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Jugendfußball: Bayerische Vereine haben Nachwuchssorgen | BR24

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Jugendfußball in Gefahr

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Jugendfußball: Bayerische Vereine haben Nachwuchssorgen

Viele bayerische Fußballvereine haben Probleme, genügend Nachwuchs zu finden. Immer mehr Jugend-Mannschaften schließen sich deshalb zu Spielgemeinschaften zusammen – doch selbst das reicht mitunter nicht mehr aus.

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Wenn sich in Dachelhofen im Landkreis Schwandorf die Fußballjugend trifft, stehen dort längst nicht mehr nur Spieler von einem Verein auf dem Platz. Es sind Spieler von zwei und häufig sogar von drei Vereinen. Denn der TuS Dachelhofen ist in vielen Altersgruppen mit den Nachbarvereinen SC Katzdorf und TSV Klardorf eine Spielgemeinschaft eingegangen. Ohne diese könnte dort gar kein Kind mehr Fußball spielen.

"Die Situation ist sehr eng. Wir haben mit drei Vereinen das Dilemma, dass wir nicht einmal eine F-Jugend zusammenbringen." Jürgen Meier, Vorsitzender des TuS

In der F-Jugend spielen die 7- und 8-Jährigen. Eigentlich. Denn in Dachelhofen müssen die Kinder wegen des Nachwuchsmangels mit der älteren E-Jugend kicken.

Fast jede zweite Mannschaft ist eine Spielgemeinschaft

Dass Vereine wie im Landkreis Schwandorf den Spielbetrieb alleine nicht mehr aufrechterhalten können, ist kein Einzelfall. Im Gegenteil: Zahlen des Bayerischen Fußballverbands (BFV) zeigen den Trend zur Spielgemeinschaft und damit den Nachwuchsmangel.

Der wird besonders bei den Ältesten von den A- und B-Jugenden deutlich, sie sind am stärksten betroffen. Zur Saison 2015/16 spielten in Bayern noch knapp 36 Prozent der Mannschaften dieser Altersklasse in einer Spielgemeinschaft. Zur aktuellen Saison sind es bereits gut 45 Prozent – also fast jede zweite Mannschaft.

Fußballverband befragt Vereine zur aktuellen Situation

Dabei gibt es durchaus regionale Unterschiede, wie Florian Weißmann erklärt. Er ist beim BFV für die Jugend zuständig: "In Unterfranken beispielsweise sieht man, dass der Bedarf richtig groß ist", so Weißmann. In Großstädten wie München hingegen mussten Vereine auch schon Kinder ablehnen, weil sie nicht genügend Platz haben.

Der Fußballverband fragt deshalb gerade bei allen der rund 4.600 Vereine im Freistaat nach, wie die Situation bei ihnen ist. Bis Ende Mai will der BFV die Rückmeldungen der Umfrage auswerten und Ergebnisse präsentieren. Die Resonanz der Vereine ist bislang groß.

Computer und Smartphone statt Fußball

Warum aber haben Vereine überhaupt mit Nachwuchssorgen zu kämpfen? Die Gründe dafür sind vielfältig: In Dachelhofen zum Beispiel musste vor ein paar Jahren die Grundschule schließen. Seitdem gehen die Kinder im Nachbarort zur Schule, viele von ihnen spielen dort nun auch Fußball.

Außerdem fehlen Neubaugebiete und damit junge Familien. Viele Mütter und Väter am Sportplatz machen aber auch Computer und Smartphone verantwortlich – und die Eltern, die ihre Kinder "nur noch davor parken".

Nachwuchsmangel setzt sich auch in Zukunft fort

Und in Dachelhofen dürfte die Lage auch in Zukunft nicht besser werden. Der Vorstand um Jürgen Meier überlegt inzwischen, die Jugend ganz aus der Spielgemeinschaft zurückzuziehen – weil in den nächsten Jahren eher noch weniger Spieler nachkommen.

"Mir würde es in der Seele und im Herzen wehtun und darum kämpfe ich mit letzter Kraft", sagt Meier. Falls es aber nicht klappt, bliebe den übrigen Kindern nur noch, zum Nachbarverein zu wechseln. Bei den Erwachsenen ist das vor kurzem bereits passiert.