BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Luchs "Julchen" erfolgreich im Fichtelgebirge ausgewildert | BR24

© BR

Lange galt der Luchs in Bayern als ausgerottet. Seit etwa 50 Jahren kehrt er langsam zurück, ist aber immer noch gefährdet. Etwa 50 Luchse leben inzwischen wieder hier. Dazu kommt nun Luchs "Julchen", die im Fichtelgebirge ausgewildert wurde.

8
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Luchs "Julchen" erfolgreich im Fichtelgebirge ausgewildert

Bislang ist das Vorhaben, einen jungen Luchs von Menschen aufzupäppeln und dann auszuwildern, erst dreimal in Bayern gelungen. Jetzt hat es im Fichtelgebirge geklappt. Dort hofft man nun auf Nachwuchs.

8
Per Mail sharen

Julchen ist frei. Im Juli hat die Luchs-Dame ihren Käfig irgendwo im Fichtelgebirge verlassen. Sie ist damit erst das vierte Tier ihrer Art in Bayern, das aufgepäppelt und wieder freigelassen wurde.

Nur 60 ausgewachsene Luchse gibt es in Bayern

Etwa 150 Jahre lang war der Luchs in Bayerns Wäldern offiziell ausgerottet. Seit rund 50 Jahren kehrt er zwar langsam zurück – ist aber immer noch stark gefährdet. Nur 86 Luchse, darunter 26 Jungtiere, konnten im vergangenen Jahr in Bayern nachgewiesen werden. Die meisten sind wohl über die tschechische Grenze nach Bayern gekommen. Infolge des öffentlichen Drucks ist die Jagd nach dem Luchs in den vergangenen Jahren zurückgegangen.

Erst drei Luchse in Bayern aufgepäppelt und ausgewildert

Gefährdet sind die Tiere seither vor allem durch den Straßenverkehr. Manchmal werden Luchse verletzt oder verstört aufgefunden und gesund gepflegt. Sie danach wieder in die freie Natur zurückzubringen, das ist in Bayern bis jetzt aber erst dreimal gelungen. Im Fichtelgebirge gab es ein solches Wieder-Auswilderungsprojekt bis vor Kurzem noch nicht. Dann kam Julchen.

Luchs Julchen: An einer Straße im Bayerischen Wald gefunden

Julchen ist eine junge Luchskatze: Sie ist etwa ein Jahr alt und wiegt um die 30 Kilogramm. Zum Vergleich: Rufus, der als "dickster Luchs Deutschlands" galt, wog rund 50 Kilogramm. Im Mai ist er nach längerer Krankheit im Wildpark Schweinfurt gestorben. Gefunden wurde Julchen im vergangenen Sommer an einer Straße im Bayerischen Wald. Als vermeintliches "Kätzchen" wurde Julchen zum Tierarzt gebracht. Der erkannte, dass er kein gewöhnliches Kätzchen vor sich hatte, sondern einen jungen Luchs. Versuche, Julchen wieder zurück zur Mutter zu bringen, scheiterten. Also wurde das Jungtier mit Milch aufgepäppelt, kam in eine Auffangstation in Niedersachsen und von dort aus schließlich ins Fichtelgebirge.

Förster kümmern sich um Luchs-Dame Julchen

Seit Mitte April sind der Forstwirt Martin Hertel und seine Kollegen von den Bayerischen Staatsforsten für Julchen verantwortlich. Das Landesamt für Umwelt hat sie beauftragt. Und Hertel ist stolz darauf, Teil des Wieder-Auswilderungsprojekts zu sein: "Das ist eine tolle Aufgabe, weil das ein unglaublich elegantes, schönes, geschmeidiges Tier ist. Eine richtig wilde Katze halt."

Luchs Julchen sollte sich nicht an Menschen gewöhnen

Von April bis Mitte Juni haben die Luchs-Kümmerer Julchen in einem extra für sie gebauten Gehege versorgt. Wo genau dieses Gehege steht, war ein streng gehütetes Geheimnis. Julchen sollte sich nämlich so wenig wie möglich an Menschen gewöhnen – Schaulustige wären da ungelegen gekommen. Ziel war es, sie so bald wie möglich in die Freiheit zu entlassen. Und dafür brauchte die Wildkatze all ihre natürlichen Instinkte.

© BR/Katharina Herkommer

Erst dreimal ist es in Bayern gelungen, einen Luchs aufzuziehen und auszuwildern. Jetzt hat es im Fichtelgebirge geklappt.

Luchs verschwindet durch offene Käfigtür in die Freiheit

Ein paar Wochen später war es dann so weit: Martin Hertel und seine Kollegen haben Julchens Käfigtür abends offen gelassen. Zuerst hatte sie gezögert. Dann marschierte Julchen davon und ist – anders als erwartet - seitdem auch nicht mehr zurückgekommen. Hertel vermutet, dass der Luchs so selbstständig ist, dass er eigenständig Futter findet und in der Freiheit allein zurechtkommt.

Wildkamera zeigt Julchen bei nächtlichem Streifzug

Trotzdem legen Hertel und seine Kollegen dem Luchsweibchen nach wie vor Futter bereit. Daran bedient sich aber wohl vor allem ein Fuchs. Sorgen machen sich die Förster um Julchen jedoch nicht. Im Umkreis wurden extra weitere Wildkameras aufgestellt. Und vor einer solchen hat sich Julchen auf einem ihrer nächtlichen Streifzüge bereits sehen lassen. Die Erfahrung zeigt: Auch in anderen Gegenden werden Wildkameras erfolgreich eingesetzt: Zuletzt tappte im April ein Luchs im Oberallgäu in eine Fotofalle. Dort war es erst der zweite Nachweis der scheuen Tiere innerhalb von 180 Jahren.

Hoffen auf Luchs-Nachwuchs im Fichtelgebirge

Es sieht also so aus, als würde Julchen im Fichtelgebirge sesshaft werden. Wenn dann noch ein Männchen aus dem Steinwald oder Tschechien den Weg zu der Luchs-Dame findet, könnte schon im nächsten Sommer Nachwuchs im Fichtelgebirge anstehen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!