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Jüdisches Leben in der Oberpfalz - Historie mit Höhen und Tiefen | BR24

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Seit 1.700 Jahren leben Jüdinnen und Juden auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands - Anlass für ein großes, bundesweites Festjahr. Informationen von Sebastian Grosser aus Regensburg, dem Standort der ältesten jüdischen Gemeinde in Bayern.

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Jüdisches Leben in der Oberpfalz - Historie mit Höhen und Tiefen

2021 werden 1.700 Jahre jüdischen Lebens in Bayern gefeiert. Mit verschiedenen Veranstaltungen. Auch in Niederbayern und der Oberpfalz ist jüdisches Leben verankert, zum Beispiel in Regensburg und Amberg.

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Von
  • Meike Föckersperger
  • Margit Ringer
  • BR24 Redaktion

In Niederbayern und der Oberpfalz leben aktuell rund 2.500 Juden, aufgeteilt in vier Gemeinden: Amberg, Weiden, Straubing und Regensburg.

Jüdisches Leben seit dem 10. Jahrhundert

Die Gemeinde Regensburg ist dabei zugleich die älteste Gemeinde in Bayern. 981 wurde erstmals eine jüdische Gemeinde in der Donaustadt schriftlich erwähnt. Die Urkunde gilt als ältester Nachweis jüdischer Präsenz in Bayern.

Später wurde die Stadt eine der bedeutendsten Gemeinden in Europa und im 12. und 13. Jahrhundert eines der wichtigsten Zentren jüdischer Gelehrsamkeit. An der berühmten Talmud-Schule studierten alle großen Rabbiner der Zeit.

Vertreibung im 16. Jahrhundert

Nachdem im 15. Jahrhundert die ersten Juden wegen "Ritualmorden" angeklagt wurden, folgte 1519 die Austreibung aus Regensburg. Die Synagoge und das Judenviertel wurden abgerissen. Die alte Synagoge wurde durch eine christliche Kirche ersetzt. Alle Juden wurden über die Steinerne Brücke aus der Stadt verwiesen, teilweise auf Boote gebracht und ihrem Schicksal überlassen.

Neustart im 18. Jahrhundert

Erst im 18. Jahrhundert siedelten sich wieder Juden in Regensburg an. Die 1912 erbaute Synagoge wurde allerdings 1938 von den Nationalsozialisten wieder zerstört. Die Jahre bis 1945 löschten das jüdische Leben dann zum zweiten Mal aus.

Heute rund 900 Juden in Regensburg

Ende der 1980er-Jahre war die jüdische Gemeinde auf einige wenige Familien zusammengeschrumpft. Erst der Zuzug zahlreicher Juden aus Osteuropa brachte neues Leben in die Gemeinde. Heute umfasst die Jüdische Gemeinde in Regensburg rund 900 Mitglieder.

Heute ist Ilse Danziger die Vorsitzende der Gemeinde. Sie ist optimistisch, was die Zukunft angeht. "Wir sind dankbar, dass wir mit der neu erbauten Synagoge 2019 Präsenz in der Stadt zeigen und tolle Zusammenarbeit mit anderen Religionen haben."

Einen Wermutstropfen im Jubiläumsjahr stellt aktuell die Corona-Situation dar: Um die vielen älteren Gemeindemitglieder zu schützen, gibt es derzeit keine Gebete in der neuen Synagoge.

© BR/Meike Föckersperger

Ilse Danziger, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Regensburg, in der neuen Synagoge.

Lebendige Gemeinde in Amberg

Die jüdische Gemeinde in Amberg ist mit ihren 125 Mitgliedern relativ klein, aber sehr lebendig. Die meisten der Mitglieder oder ihre Vorfahren kommen aus den ehemaligen GUS-Staaten und sind in den 1990er-Jahren zugewandert. Rabbiner Elias Dray hingegen stammt aus einer alteingesessenen Amberger Familie. Er lebt zwar mit seiner Frau und den Kindern in Berlin, betreut aber drei Tage pro Woche die jüdische Gemeinde in Amberg. Dabei unterrichtet er zehn Kinder in Hebräisch und Geschichte, feiert mit den Gemeindemitgliedern gemeinsame Gebete oder die jüdischen Feiertage.

Über hundertjährige Tradition

Die jüdische Gemeinde in Amberg gibt es seit 127 Jahren, sie wurde von Juden aus dem benachbarten Sulzbach gegründet. In Sulzbach gab es am Herzoghof von Christian August ein blühendes jüdisches Leben. Mit der Druckerei Seidel befand sich eine der bedeutendsten jüdischen Druckereien in Europa im Umfeld des Schlosses in Sulzbach. Die Amberg Gemeinde ist liberaler Ausrichtung und besitzt eine der ältesten Tora-Rollen Süddeutschlands

Gemeindeleben trotz Corona-Pandemie

Die Corona-Situation stellt auch die Amberger Gemeinde vor Herausforderungen. Swetlana Hettwa ist dabei "die gute Seele": Sie telefoniert mit Gemeindemitgliedern, fragt, wie es ihnen geht, wo sie unterstützen kann. Und sie organisiert und kocht. Am Freitag stellt sie wieder bis zu 60 Pakete zusammen mit frisch gekochtem koscherem Essen, Segensprüchen und Kerzen, die dann abgeholt werden können oder auch an die älteren Gemeindemitglieder geliefert werden. So halten sie und Rabbiner Elias Dray das Gemeindeleben in der Pandemie aufrecht.

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In Niederbayern und der Oberpfalz ist jüdisches Leben verankert. Zum Beispiel in Regensburg - und Amberg.

Jubiläumsjahr startet mit Feierstunde

In diesem Jahr würdigt Bayern 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Zum Auftakt des Jubiläumsjahrs "321-2021: I.700 Jahre jüdisches Leben in Bayern" findet am Dienstagabend eine Online-Feierstunde statt, mit Statements von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch und Bayerns Antisemitismusbeauftragtem Ludwig Spaenle.

Das Festjahr bezieht sich auf ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin von 321. In ihm ist erstmals eine jüdische Gemeinde in Köln erwähnt. Darin wurde festgelegt, dass Juden städtische Ämter bekleiden dürfen.

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