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Josef Schuster sieht "Neue Qualität" von Antisemitismus | BR24

© dpa Picture-Alliance Sven Simon

Josef Schuster sieht "Neue Qualität" von Antisemitismus

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    Josef Schuster sieht "Neue Qualität" von Antisemitismus

    Nach einem Anschlag auf das Haus eines jüdischen Ehepaares in Hemmingen bei Hannover sieht Josef Schuster aus Würzburg, Präsident des Zentralrats der Juden, eine "neue Qualität" von Antisemitismus erreicht.

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    "Hier wurde nicht eine jüdische Einrichtung angegriffen, die als solche deutlich zu erkennen ist, sondern hier haben die Täter den privaten Wohnort eines jüdischen Ehepaares ausfindig gemacht und sind mit dem Anschlag deutlich in deren Privatsphäre eingedrungen." Josef Schuster zur "Welt am Sonntag"

    Laut Schuster hat sich die Lage "insgesamt wirklich verschlechtert". Es sei Zeit, dass sich der Wind in der Gesellschaft drehe, sagte er der Zeitung.

    Antisemitismus-Beauftragter: Kippa nicht überall tragen

    Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt: "Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen. Das muss ich leider so sagen." Er habe seine Meinung "im Vergleich zu früher leider geändert", sagte Klein. Seinen Meinungswandel begründete er mit der "zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung", die einen fatalen Nährboden für Antisemitismus darstelle. Vertreter der jüdischen Gemeinde in Deutschland forderten, der Staat müsse ihren Mitgliedern ein Leben ohne Angst gewährleisten. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) betonte, es sei nicht hinnehmbar, wenn Juden ihren Glauben verstecken müssten. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, reagierte bestürzt. Es mache ihn unendlich traurig, dass wir in unserem Land überhaupt diese Diskussion führen müssen. Und er schäme sich dafür, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

    Äußerung sorgt für Empörung in Israel

    Mit seiner Äußerung sorgte Klein auch in Israel für Empörung. So erklärte Israels Staatspräsident Reuven Rivlin am Sonntag, dieser Rat habe ihn "zutiefst schockiert". Die Verantwortung für das Wohl, die Freiheit und das Recht auf Religionsausübung jedes Mitglieds der deutschen jüdischen Gemeinde liege in den Händen der deutschen Regierung und ihrer Strafverfolgungsbehörden, so Rivlin. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Schuster, stellte sich allerdings hinter Kleins Äußerung.

    "Es ist seit längerem eine Tatsache, dass Juden in einigen Großstädten potenziell einer Gefährdung ausgesetzt sind, wenn sie als Juden zu erkennen sind. Es ist daher zu begrüßen, wenn diese Situation auch auf höchster politischer Ebene mehr Aufmerksamkeit erfährt." Josef Schuster zur Deutschen Presse-Agentur

    Die Bekämpfung des Antisemitismus müsse sich die ganze Gesellschaft zu eigen machen, so Schuster. "Es ist höchste Zeit."