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Jüdisches Pessach-Fest fällt dieses Jahr auf Ostern | BR24

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Das Jüdisches Pessachfest fällt dieses Jahr auf Ostern.

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Jüdisches Pessach-Fest fällt dieses Jahr auf Ostern

Christen weltweit feiern das Osterfest, doch dieses Jahr findet gleichzeitig auch noch ein zweites wichtiges, religiöses Fest statt: das jüdische Pessachfest. Im Jüdischen Museum in München finden spezielle Workshops und Führungen statt.

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Dieses Jahr fällt das jüdische Pessachfest, eines der höchsten Feste des Judentums, mit Ostern zusammen. Das passiert nur selten: Pessach findet immer im Frühling statt, vom 15. bis 22. Nisan. Nisan ist der siebte Monat im jüdischen Kalender und entspricht ungefähr dem Zeitraum März/April im gregorianischen Kalender. Der Beginn des Nisans schwankt allerdings, weil sich der jüdische Kalender an den Mondphasen orientiert.

Die Vorbereitungen für Pessach sind aufwendig, die Botschaften aktuell: Es geht um Freiheit und Empathie. Das Pessachfest begann dieses Jahr am Freitag und geht außerhalb Israels bis nächsten Samstag.

💡 Was ist Pessach?

Pessach ist ein wichtiges, jüdisches Wallfahrtsfest. Juden pilgerten - und tun das bis heute - nach Jerusalem und bringen Feldfrüchte als Opfergaben dar. Pessach bedeutet "über etwas hinwegschreiten" und erinnert an das Wunder des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten. Im Gedenken an den Zug durch die Wüste wird während des achttägigen Festes nur ungesäuertes Brot (Matze, oder Mazze) gegessen.

Gekennzeichnet wird Pessach dadurch, dass an ihm der Genuss und Besitz aller auf Getreide basierenden gesäuerten Lebensmittel verboten ist. Im Mittelpunkt der Feiern steht am Vorabend von Pessach das sogenannte Sedermahl, bei dem die biblischen Passagen vom Auszug aus Ägypten gelesen und Speisen mit symbolischer Bedeutung gegessen werden. (Erklärt von Andrea Lindner, BR24)

Im jüdischen Museum München finden anlässlich dieses Festes Führungen und Workshops statt. Nicht nur für Erwachsene, sondern vor allem auch für Kinder. Clara Geberth leitet einen dieser Workshops.

Der Seder-Teller des Pessachfestes

"Wenn eine jüdische Familie Pessach jetzt feiert, dann findet diese Feier zuhause statt und dann gibt es eine ganz lange Zeremonie, die dauert so etwa drei bis vier Stunden“, erklärt Geberth. Sie sitzt mit sechs Kindern im Kreis. Vor sich hat sie einen Teller - den sogenannten Seder-Teller. Das ist der Teller für den Sederabend, den Höhepunkt des Pessachfestes. Alles darauf ist eine Metapher für den Auszug des Volkes Israels aus Ägypten, erklärt sie den Kindern.

"Also das ist der Meerrettich, der hat eine ähnliche Bedeutung wie diese Kräuter hier. Die werden dann in Salz eingetaucht und das ist beides sehr bitter und salzig, und erinnert zum Beispiel an die harte Arbeit, die gemacht werden musste. An den Schweiß, die Tränen und das schlechte Leben", sagt Geberth.

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Die Kinder nehmen gemeinsam das Seder-Mahl zu sich.

Ale Konfessionen sind willkommen

Die Kinder sind alle nichtjüdisch. Viele haben bereits in der Schule etwas über den jüdischen Glauben gelernt. Es geht ihnen darum, mehr über die wichtigen Feste anderer Religionen zu erfahren.

"Wir sind offen gegenüber allen Konfessionen, große Feiertage des Judentums den Kindern näher zu bringen. Das aber nicht nur mit Workshops, sondern auch mit öffentlichen Führungen oder Vorträgen." Clara Geberth, Kursleiterin.

Das Pessachfest bringt Familien und Freunde zusammen

Am Freitag mit dem Sederabend hat das diesjährige Pessachfest begonnen. Richard Volkmann, Leiter der Presseabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde in München, sagt: Pessach ist ein Fest das Leute zusammenbringt. Familie und Freunde versammeln sich, man isst gemeinsam, betet und erinnert sich an eine zentrale Geschichte fürs Judentum: den Auszug aus Ägypten in die Freiheit.

Matzen als wichtiger Bestandteil des Pessachfestes

Ganz wichtig ist für Volkmann das ungesäuerte Brot, die Matzen. In der Erzählung vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten fehlte kurz vor dem Aufbruch der Israeliten die Zeit, um das Brot gehen zu lassen.

"Was ansonsten noch prägend ist, ist natürlich, dass man eine Woche lang nur die Mazott isst. Dieses ungesäuerte Brot ist ein interessantes Erlebnis. Das macht die Erfahrung des Auszugs aus Ägypten viel erfahrbarer, als wenn man es sich es nur verbal in Erinnerung ruft." Richard Volkmann, Leiter der Presseabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde in München

Weitere Feierlichkeiten bis Samstag

Bis kommenden Samstag wird es in Synogogen und in den Familien noch weitere Feierlichkeiten geben. Der erste und zweite, sowie der siebte und achte Tag der Pessachwoche sind die Vollfeiertage, an denen arbeiten verboten ist. Viele nehmen sich einige dieser Tage frei.

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Jedes Jahr am Sederabend tauchen fromme Juden in eine Wunderwelt ein: Kristallgeschirr und Silberbecher, brennende Lichter, ein festlich gedeckter Tisch mit Speisen, die geheimnisvolle Bedeutungen haben.