahren jeden Tag arbeitet, hat er dafür bisher keinen Cent bekommen. Manu Kaussen würde ihm gern Geld zahlen, ihn anstellen und ihm eine Ausbildung zum Tierpfleger ermöglichen. Aber sie darf es nicht.

Asylantrag wurde abgelehnt

Der Grund ist einfach und doch für die Tierheimmitarbeiter schwer zu begreifen. Mohammed kommt aus Ghana, sein Heimatland wird als sicheres Herkunftsland eingestuft. Sein Asylantrag wurde deshalb abgelehnt. Bis zum 30. Juni ist er in Deutschland noch geduldet.

Petition für Mohammeds Bleiberecht gestartet

Auch Gabriele Wawrok vom Caritasverband Donau-Ries hofft mit ihrem Engagement auf Erfolg. Sie will alles versuchen, damit Mo bleiben und eine Ausbildung machen darf. Für dieses Ziel hat sie eine Petition gestartet und sucht nun möglichst viele Unterstützer. Im Notfall, sagt sie, geht sie auch den Weg zur Härtefallkommission.

Rückkehr mit Ausbildungsvisum fraglich

Eigentlich müsste Mohammed freiwillig ausreisen. Nach zehn Monaten könnte er mit einem Ausbildungsvisum vielleicht zurück. Doch seine Freunde bezweifeln, dass das klappt. Und sie machen sich Sorgen um Mo: Er ist in Ghana in einem Slum aufgewachsen und hat dort keine Verwandten mehr. Außerdem leidet er unter einem Trauma. Claudia Wawrok befürchtet, er könnte sich in Ghana etwas antun.

Hoffnung auf Ausnahmegenehmigung

In Nördlingen hat Mohammed mit den Tierheimmitarbeitern und den Tieren fast so etwas wie ein zweites Zuhause gefunden. In der Gemeinschaftsunterkunft hält ihn nichts, dort ist er allein, doch bei den Tieren blüht er auf. Und für Manu Kaussen, die Leiterin des Tierheims ist er kaum ersetzbar. Zu viele Bewerber hat sie schon erlebt, die falsche Vorstellungen von der Arbeit im Tierheim haben und nach ein paar Monaten aufgeben. Doch Mohammed ist immer da. Manu Kaussen hofft auf eine Ausnahmegenehmigung für ihn, denn für sie gehört er einfach dazu.

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