Jugendzentren und Corona: "Hunger nach realen Erlebnissen"

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Jugendzentren und Corona: "Hunger nach realen Erlebnissen"

Jugendzentren und Corona: "Hunger nach realen Erlebnissen"

Lange mussten die Jugendzentren während der Corona-Pandemie schließen, später konnten sie nur unter strengen Auflagen öffnen. Mittlerweile laufen die Jugendeinrichtungen weitgehend im Normalbetrieb. Viele Sorgen bleiben aber.

Ein Besuch beim Girls-Camp in Fürth: Zwei Tage lang können 14 Mädchen zum Beispiel Graffiti sprühen, Virtual-Reality-Brillen ausprobieren, basteln oder einfach nur abhängen und neue Leute treffen. Es ist ein Angebot des Jugendtreffs Oase und des Jugendmedienzentrums Connect.

Normalbetrieb an Jugendzentren wieder möglich

Nach den Lockdowns und strikten Corona-Regeln ist seit wenigen Monaten in den Jugendzentren wieder viel geboten. Auch jetzt in den Sommerferien. Und das hat den Jugendlichen gefehlt. "Es fühlt sich wieder richtig gut an, andere Leute kennenzulernen", sagt die elfjährige Cosima. "Es ist besser. Zu Hause, als wir nicht so viel machen durften, hat man sich irgendwann eingeengt gefühlt", fügt die 14-jährige Elena hinzu.

Leiter der Jugendarbeit: "Hunger nach realen Erlebnissen ist da"

Die Jugendlichen leben in der Gemeinschaft wieder auf und kommen auch wieder in die Jugendzentren, freut sich der Leiter der Jugendarbeit in Fürth, Sebastian Fischer. Unter den Jugendlichen sind bekannte, aber auch neue Gesichter dabei. "Wir haben wieder sehr hohe Besucherzahlen. Man merkt einfach, der Hunger nach realen Erlebnissen ist da", sagt Fischer.

Jugendzentren entwickeln digitale Angebote

Während der Lockdowns hatten die Jugendzentren schnell ein digitales Angebot aufgebaut, berichtet Andrea Brandl vom Jugendmedienzentrum Connect. So konnten sie viele Jugendliche weiterhin erreichen. Auch der Jugendtreff Oase blieb über eine Instagram-Seite weiter in Kontakt mit den Jugendlichen und hat offene Treffen über Zoom angeboten, sagt Laura Bergmann, Sozialarbeiterin bei der Einrichtung.

Angestauter Frust macht sich bemerkbar

Die Online-Angebote konnten den persönlichen Kontakt vor Ort jedoch nicht ersetzen. In den Einrichtungen finden die Jugendliche Ansprechpartner, um auch Sorgen und Probleme loszuwerden. Und da hat sich in der Corona-Zeit Einiges angestaut. "Wir merken, dass es auch unseren Besucherinnen und Besuchern noch nicht so gut geht, dass Probleme da sind", sagt Sebastian Fischer. Häufig sei es Schulfrust, betont Laura Bergmann. "Viele haben die Zeit im Homeschooling nicht gut verkraftet, einige sind durchgefallen", so die Sozialarbeiterin.

Gespannter Blick auf den Herbst

Aber auch Depressionen und Essstörungen haben bei den Jugendlichen zugenommen, so Fischer: "Die Zeit ist an uns allen nicht spurlos vorübergegangen und an den Kindern und Jugendlichen erst recht nicht." Gespannt schauen alle auf den kommenden Herbst und hoffen, dass die Jugendzentren offenbleiben und die Jugendlichen das Angebot weiter nutzen können.

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