BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: picture alliance/dpa | Franziska Gabbert

Rund 3.500 förderungsbedürftige Jugendliche in Bayern werden bei ihrem Berufseinstieg jedes Jahr begleitet. Diese Gelder aus dem EU-Sozialfonds stehen auf der Kippe - und auch der Freistaat könnte die notwendigen fünf Millionen Euro streichen.

19
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Jugendförderung: Berufseinstiegsbegleitung vor dem Aus

Rund 3.500 förderungsbedürftige Jugendliche in Bayern werden bei ihrem Berufseinstieg jedes Jahr begleitet. Diese Gelder aus dem EU-Sozialfonds stehen auf der Kippe - und auch der Freistaat könnte die notwendigen fünf Millionen Euro streichen.

19
Per Mail sharen
Von
  • Johannes Reichart
  • BR24 Redaktion

Im Jugendsozialwerk Landshut: Es ist ein besonderer Termin für Luisa Ling Fan – in zwei Wochen beginnt die 15-jährige Mittelschülerin ihr Praktikum als Verfahrensmechanikerin bei BMW. Heute bespricht sie mit ihrer Berufseinstiegsbegleiterin letzte Details zum richtigen Auftreten.

"Ich finde einfach, dass die Berufseinstiegsbegleitung intensiver hinter dir steht und dich auch wirklich bis zum Ende begleitet. Die fängt an mit dir, macht Bewerbungen, gibt dir einfach ein paar Informationen und das finde ich gut." Luisa Ling Fan, Berufseinsteigerin

Sich richtig bewerben und präsentieren, die Abschlussprüfungen erfolgreich beenden, Kontakt zu Firmen aufnehmen und halten – die Begleiterin Marion Zöttl betreut Jugendliche mit Schwierigkeiten bei ihrem Übergang von der Schule in den Job. Ihre Aufgaben: "Bei schulischen Schwierigkeiten eingreifen, Nachhilfe organisieren, vielleicht ein Tutorensystem installieren und zu schauen, wo das Problem liegt. Das andere ist das Befähigen zum Berufswahlverfahren, also selbst eine Bewerbung schreiben zu können und zu wissen, worauf es ankommt. Wie kann ich mich präsentieren? Was präsentiere ich überhaupt? Wer bin ich? Wo sind denn tatsächlich meine Stärken? All das versuchen wir gemeinsam herauszufinden und zu sagen: Du kannst es, geh' hin, zeig' dein Bestes und hole dir diese Stelle."

Ein etabliertes System, das beiden Seiten hilft

Die Unterstützung für Jugendliche aus Förderschulen, Mittel- und Realschulen kommt auf beiden Seiten gut an. Die Wartelisten sind lang. Viele Schulen und Unternehmen hofften sogar auf mehr Plätze des Programms. "Die Ausbildungsplätze sind vorhanden, und die Kinder sind auch da. Es fehlt einfach an dieser Nahtstelle, wann ich beide zusammenbekomme."

Nachhilfe bei grundlegenden Themen

Auch Luisas Freundin Stella würde gerne gecoacht werden. Sie ist auf der Warteliste des Landshuter Jugendsozialwerks und findet das Programm wichtig. "Wenn sie kein Deutsch können, hilft Frau Zöttl weiter mit dem Schreiben der Bewerbung und einen Platz zu finden. Viele Schüler wissen nicht, was sie machen wollen."

Fünf Millionen Euro für 3.500 pro Jahr

Jedes Jahr werden 3.500 förderungsbedürftige Jugendliche in Bayern beim Berufseinstieg begleitet. Doch dass bei Förder-, Real- und Mittelschulen beliebte Programm steht auf der Kippe. Da Gelder aus dem EU-Sozialfonds wegzufallen drohen, hat auch der Freistaat seinen Anteil, also rund fünf Millionen Euro jährlich zusammengestrichen. Für den Leiter des Landshuter Jugendsozialwerks Ludwig Weber gleicht das einer Katastrophe.

"Wir brauchen eine Förderzusage als Perspektive für die 3.500 Jugendlichen, die dann im September wieder einsteigen können. Es geht um ein individuelles Coaching der Schüler. Die Schüler haben Schwierigkeiten und Entwicklungsdefizite. Manche haben einen Migrationshintergrund, wiederum andere haben nicht das Feedback vom Elternhaus und brauchen dringend langfristiges Einzelcoaching bis in den Beruf." Ludwig Weber, Leiter des Landshuter Jugendsozialwerks

Breite Unterstützung für eine Fortführung des Programms

Nicht nur Sozialverbände, auch der Lehrerverband BLLV, Unternehmen wie BMW, der DGB und die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft vbw haben sich mit dringenden Appellen an die Politik gewandt, das Programm auch ohne die EU-Gelder fortzuführen. Im Haushaltsausschuss im Landtag wollten Grüne, FDP und SPD am Dienstag per Antrag das Programm retten. Harald Güller von der SPD und Claudia Köhler von den Grünen finden: Die nötigen 20 Millionen Euro bis 2025 lohnen sich. "Mit diesem Antrag können wir Klarheit schaffen, für 3.500 junge Menschen, dass sie eine bessere Chance auf den Berufseinstieg haben."

Haushalt Bayerns wäre bereits geschlossen

"Also da frage ich mich dann schon, warum sich dieser kleine Betrag für die Jugendlichen nicht in den Haushalt findet und aus der Rücklage genommen werden kann." CSU und Freie Wähler lehnen den Antrag ab, wieso erklärt Bernhard Pohl von den Freien Wählern. "Fakt ist zunächst einmal, dass der Entwurf der Staatsregierung diese Ausgaben nicht vorgesehen hat. Dieser Antrag kommt jetzt zu einem Zeitpunkt, wo der Haushalt im Grunde genommen zu ist."

Prüfung für mögliche Weiterfinanzierung gestartet

Mit der Opposition beschließt die Regierungsmehrheit im Ausschuss dann aber, das Kultus- und Sozialministerium prüfen mögen, ob das Projekt nicht doch über den Oktober hinaus weiter finanziert werden könne. Ein Hoffnungsschimmer also bleibt für Stella und vielen anderen künftigen Schulabgänger.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!