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Die heilige Schrift hat mehr als 200 Jahre, Brände und die Herrschaft der Nationalsozialisten überstanden - nun ist sie nach der Restaurierung in die Oberpfalz zurückgekehrt.

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Jüdische Gemeinde Amberg feiert Rückkehr der alten Thorarolle

In Amberg feiert die Jüdische Gemeinde am Sonntag mit einem Festakt im Amberger Congress Centrum die Rückkehr einer Thorarolle. Sie ist über 200 Jahre - auch über die NS-Zeit hinweg - erhalten geblieben. Die Thorarolle erzählt eine lange Geschichte.

Von
Thomas MuggenthalerThomas MuggenthalerBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Es war schon eine kleine historische Sensation, als Rabbiner Elias Dray im Thoraschrein der Amberger Synagoge die altehrwürdige Thorarolle entdeckte. Sie hatte einige Jahrzehnte einen kleinen Dornröschenschlaf gehalten, sagt der gebürtige Amberger. 2013 nahm Elias Dray seine Arbeit als Rabbiner in Amberg auf. Dann fand er diese Gebetsrolle, die 1793 für die Synagoge im nahen Sulzbach geschrieben wurde.

Vor 200 Jahren geschrieben

"Das war schon eine spannende Geschichte", sagte Elias Dray. Die prächtige Thorarolle wurde also vor über 200 Jahren geschrieben und es ist vermerkt, wer sie geschrieben hat und für welche Synagoge. Das ist ungewöhnlich und bestätigt ihre Herkunft, freut sich Johannes Hartmann, der Stadtarchivar von Sulzbach-Rosenberg. Die Thora-Rolle war auch schon einmal in der Synagoge in Sulzbach zu sehen, die heute für Kulturveranstaltungen und als Museum genutzt wird.

Thorarolle übersteht Stadtbrand und Nationalsozialismus

Die Thorarolle aus Sulzbach ist zweimal wie durch ein Wunder erhalten geblieben. Zum einen ist sie beim großen Stadtbrand 1822 in Sulzbach nicht verbrannt, wie die meisten Thorarollen. Zum anderen hat sie die Herrschaft der Nationalsozialisten überstanden. Als die Gemeinde in Sulzbach 1934 aufgelöst wurde, kam die Thorarolle nach Amberg. Auch hier haben Nazis das Gotteshaus am 9. November 1938 verwüstet. Die Thorarolle wurde aber mit Hilfe nicht jüdischer Amberger rechtzeitig in das Stadtmuseum gebracht und gerettet.

Buchstabe für Buchstabe in Israel saniert

Nach Kriegsende kam sie wieder zurück in die Amberger Synagoge, die in der Pogromnacht vom 9. November 1938 verwüstet, aber nicht abgebrannt worden ist. Als Elias Dray die Thorarolle entdeckt hat, war sie schon arg verblichen. Der Amberger Rabbiner hat sie deshalb in Israel sanieren lassen, Buchstabe für Buchstabe wurde nachgeschrieben. Feierlich zu Ende geschrieben wurde sie dann am 27. Januar 2021 im Rahmen des Gedenkaktes für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag.

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Die Amberger Synagoge: Hier soll die 200 Jahre alte Thorarolle ihren langfristigen Platz finden.

Thorarolle soll bei Gottesdiensten verwendet werden

Elias Dray wird die Thorarolle künftig auch bei Gottesdiensten verwenden. Er ist froh, jetzt zwei Thorarollen zu haben, weil zu bestimmten Anlässen auch an zwei unterschiedlichen Stellen aus der Thora gelesen werden muss.

Am Sonntag wird Rabbiner Elias Dray die Thorarolle zu dem Festakt in den Saal des Amberger Concress Centrums tragen, der um 14.00 Uhr beginnt. Nach Gesprächsrunden wird sie gesegnet und zum Schluss circa um 17.00 Uhr mit einem Festzug zur Synagoge getragen.

In Amberger Synagoge ausgestellt

Die Thorarolle wird in der Amberger Synagoge ihren Platz in einer Vitrine finden, damit sie auch bei Führungen zu sehen ist. Die Vitrine dafür gibt es schon. Darüber sind auf einer Informationstafel, die bereits angebracht worden ist, alle wichtigen Informationen zu lesen. Für Rabbiner Elias Dray ist die Thorarolle auch ein Symbol der Hoffnung, eben, weil sie in der NS-Zeit mit Hilfe von nichtjüdischen Ambergern gerettet worden ist.

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In Amberg feiert die Jüdische Gemeinde am Sonntag mit einem Festakt im Amberger Congress Centrum die Rückkehr einer Thorarolle, die über 200 Jahre auch über die NS-Zeit hinweg erhalten geblieben ist.

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