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Jüdisches Leben in Deutschland gibt es seit – mindestens – 1.700 Jahren. Daran wird heuer mit einem Festjahr erinnert. In Augsburg gibt es eine fast genauso alte Tonscherbe, die einen jüdischen Bezug hat. Eine – etwas versteckte – Sensation.

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Juden in Bayern: Augsburg hütet 1.500 Jahre alten Schatz

Jüdisches Leben in Deutschland gibt es seit – mindestens – 1.700 Jahren. Daran wird heuer mit einem Festjahr erinnert. In Augsburg gibt es eine fast genauso alte Tonscherbe, die einen jüdischen Bezug hat. Eine – etwas versteckte – Sensation.

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Von
  • Christian Wagner

Es ist schon mehr als 60 Jahre her, dass Archäologen bei Grabungen in Augsburg eine besondere Tonscherbe entdeckt haben. Auf dem Bruchstück einer Öllampe ist eine Menorah zu erkennen, der siebenarmige Leuchter des Judentums. Diese Verzierung ist einer der ältesten Hinweise auf jüdisches Leben in Bayern.

Überraschung für jüdische Gemeinde

Nicht einmal Josef Strzegowski wusste von diesem Fund. Dabei ist er "Gabbai" in der jüdischen Gemeinde in Augsburg. Strzegowski ist also Laienvorsteher, Assistent des Rabbiners. Mit religiösen Symbolen und den Spuren des Judentums in der Römerstadt kennt er sich aus.

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Die 1500 Jahre alte Tonscherbe, vor der Nachbildung der Öllampe, wie sie im Museum ausgestellt werden könnte.

Als ihm Sebastian Gairhos, der Leiter der Stadtarchäologie, die kleine Schachtel mit der Scherbe zeigt, ist Strzegowski beeindruckt, die Menorah auf einem so alten Fundstück zu sehen. Die Original-Scherbe fasst Archäologe Gairhos nur mit einem Baumwollhandschuh an. "Ende viertes, Anfang fünftes Jahrhundert" – aus diesem Zeitraum müsse die Öllampe stammen.

Die Tonscherbe erzählt viel, aber nicht alles

Damals seien diese Lampen in großer Stückzahl in Nordafrika hergestellt worden, im heutigen Tunesien. Gairhos sagt: Dass eine solche Scherbe in Augsburg gefunden wurde, zeigt, wie mobil die Menschen um das Jahr 400 n. Chr. waren, wie gut Augsburg angebunden war an die Handelswege des Römischen Reichs.

War der Öllampen-Besitzer Jude?

Über den Besitzer der Öllampe wissen die Archäologen nichts. Dafür, dass er also selbst Jude war, gebe es keinen Beweis. "Aber der Besitzer hat mit großer Wahrscheinlichkeit gewusst, was es mit der Menorah-Verzierung auf seiner Lampe auf sich hat", sagt Gairhos. Und: Es gebe in Deutschland nur einen vergleichbaren Fund, in Trier.

Eine "Ermutigung" für die Juden in Augsburg

Noch in der Stadtarchäologie denkt Josef Strzegowski darüber nach, was diese Tonscherbe denn für eine Botschaft habe: "Das ist für die Juden, die heute in Augsburg leben, eine Ermutigung, wenn sie sagen, die hatten es ja damals auch nicht leicht." Das Beharrungsvermögen des vergleichsweise kleinen jüdischen Volks, das habe ihn beeindruckt, weit weg vom 70 nach Christus zerstörten Tempel in Jerusalem.

Tonscherbe mit Menorah soll ausgestellt werden

Am Ende des Besuchs bringt Archäologe Gairhos die Schachtel mit der Tonscherbe und der Nachbildung zurück ins Depot. Dort sei der Fund nie in Vergessenheit geraten, sagt er. Und über den Wunsch von Josef Strzegowski, die 1.500 Jahre alte Scherbe doch einmal auszustellen, könne man sicher nachdenken. Während der Stadt Augsburg ja weiterhin ein großes römisches Museum fehlt, gibt es ja immerhin ein jüdisches Museum bei der Synagoge in der Augsburger Halderstraße.

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