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Josef Schuster schließt seine Würzburger Arztpraxis | BR24

© Jochen Wobser/BR-Mainfranken

Für viele seiner Patienten ist es trauriges Ereignis, für die Terminplanung von Josef Schuster ist es eine Entlastung: Der Internist und Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland schließt seine Arztpraxis in der Würzburger Innenstadt.

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Josef Schuster schließt seine Würzburger Arztpraxis

Für viele seiner Patienten ist es trauriges Ereignis, für die Terminplanung von Josef Schuster ist es eine Entlastung: Der Internist und Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland schließt seine Arztpraxis in der Würzburger Innenstadt.

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Susanne Schäfer hat viele Geschenke entgegengenommen und viele Tränen gesehen in den vergangenen Juni-Wochen. Als Mitarbeiterin am Empfang der Arztpraxis von Josef Schuster bekommt sie die Reaktionen auf den Rückzug des Würzburger Internisten hautnah mit.

" Viele Patienten sind innerlich berührt und weinen, auch am Telefon. Wir versuchen, sie dann zu beruhigen. Aber für viele bricht jetzt eine Welt zusammen. Die Kompetenz und die Ausstrahlung von Josef Schuster sind wirklich einmalig. Ich habe ihn in all den Jahren nicht einmal launisch oder verärgert erlebt." Susanne Schäfer, langjährige Mitarbeiterin von Josef Schuster

Josef Schuster: Praxisschließung nach 32 Jahren

Josef Schuster selbst merkt man im Gespräch an: So ganz leicht fällt auch ihm der Abschied nicht. Vor 32 Jahren hat Schuster die Praxis an der Würzburger Juliuspromenade von seinem Vorgänger übernommen. Aber jetzt, im Alter von 66 Jahren, sei der Zeitpunkt eben gekommen. Der Brotberuf Arzt und das so wichtige Ehrenamt als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland – diese Kombination hat in den vergangenen Jahren auch ihren Tribut gefordert.

"Das war gar nicht so selten, dass ich nachmittags um drei oder vier Uhr noch nach Berlin gefahren bin, dann nachts um eins oder um zwei nach Hause kam und morgens um sechs hat dann der Wecker geklingelt. Das zehrt schon an den Kräften und keiner wird jünger. Und dann will auch die Familie zu ihrem Recht kommen, insbesondere die Frau - und da ist es jetzt der richtige Weg, zu sagen: Diesen Teil beende ich." Josef Schuster, Arzt und Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
© pa-dpa

Jutta und Josef Schuster bei einer Preisverleihung im Jüdischen Museum Berlin

Weiterhin Notarzt-Einsätze in der Region

Seinen Einsatz als Notarzt in der Region – alle zwei Wochen eine Nacht – will Josef Schuster aber weiterführen – das sei ein "medizinisches Hobby" seit Studententagen. Die zunehmende Aggressivität gegenüber Rettungskräften mache dieses Hobby jedoch seit einigen Jahren zur noch größeren Herausforderung. Bei machen Einsätzen müsse man sich seinen Weg regelrecht bahnen, um zu dem Verletzten zu kommen. "Das Klima ist rauer geworden", so Schuster.

Weiteres Ehrenamt im Deutschen Ethikrat

Auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren und, wo immer nötig, mahnen und Einsatz zeigen: Das will Josef Schuster in seinem Amt als Zentralratspräsident künftig noch engagierter tun. Und er hat ein weiteres Ehrenamt übernommen: Er ist als Experte in den Deutschen Ethikrat berufen worden. "Das ist ein wissenschaftlich sehr hochkarätig besetztes Gremium mit interessanten Themen".

Nachfolger für die Würzburger Praxis steht bereit

Ein allgemeiner Ruhestand wird dieser ärztliche Ruhestand also sicher nicht werden. Und auch Susanne Schäfer vom Empfang hat bewegte Zeiten vor sich: Ab Juli wechselt sie ins Praxisteam des Nachfolgers. Der praktiziert zunächst noch in seinen Räumen in der Würzburger Kaiserstraße. Nach einer Renovierung geht es dann in der Praxis in der Juliuspromenade weiter. Ihrem dann ehemaligen Chef Josef Schuster wünscht Susanne Schäfer:

"Dass er gesund bleibt, noch viele Jahre in seinen Ämtern sehr erfolgreich ist und dass man den Kontakt nicht verliert mit ihm. Es geht weiter und ich denke, dass wird auch hoffentlich so bleiben." Susanne Schäfer, langjährige Mitarbeiterin von Josef Schuster

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